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Interviews & Artikel

AFI

Wider den Verfall von Kunst und Kultur

AFI waren Spätstarter: 1991 schon gründete Davey Havok die Band, doch auch als Ende der Neunziger nach den Frühwerken „Answer That and Stay Fashionable“ (1995) und „Very Proud of Ya“ (1996) der klassische kalifornische Punkrock-Sound in den Hintergrund zu treten begann, war noch nicht zu erkennen, dass die Kalifornier sich in den nächsten zehn Jahren zu einem echten Massenphänomen entwickeln würden. Mag sein, dass Fans von damals ihnen längst den Rücken gekehrt haben, Fakt ist, dass AFI mit ihrem letzten Album „Decemberunderground“ (2006) voll durchgestartet sind und irgendwo zwischen GREEN DAY und BILLY TALENT den Spagat zwischen Punk-Wurzeln einerseits und Pop-Appeal andererseits hinbekommen. Im September erschien das neue Werk „Crash Love“, und das Ox nutzte die Gelegenheit, hinter den Kulissen des Area4-Festivals mit Gitarrist Jade Puget über AFI, sein Nebenprojekt BLAQK AUDIO und die BEATLES zu sprechen.

Jade, du bist seit 1998 bei AFI und hast vorher schon in verschiedenen Bands gespielt. Was ist für dich das Besondere an AFI?

Ich denke, in dieser Band habe ich das beste Ventil, was das Songwriting betrifft. Ich habe den größten Freiraum, alles zu tun, was ich will. Die anderen Bands, in denen ich gespielt habe, hatten alle einen bestimmten Stil wie Hardcore oder Pop-Punk. In dieser Band fühle ich mich frei, zu tun, was immer ich will.

Du denkst also nicht, dass AFI einem bestimmten Genre zuzuordnen sind?

Nein. Also, wir würden keinen Rap- oder Country-Song aufnehmen, aber was Rock, Punkrock oder Hardcore betrifft, können wir alles machen, was wir wollen.

Wie hast du die Typen aus der Band kennen gelernt?

Wir sind in der selben Stadt aufgewachsen und waren zusammen auf der Highschool. Ich kannte die Jungs also schon lange vor AFI.

Was sind die Bands, die dich am meisten beeinflusst haben? Als Privatperson und als Band, also innerhalb AFI.

Als ich aufgewachsen bin, habe ich BLACK FLAG, MINOR THREAT, DESCENDENTS und viel anderen Punk-Kram gehört. Später habe ich dann mit Hardcore angefangen, wie JUDGE oder SICK OF IT ALL. Als Musiker haben mich aber Bands wie die BEATLES, die ROLLING STONES und PINK FLOYD viel mehr beeinflusst, diese ganzen klassischen Rock-Sachen halt.

Also siehst du einen Unterschied zwischen Bands, die dich musikalisch, und Bands, die dich sozusagen ideologisch beeinflusst haben? Ich meine, ihr seid bei AFI alle Vegetarier, Veganer oder Straight Edger.

Ja, Bands wie MINOR THREAT, YOUTH OF TODAY oder EARTH CRISIS haben mich natürlich in Bezug auf meinen Lifestyle geprägt, ich lebe Straight Edge. Aber musikalisch haben sie mich nicht beeinflusst, ich spiele nicht diese Art von Musik, wie sie EARTH CRISIS machen. Man kann das also schon ziemlich gut voneinander trennen.

Du bist also Straight Edge. Warst du schon mal an einem Punkt, an dem du das Gefühl hattest, dass du dich von deinen Idealen entfernst? Gibt es da eine Art „Gefahr“?

Nein. Das ist witzig, dass du fragst. Ich denke eigentlich gar nicht an so etwas wie Trinken oder so. Es kommt mir einfach nicht in den Sinn. Es kommt einem wahrscheinlich auch nicht so einfach in den Sinn, eine Waffe zu nehmen und jemanden zu erschießen. Weil man das einfach nicht macht. So ist das bei mir mit dem Trinken. Ich würde es einfach nicht machen. Es ist nicht so, dass ich mir jeden Tag die Frage stelle, ob ich trinken soll oder nicht, und mich immer neu dafür entscheiden muss. Es ist einfach nicht Teil meines Lebens.

Ich dachte nur, Rock’n’Roll-Lifestyle und so, da habe man eher Kontakt zu so was ...

Klar, das stimmt. Aber es kommt in erster Linie darauf an, was man daraus macht. Wenn es das ist, was du willst, kannst du es bekommen. Aber wenn du das nicht willst, gibt es keinen Gruppenzwang, der dich dazu anhält, bestimmte Dinge zu tun. Man benutzt einfach sein Gehirn und macht, wozu man sich entschieden hat.

Siehst du AFI als politische Band?

Nein, das waren wir eigentlich nie. Wir haben natürlich alle unsere persönliche Meinung, aber wir hatten eigentlich niemals Texte über aktuelle oder politische Ereignisse. Es wäre falsch und unehrlich, jetzt als Band auf irgendeinen politischen Zug aufzuspringen. Wir machen einfach das weiter, was wir schon immer gemacht haben. Es gibt genug gute Bands, die sich mit Politik beschäftigen, zum Beispiel RISE AGAINST.

Euer letztes Album, „Decemberunderground“, ist auf Platz 1 in die Charts eingestiegen, da muss ich einfach fragen, ob das für euch einen gewissen Druck bedeutet, jetzt, da das neue Album kommt.

Nein. Weißt du, es war wirklich großartig, auf Nummer 1 zu sein und das hätten wir niemals erwartet, aber es geht uns einfach nicht um eine bestimmte Position in den Charts. Wenn du es darauf absiehst, setzt du dich nur selbst unter Druck, weil du beim Songwriting ständig den Gedanken im Kopf hast: „Oh mein Gott, ich muss einen Hit schreiben, um Nummer 1 zu sein und viele Platten zu verkaufen!“ Aber darum geht es uns wirklich nicht.

Gibt es schon erste Reaktionen auf das neue Album?

Ja, die meisten Leuten waren erstaunt, dass es ist, wie es ist, dass wir mehr in Richtung Rock gegangen sind, denn viele meinten, dass wir etwas sehr viel Elektronischeres machen würden, wegen unseres letzten Albums. Aber ich mag es gerne, das Gegenteil von dem zu machen, was die Leute von uns erwarten. Ja, die Reaktionen waren gut, allerdings ist das Album ja gerade erst erschienen, also haben es auch bisher noch nicht so viele Leute gehört.

Habt ihr auf dem neuen Album ein bestimmtes inhaltliches Konzept oder ein Leitthema, das ihr behandelt, oder habt ihr einfach über das geschrieben, was euch gerade beschäftigt?

Das Thema ist eigentlich immer ziemlich frei. Davey schreibt ja die Texte und ich denke, bei diesem Album hat er sich stark mit der Frage beschäftigt, wo wir als Kultur oder als Gesellschaft stehen. Es geht um die Ikonen, die wir haben, um die Falschheit der Popkultur, um die Leute, die wir vergöttern, obwohl sie eigentlich nichts bedeuten oder repräsentieren, die eigentlich einfach nur dafür, dass sie berühmt sind, bewundert werden. Aber es geht auf dem Album auch nicht nur darum.

Gibt es ein musikalisches Konzept für das ganze Album?

Ja, hauptsächlich wollte ich, dass es ein wirklich in sich geschlossenes, zusammenhängendes Album wird. Ich mag unser letztes Album wirklich sehr, aber die Songs waren oft musikalisch so unterschiedlich, dass es nicht wirklich einen musikalischen roten Faden gibt. Wenn man sich beispielsweise „Nevermind“ von NIRVANA anhört, dann hat man das Gefühl, dass alle Songs wirklich so und nicht anders zusammen auf dieses Album gehören und so etwas würde ich auch gerne erreichen, eine gute, zusammenhängende Platte.

Ich habe gelesen, dass Davey das Album als einen „Kommentar zum Verfall von Kunst und Kultur“ beschrieben hat. Wie würdest du es beschreiben?

Ja, das ist richtig. Du kannst das überall sehen, wenn du dir anschaust, was in der Musik los ist, im Film, in der Literatur, in der Kunst. Es ist, als hätten wir uns daran gewöhnt, Mittelmäßigkeit zu akzeptieren. Früher waren die Leute einfach nicht glücklich damit, etwas zu akzeptieren, das nur „okay“ war, während du heute Musik hörst und Filme siehst, die einfach nicht gut sind. Unsere Stars sind nicht so großartig, sie stehen für nichts mehr. Solche Kunst und Musik ist nur aus dem Schaffen anderer abgeleitet, so als ob die Leute sich einfach nicht um etwas Besseres bemühen.

Ihr habt einen Song auf dem Album, der „Veronica Sawyers smokes“ heißt und mich dazu gebracht hat, mir mal wieder „Lethal Attraction“ anzusehen. Worum geht es in dem Song und warum habt ihr den Titel gewählt?

Als Davey und ich jünger waren, waren wir totale Fans von Winona Ryder. Sie war so etwas wie der Antistar und wir hatten immer das Gefühl, sie sei eine von uns. Sie war immer düster, immer cool. Als dieser Film herauskam, in dem sie dauernd raucht und der Typ total in sie verknallt ist, obwohl er Straight Edge ist und es ihm das Herz bricht, sie rauchen zu sehen, waren wir total davon begeistert. Es ist eigentlich ein ziemlich ironischer, witziger Song.

Ihr hattet für das neues Album im ersten Ansatz mit David Botrill zusammengearbeitet, der Bands wie MUSE oder PLACEBO produziert hat. Warum habt ihr ihn ausgesucht?

Wir haben mit ihm gearbeitet und ein paar Sachen von dem Album produziert und es hat einfach nicht gut funktioniert, das war einfach nicht der Sound, den wir wollten. Also haben wir die Arbeit abgebrochen und die Songs noch einmal mit Joe McGrath und Jacknife Lee aufgenommen.

Warum hattet ihr euch überhaupt für ihn entschieden?

Na ja, er hat TOOL produziert, „Lateralus“, ein großartiges Album, und Peter Gabriel, wir dachten, das wäre ganz cool. Aber machmal passt es halt einfach nicht.

Hast du einen „Traum“-Produzenten?

Ich würde gerne mit Leuten arbeiten, mit denen es wahrscheinlich wieder nicht funktionieren würde, wie George Martin, der die BEATLES produziert hat. Das würde wahrscheinlich auch nicht hinhauen. Wir haben für „Sing The Sorrow“ mit Butch Vig zusammengearbeitet, mit ihm würde ich auch gerne wieder arbeiten.

Seid ihr rückblickend mit eurem letzten Album zufrieden oder sieht man dann immer Dinge, die man hätte besser machen können?

Natürlich sieht man etwas, das man hätte besser machen können. Sogar bei unserem neuen Album ist es so, dass ich es mir anhöre und dann manchmal denke: „Oh nein! Ich hätte an der Stelle eine andere Note spielen sollen!“. Aber ich bin auch ein Perfektionist, das wird immer so bleiben.

Du begreifst also den Schritt zu einem neuen Album eher als einen Prozess, in dem du aus deinen „Fehlern“ lernst, als dass du das Gefühl hast, wieder von Null zu starten?

Ja, deine ganze Karriere ist ja eigentlich ein Prozess. Du musst herausfinden, wer du als Musiker oder auch als Band bist und wo du stehst. Deshalb sind unsere Alben auch alle so verschieden, weil wir immer noch auf der Suche sind, uns anstrengen und sehen, wo uns das hinführt.

Wenn du dir Gastmusiker für ein Album wünschen könntest, wen würdest du nehmen? Gibt es Leute, mit denen du gerne mal arbeiten würdest?

Hm, wir machen das nicht wirklich. Wir haben schon mal daran gedacht, dass wir gerne mit David Bowie oder Björk was aufnehmen würden, aber vermutlich würden wir sie nicht kriegen.

Was würdet ihr mit denen aufnehmen wollen? Den Stil, den ihr sonst spielt oder etwas ganz anderes?

Vermutlich etwas anderes. Aber ich würde nicht versuchen wollen, einen Björk-Song zu schreiben. Vielleicht ein paar coole Hintergrundstimmen, etwas, wobei ihre Stimme auch wirklich wirken würde und mit dem sie arbeiten könnte. Wir hatten tatsächlich einen Song, bei dem wir wollten, dass David Bowie singt oder David Gahan von DEPECHE MODE. Aber das hat leider nicht geklappt, wir hatten keine Zeit, das zu realisieren. Hoffentlich klappt das noch mal, das wäre cool.

Ich habe von eurem „Begin Transmission“-Wettbewerb gehört. Kannst du kurz erklären, worum es da ging?

Wir wollten die Aufnahmen zu unserem Album irgendwie dokumentieren. Oft machen Bands das, indem sie sich selbst filmen, wie sie im Studio sitzen und aufnehmen. Das ist langweilig, weil das jeder macht. Wir wollten also etwas anderes machen. Also dachten wir uns, wir konzentrieren uns stattdessen auf die Fans. Sie sollten Videos von sich machen und sie uns schicken. Wir haben uns alle angesehen und die sechs rausgesucht, die uns am meisten berührt haben. Das war großartig und atemberaubend, wie viele Videos eingeschickt wurden. Die Gewinner sind dann zu uns ins Studio gekommen und singen auf unserem neuen Album. Das war toll.

Bei welchen Songs singen sie?

Beim ersten Song, „Medicate“, der auch unsere Single wird, und bei „I’m trying hard to be here“.

Und wie viele Videos habt ihr bekommen?

Es gab über tausend Einsendungen. Und wir haben sie alle angesehen. Das waren viele Videos und es hat lange gedauert, sie alle zu sehen, aber es war sehr rührend.

Warum haben gerade die sechs Gewinner gewonnen?

Es war einfach das, was sie gesagt haben. Die meisten Leute haben einfach gezeigt, wie sehr AFI sie berührt. Es ist echt schwer, jemanden auszuwählen, wenn es so viele Gute gibt.

Denkst du, dass der visuelle Aspekt bei AFI sehr wichtig ist?

Ja, das Visuelle, unser Image, unsere Show, wie man sich auf der Bühne gibt und so, das ist uns ziemlich wichtig, da die Leute das mit der Musik verbinden und es einen bestimmten Eindruck auf sie macht.

Was würdest du heute machen, wenn du nicht in der Band wärst?

Ich weiß nicht. Ich wollte immer ein Romanautor sein. Sogar schon, bevor ich Gitarrist wurde. Als Kind wollte ich bereits Schriftsteller werden. Eigentlich würde ich immer noch gerne einen Roman schreiben, aber ich muss so viel Musik schreiben, dass ich keine Zeit mehr dafür habe. Ich denke immer, dass ich im Urlaub damit anfangen könnte, aber ich habe einfach keine Zeit. Ich habe ja auch noch dieses Nebenprojekt mit Davey, BLAQK AUDIO.

Wie seid ihr darauf gekommen, das zu machen?

Ich hatte schon ziemlich früh bei AFI angefangen elektronische Musik zu schreiben und endlich, nachdem wir das letzte Album aufgenommen hatten, bekamen wir die Chance, uns hinzusetzen und etwas aufzunehmen. Wir haben das jahrelang geplant, weil wir beide diese Art von Musik lieben.

BLAQK AUDIO ist ja nun musikalisch nicht so weit von AFI entfernt, würdest du auch gerne mal was komplett anderes machen?

Ja, das würde ich. Ich schreibe unglaublich gerne Pop-Songs und liebe Metal. Ich mag so viele verschiedene Arten von Musik. Ich liebe es, Streicherarrangements für Cello und Violine zu schreiben. Eigentlich interessiert mich jede Art von Musik. Aber ich habe wirklich keine Zeit dafür. Ich schreibe so ziemlich die ganze Musik für AFI und BLAQK AUDIO.


Nadine Maas

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #86 (Oktober/November 2009)

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