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Interviews & Artikel

CONVERGE

Ehrlich währt am längsten

Sie gelten als unbestreitbare Macht im kompromisslos, brachialen Hardcore und beeinflussten ihrerseits nicht wenige der heutigen Bands aus diesem Bereich. Alben wie das 2001 erschienene „Jane Doe“ oder auch das von vielen Fans etwas zwiespältig aufgenommene „You Fail Me“ im Jahr 2004 sind zweifellos wegweisend für die aktuelle Generation des Hardcore. Wahrscheinlich würde es musikalische Ableger wie Mathcore in Form von Bands wie THE DILLINGER ESCAPE PLAN, COALESCE oder auch den deutschen Vertretern dieser Richtung wie WAR FROM A HARLOTS MOUTH ohne die Bostoner um den charismatischen Schreihals Jacob Bannon gar nicht geben. Selbiger erweist sich im Telefonat als überraschend bodenständiger und äußerst angenehmer Gesprächspartner, der überlegt die an ihn gestellten Fragen beantwortet – nicht selten gewinnt man den Eindruck, dass sich Jake und seine Band ihres Status’ nicht einmal bewusst sind.

Jake, nach Fertigstellung eures neuen Albums „Axe To Fall“ befindet ihr euch gegenwärtig auf US-Tour. Gibt es schon irgendwelche Eindrücke bezüglich der Reaktionen der Leute auf eure neuen Songs?

Im Großen und Ganzen sind die Reaktionen durchaus positiv. Natürlich kann ich nicht hundertprozentig die Meinung unseres Publikums wiedergeben, aber ich würde schon sagen, dass die neuen Stücke wirklich gut ankommen, denn sie fügen sich ins gesamte Set ein.

Wie lief allgemein die Arbeit am neuen Album ab?

Was das angeht, muss ich zuerst einmal sagen, dass wir mit der neuen Platte sehr glücklich sind. Wir haben monatelang daran gearbeitet und sehr viel Zeit und Energie investiert, um dieses Ergebnis zu erzielen. Wir versuchen immer wieder, Alben aufzunehmen, die für uns aufregend sind, die in der Lage sind, uns in gewisser Weise zu verändern, sowohl persönlich, als auch als Band. Das verlangt uns einiges ab.

Vergleicht man „Axe To Fall“ mit euren früheren Platten, fällt der unglaublich wuchtige Klang auf. Ich kann mir vorstellen, dass sich Kurts Arbeit mit all den anderen Bands, die er in seinem eigenen Studio produziert, da auch irgendwie auswirkt.

Ich denke, wann immer du dich mit irgendeinem anderen Projekt, mit einer anderen Tätigkeit beschäftigst, nimmt dies auch Einfluss auf alles andere in deinem Leben. Die Arbeit mit anderen Künstlern bereichert natürlich deinen Erfahrungsschatz, was sich wiederum positiv auf dein eigenes Werk auswirkt. Du lernst auf diese Art und Weise sehr behutsam, mit bestimmten Dingen umzugehen, die zum Beispiel Sound und Songwriting betreffen, und das wichtigste ist, du wirst nicht limitiert in deinem Schaffen. Du kannst den Lernprozess jederzeit zu deinem eigenen Vorteil einsetzen, und das ist etwas, das Kurt sehr gut für CONVERGE umzusetzen weiß.

Inwiefern trägt dieser Lernprozess Früchte bei eurem neuen Album? Seinerzeit hast du sehr überzeugend gesagt, dass „You Fail Me“ das beste Album sei, das eine Band wie CONVERGE schreiben könne. Wie verhält sich das bei „Axe To Fall“?

Fakt ist, dass wir bei jedem unserer Alben versuchen, das Bestmögliche aus uns herauszuholen. Wir wollen immer das beste Album machen, zu dem wir in der Lage sind. Dabei ist es eines unserer Hauptanliegen, die jeweils vorangegangene Platte zu übertreffen. Wir wollen nicht das Gefühl haben, dieses oder jenes Album sei zwar gut, aber das davor wäre doch deutlich besser. Durch unsere intensiven Proben und vielen Auftritte sind wir zu immer besseren Musikern gereift, was unsere Entwicklung als Band natürlich vorantreibt. Was ich damals meinte war, dass „You Fail Me“ zum damaligen Zeitpunkt das bestmögliche Album war, welches wir machen konnten. Genauso verhält es sich nun mit „Axe To Fall“. Es ist nicht das beste CONVERGE-Album überhaupt, sondern das beste CONVERGE-Album, das wir gegenwärtig zu schreiben in der Lage sind.

Ein weiteres Mal sprechen deine Texte eine sehr intensive, beinahe schon brutale Sprache. So zum Beispiel im Titelsong der aktuellen Platte, in dem es immer wieder heißt: „I’m waiting for the axe to fall!“ Was genau bedeutet die Axt, auf die du wartest?Die Axt um die es in diesem Text geht, soll eine Metapher sein. Eine Metapher, für etwas Negatives, das in einer positiven Situation auf dich wartet, oder vielmehr, auf das du in einer positiven, glücklichen Situation wartest. Es ist, als wenn dir jemand etwas unglaublich Gutes anbietet und du weißt ganz genau, die Sache hat irgendwie einen Haken. Auf mich bezogen heißt das: ein einst kaputtes und inhaltloses Leben entwickelt sich zu etwas sehr wertvollem und wichtigem, das mir immens viel bedeutet, was aber auch genauso schnell wieder vorbei sein könnte. Ich habe bisher viel erreicht und bin sehr glücklich mit der aktuellen Situation. Allerdings war dies auch ein langer und steiniger Weg. Dennoch sind die Texte jederzeit auch so ausgelegt, dass der Hörer die Möglichkeit hat, seine eigene, persönliche Bedeutung aus ihnen zu ziehen. Zwar mache ich klare Aussagen, jedoch betreffen diese nur mich und sind von sehr persönlicher Natur, aber es steht jedem frei, seine eigenen Schlüsse aus den jeweiligen Zeilen zu ziehen.

Gerade diese Intensität in deinen Texten könnte mit ein Grund dafür sein, warum die Band CONVERGE derart polarisiert. Ich denke, dass es oft nur zwei Wege gibt, euch zu begegnen: Entweder man liebt euch, oder man hasst euch. Ich habe ehrlich gesagt bisher noch niemanden getroffen, der sagt, er fände euch ganz nett, aber mehr auch nicht.

Dazu etwas zu sagen, fällt mir ehrlich gesagt sehr schwer. Eigentlich habe ich dazu keine Meinung, denn wenn ich eine hätte, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass ich oder wir aufhören würden, ehrlich zu uns als Band zu sein und daraus resultierend natürlich auch ehrliche Musik zu machen. Unsere Musik ist unsere Art uns auszudrücken, es ist ganz einfach genau das, was wir unbedingt machen wollen und womit wir glücklich sind, und solange wir dabei stets unser Gesicht wahren und nicht anfangen irgendwelchen derzeit angesagten Trends hinterher zu rennen, um irgendwie erfolgreicher zu sein, interessieren wir uns nicht dafür, ob man uns nun liebt oder hasst, was nicht bedeuten soll, dass wir unsere Fans nicht respektieren. Es freut uns, wenn den Leuten unsere Musik etwas bedeutet und sie uns dafür entsprechenden Respekt entgegenbringen. Bei wem das nicht zutrifft, auch gut. Ich kann niemanden zwingen, unserer Musik etwas abzugewinnen. Dafür ist sie wahrscheinlich auch etwas zu „speziell“, wenn du verstehst, was ich meine.

Wie verhält es sich bei euch in diesem Zusammenhang mit euren musikalischen Einflüssen? Zwar gilt euer Sound nicht zuletzt aufgrund eurer Kompromisslosigkeit als so speziell und eigen, aber gibt es dennoch Bands, denen ihr in gewisser Weise Tribut zollen wollt?

Natürlich haben auch wir Musiker, zu denen wir aufblicken. Da wären Bands wie: ENTOMBED, THE ACCÜSED, RORSCHACH, STARKWEATHER, ONLY LIVING WITNESS usw. – alles Bands, mit denen wir aufgewachsen sind und die uns natürlich sehr in unserer musikalischen Entwicklung beeinflusst haben. Heutzutage relativiert sich das jedoch wieder etwas, denn wir versuchen, uns weitest möglich von äußeren Einflüssen fern zuhalten und unsere eigene Vision von Musik zu verwirklichen. Als wir jünger waren, sah das natürlich anders aus. Da hatten wir immer Bands, zu denen wir aufblickten und in dessen Fußstapfen wir gerne getreten wären. Jedoch hätte uns dies wahrscheinlich insgesamt nicht wirklich weiter gebracht. Wer will schon eine bloße Kopie von etwas bereits vorhandenem sein?

Was hat es eigentlich mit eurer Veröffentlichungspolitik auf sich? Die CD-Version von „Axe To Fall“ erscheint ein weiteres Mal auf Epitaph, während ihr das Vinyl via Deathwish herausbringt. Nun hat sich dein Label Deathwish inzwischen zu einem der wichtigsten Labels im aktuellen Hardcore-Bereich gemausert. Läge es nicht nahe, eure Alben komplett über Deathwish herauszubringen?

Epitaph ist einfach ein fantastisches Label, das wirklich hervorragende Arbeit für uns leistet. Um Deathwish ist es da natürlich schon deutlich anders bestellt. Es ist einfach ein deutlich kleineres Label, welches bei weitem nicht die Möglichkeiten bietet, die wir bei Epitaph haben. Brett ist wirklich ein großartiger Kerl, der nicht nur mit BAD RELIGION einiges erreicht hat, sondern inzwischen auch mit Epitaph. Er setzt sich wirklich sehr für die Bands auf seinem Label ein und lässt sie ihr Ding durchziehen. Das ist natürlich etwas, auf das wir sehr viel Wert legen, denn man lässt uns künstlerisch völlig freie Hand. Wir müssen keinerlei Kompromisse eingehen und können all unsere Ideen verwirklichen. Daher bringen wir die CD als Hauptmedium nach wie vor über Epitaph heraus und veröffentlichen lediglich die kleinere Vinylauflage über Deathwish.

Nun ist es aber so, dass viele Leute euch gerade wegen eurer D.I.Y.-Attitüde schätzen, denn schließlich macht ihr im Hinblick auf eure Platten fast alles selber. Wäre es da nicht nahe liegend, auch den letzten Schritt zu gehen und auch die Veröffentlichung eurer Platten komplett selbst zu übernehmen?

Weißt du, als wir damals Deathwish gründeten, taten wir das, um den Bands eine Plattform zu bieten, die uns wirklich gefielen. Es stand niemals zur Debatte, daraus ein CONVERGE-Label zu machen, womöglich auch noch um CONVERGE besser dastehen zu lassen, als manch andere Künstler. Es verhält sich im Grunde ähnlich wie bei Aaron Turner und Hydra Head. Er hatte auch niemals Ambitionen, ISIS über sein eigenes Label zu veröffentlichen, sondern konzentrierte sich auf Bands, die ihm persönlich sehr gefielen und denen er einfach eine Möglichkeit bieten wollte, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Davon ganz abgesehen, wäre es wirklich nicht besonders fair, als Band, die sich schon einen Namen gemacht hat, auch noch über das eigene Label zu veröffentlichen. Da läuft man schnell Gefahr, anderen Bands den Rang abzulaufen, die ihrerseits deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Gibt es bei Deathwish eine straighte Linie, der ihr bei der Auswahl eures Labelnachwuchses folgt?

Es sieht im Grunde so aus, dass wir ganz einfach Bands unter Vertrag nehmen, die uns wirklich sehr gefallen. Das ergibt sich meist eher durch Zufall, da wir uns nicht wie andere Plattenfirmen gezielt auf die Suche machen nach neuen Acts. Wir sind oft auf Shows, wo wir viele fantastische Bands entdecken können, ganz zu schweigen von jenen, die uns auf unseren eigenen Konzerten supporten. Oft ist es auch so, dass junge Bands an uns herantreten und mit uns zusammenarbeiten möchten. Natürlich ist das nichts ungewöhnliches, jedoch wissen diese Bands meistens auch, worauf es uns als Label ankommt und wofür wir stehen. Ein Aspekt, der uns das Arbeiten als Plattenfirma wirklich sehr erleichtert.

Immer häufiger verschreiben sich Bands mit einem puren Hardcore-Background dem so genannten „Emocore“, wobei es oftmals wirkt, als stehe dabei der kommerzielle Aspekt deutlich im Vordergrund. Bands, die ehrlich zu sich selber sind und eine oftmals wenig wirklich Erfolg versprechende Variante des Hardcores spielen, muss man dagegen schon fast mit Lupe suchen. Wie siehst du das?

Ehrlich gesagt sehe ich das ein wenig anders. Die Anzahl großartiger Hardcore-Bands nimmt immer mehr zu. Sie werden nur in deutlich kleineren Rahmen wahrgenommen. Dies wiederum macht es unmöglich, sich nur beiläufig und ohne großes Interesse mit diesen Bands zu beschäftigen. Wenn man sie entdeckt, widmet man ihnen seine ganze Aufmerksamkeit. Dies trifft vielleicht nicht immer auf die so genannten „Großen“ der Szene zu, aber dafür muss man ihnen attestieren, dass sie natürlich eine deutlich größere Masse ansprechen. Ich glaube nicht, dass bei allen diesen Bands wirklich so etwas wie Kalkül dahinter steckt. Kategorisch ausschließen möchte das aber natürlich auch nicht. Ich denke, es gibt überall schwarze Schafe. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass „Underground-Bands“ in größerer Zahl vorhanden sind, als selten zuvor. Es mag durchaus sein, dass es zuweilen etwas schwerer ist, diese Bands zu entdecken, die künstlerischen Fähigkeiten jener Bands entlohnen einen dafür dann jedoch um so mehr.

Werfen Band und Label denn inzwischen genug Geld ab, um davon leben zu können oder geht ihr nach wie vor anderen Jobs nach, um euren Lebensunterhalt zu bestreiten?

Wir haben allesamt noch andere Jobs, um unseren Lebensunterhalt zu finanzieren, denn anders würde es gar nicht funktionieren. Es ist heutzutage ein immenser Trugschluss, zu glauben, man könne mit einer Band und einem Label noch genügend Geld verdienen, um über die Runden zu kommen. Die Zeiten haben sich einfach geändert, so dass ich gezwungen bin, einem anderen Job nachzugehen, denn schließlich muss auch ich zusehen, wie ich meine Rechnungen bezahle. Manchmal wünschte ich, der Tag hätte 64 Stunden, damit ich all die Arbeit unter einen Hut bekomme. Ich meine, ich arbeite mit CONVERGE, dann gibt es viel zu tun in Bezug auf Deathwish und außerdem mache ich viele Auftragsarbeiten für die Artworks anderer Bands und ähnliches. Und dennoch kommt man gerade so um die Runden. Das darf man aber auch nicht missverstehen, denn das ist genau das, was ich über alles liebe. Hardcore mit allem, was dazu gehört, gibt mir dermaßen viel, und auf diese Art und Weise habe ich die Möglichkeit, etwas zurückzugeben und etwas dafür zu tun, dass Hardcore lebendig bleibt. Ich kann die Musik erschaffen, die mir etwas bedeutet. Ich habe durch Deathwish und meine Tätigkeit als Coverkünstler die Möglichkeit mit vielen großartigen Bands und Musikern zu arbeiten und kann auf Tour immer wieder interessante Leute kennenlernen. Was will man mehr? Da bin ich gerne bereit, gewisse „Opfer“ zu bringen. Außerdem sind das auch irgendwie jene Aspekte, die das Business interessant und lebendig erhalten.

Wann haben wir in Europa und insbesondere in Deutschland mal wieder das Vergnügen, euch auf der Bühne erleben zu dürfen?

Nun, ich denke, dass wir das irgendwann Mitte 2010 werden realisieren können. Wir haben gerade unsere Amerikatour begonnen und werden im Dezember noch für etwa eine Woche in Japan sein. Anfang bis Mitte 2010 werden wir dann auch wieder auf europäischen beziehungsweise deutschen Bühnen zu sehen sein.

Jens Kirsch

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #87 (Dezember 2009/Januar 2010)

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