Interviews & Artikel : Slap A Ham Records :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Slap A Ham Records

Wer auf schnellen Hardcore oder gepflegten Krach steht, ist wahrscheinlich schon mal auf Slap A Ham gestoßen. Das kalifornische Plattenlabel veröffentlicht seit knapp zehn Jahren Platten, die fast immer in die Schublade "Power Violence" gesteckt werden, ein Subgenre des Hardcore, das von Slap A Ham "erfunden" wurde. Die frühen Veröffentlichungen sind längst begehrte Collector Items - teilweise als Bootlegs "wiederveröffentlicht" - und auch die neueren Releases sind relativ schwer in Europa zu bekommen und dann meistens noch recht teuer. Trotzdem lohnt es sich hinter den Platten herzusein, weil Musik und Aufmachung stimmen.

Stell dich mal kurz vor.

Ich bin Chris Dodge, fast 29, verheiratet, wohne in San Francisco und esse viel Eis.

Wann und warum hast du Slap A Ham gegründet?

Im Sommer 89. Ich wollte schon jahrelang ein Label machen, habe es aber erst dann auf die Reihe bekommen. Ich fand es einfach schade, daß einige meiner Lieblingsbands keine Platten veröffentlichen konnten, wie zum Beispiel Capitalist Casualties: Die gab's schon mindestens vier oder fünf Jahre, ehe sie ihre erste 7" auf Slap A Ham veröffentlicht haben. Niemand war an ihnen interessiert, jetzt will jeder mit ihnen Platten machen... seltsam.

Hast du ein bestimmtes Konzept für Slap A Ham? Du gibst dir ja offensichtlich immer ziemlich viel Mühe bei Aufmachung der Platten und Auswahl der Bands.

Ja, ich bin sehr wählerisch, was meine Bands angeht. Außerdem möchte ich, daß die Bands nicht nur gut sind, sondern auch meine Freunde. Ich arbeite lieber mit Freunden zusammen, das ist einfach angenehmer. Wenn ich mir meine älteren Platten anschaue, gibt's aber natürlich auch einige, mit deren Veröffentlichung ich heute nicht mehr so ganz zufrieden bin.

Machst du Verträge mit den Bands? Andere Labels sind ja ziemlich scharf auf Slap A Ham-Bands.

Nee, ich mache keine Verträge, ich glaube nicht an Verträge. Wenn ich einer Band nicht vertraue oder sie mir nicht vertrauen, dann arbeiten wir nicht zusammen. Ich schüchtere die Bands auch nicht ein oder schlage ihnen einen 12-Platten-Exklusiv-Deal vor oder so'n Scheiß.

Machst du eigentlich noch was nebenbei, um das Label zu finanzieren?

Nein, seit Mitte letzten Jahres mache ich nur noch Slap A Ham, und das ist wirklich der stressigste Job, den ich je hatte.

Arbeiten noch andere Leute bei Slap A Ham?

Nein, meine Frau Lydia hilft mir manchmal, aber eigentlich mache ich alles selbst.

In welcher Größenordnung spielt sich dein Label denn ab? Immerhin mußt du ja Geld für deinen Lebensunterhalt verdienen.

Von meinem Bestseller, der "Bllleeeeaaauuurrrrgghhh!" habe ich wohl etwa 5.000 Stück verkauft.

Die meisten Leute beschweren sich über zwei Dinge bei Slap A Ham. Erstens, Slap A Ham ist zu teuer...

Ich weiß echt nicht, was du meinst. Ich weiß natürlich nicht, was bei euch in Europa abgeht und wie gut oder schlecht Slap A Ham-Platten dort vertrieben werden. Vielleicht sind meine Platten teurer als andere, das weiß ich nicht. Hier in den USA habe ich die selben Preise wie andere Labels, meine Preispolitik orientiert sich an anderen ehrlichen Labels wie zum Beispiel Dischord. Wenn jemand meint, daß Slap A Ham zu teuer ist, soll er sich die Musik einfach von einem Freund auf Tape überspielen lassen. Tapes sind cool... du bekommst die Musik umsonst.

Außerdem meinen viele, daß du absichtlich Raritäten veröffentlichst und sie dann nicht nachpreßt oder eher eine CD-Compilation machst.

Ich hatte bei den meisten frühen Slap A Ham-Sachen nicht geplant, daß sie Raritäten werden. Neuveröffentlichungen sind mir wichtiger und wenn ich Geld habe, veröffentliche ich lieber neue Platten als alte wiederzuveröffentlichen. Das Label hat eben nie so viel Geld gebracht. Ich will dieses Jahr aber endlich einige alte Platten nachpressen, schon wegen der vielen Bootlegs: PHC/Infest 7", Neanderthal 7", die beiden ersten "Bleaurgh"-Compilations und wahrscheinlich eine Crossed Out Discography LP/CD.

Wie findest du eigentlich die Bootlegs von deinen eigenen "raren" Platten?

Ich halte nicht viel von Bootlegs, aber ich kann nachvollziehen, warum es welche gibt. Ich finde es schlecht, daß die Bands, deren Sachen gebootet werden, abgezogen werden. Andererseits gibt es ja auch eine Nachfrage nach diesen Platten, und solange es eine Nachfrage gibt, wird es Leute geben, die diese Nachfrage befriedigen.

Warum sind CDs bei dir - und auch bei anderen Labels - im Verkauf teurer als LPs, obwohl sie billiger in der Herstellung sind?

Ich mache mit den LPs etwas Verlust und das hole ich mir über einen etwas höheren CD-Verkaufspreis wieder herein.

Bevorzugst du Vinyl, weil es etwas "echtes" ist?

Mir gefallen sowohl LPs als auch CDs. CDs sind einfacher zu handhaben und sie klingen manchmal viel besser, weil das Mastering für die LPs oft sehr schlecht ist - gerade bei Punk-Platten. Punk-CDs klingen meistens einfach besser als LPs. Ich bevorzuge aber trotzdem Vinyl, es hat mehr "Persönlichkeit", es macht mehr Spaß, LPs und 7"es zu sammeln und zu hören. Vinyl ist einfach echter... ich bin ein Vinyl-Junkie! Ich sammle zwar nicht mehr ganz so viel wie früher, und ich kaufe auch keine Platten, weil sie Raris werden, sondern weil ich sie hören möchte. Farbige Pressungen usw. finde ich aber trotzdem ziemlich cool... Insgesamt habe ich wohl 5.000 oder 6.000 Platten und unzählige CDs und Tapes.

Auf was für Musik stehst du privat, welche Bands haben dich musikalisch beinflußt?

Das ist schwer zu sagen, mir gefallen fast alle Genres... ich bin ein Musik-Junkie. Einige wenige Bands, die meinen Geschmack beeinflußt haben: Neos, frühe D.R.I., XTC, Raymond Scott, Naked City, Wes Montgomery, Iannis Xenakis, Steely Dan, Cramps, Woody Guthrie, Captain Beefheart, Beach Boys, Devo, James Brown, neuere Mr. Bungle, Johnny Cash, Elvis Presley, Victim's Family, The Stooges... diese Liste hat einfach keine Ende.

Was hat es denn nun mit "Power Violence" auf sich? Das ist ja inzwischen ein neues Subgenre geworden.

Neanderthal haben den Ausdruck "Power Violence" zuerst auf einer ihrer Platten verwendet, Wood - heute bei Man is the Bastard - kam damit an. Zuerst wurde Neanderthals Musik als "Power Violence" beschrieben. Als sich dann Man is the Bastard gegründet hatten, nannte man alle kalifornischen "Krachbands" - alles Freunde übrigens - "Power Violence"-Bands. Damals hatten alle diese Bands ausschließlich Platten auf Slap A Ham veröffentlicht: Capitalist Casualties, Charred Remains (aka Man Is The Bastard), No Comment, Crossed Out. Deshalb wurde "Power Violence" dann der Slap A Ham-Sound. Ich glaube, daß "Power Violence" einfach nur extremerer Hardcore ist: Power Violence ist für Hardcore das, was Grindcore für Metal ist. Einfach eine extremere Version von Musik, als die, die es schon vorher gab. Inzwischen gibt es großartige "Power Violence"-Bands auf der ganzen Welt, die spielen solche Musik und beschreiben sich eben selbst so. Es sind zuviele, um hinterherzukommen und leider, leider gibt's auch zu viele schlechte Kopien von großartigen Originalen.

In welchen Bands hast du selbst mitgespielt?

Meine erste Band, die etwas auf Vinyl veröffentlicht hat, war The Legion of Doom. Die Band gab es von 1984-86 und wir hatten einen Song auf einer Compilation namens "There's a method to our madness". 1987 war ich Gründungsmitglied von No Use For A Name, über die Jahre war ich drei Mal in dieser Band. 1992 war ich auch bei deren Europatournee dabei. Parallel zu NUFAN bin ich dann auch bei Stikky eingestiegen. Lookout haben ein Album und einige 7"es von Stikky veröffentlicht, außerdem waren die auf vielen Compilations. Sound Pollution haben gerade einige alte Sachen von Stikky wiederveröffentlicht. Ich hab auch bei Duh und bei Björn Again Björn - A Tribute to ABBA gespielt...ehrlich.

Heute spiele ich Bass und singe bei Spazz. Wir haben keine bestimmte Philosophie oder Konzept. Wir stehen eben alle auf extreme Musik und versuchen durch seltsame Texte oder musikalische Spielereien Hardcore etwas aufzupeppen. Wir erwarten von niemanden, daß er unsere Texte versteht, weil viele einfach absichtlich obskur oder sogar sinnlos sind. Wir wollen einfach die Punk-Stereotypen vermeiden...

Spielt ihr auch live und geht ihr auf Tour?

Naja, es ist fast unmöglich, daß wir alle zur selben Zeit Urlaub für eine Tour bekommen. Im Sommer 97 hatten wir wirklich Glück, ich hatte gerade meinen Job gekündigt und es waren Semesterferien, so daß wir auf Tour gehen konnten. Wir haben eine 7-Wochen-US-Tour gemacht, das wird aber wohl nicht mehr passieren. Und im März 98 hatten wir vier Auftritte in Japan. Europa wär natürlich klasse, aber ich wäre wirklich sehr überrascht, wenn wir mal dort spielen würden.

Wie sieht's mit anderen Slap A Ham-Bands aus?

Phobia planen wohl dieses Jahr in Europa zu touren, die meisten Slap A Ham-Bands touren aber sowieso nie. Seit 1993 mache ich deshalb die "Fiesta Grande", ein Festival mit vielen Slap A Ham-Bands. Die Fiesta Grande ist immer am ersten oder zweiten Januar-Wochenende, in 924 Gilman St in Berkeley. Anfangs kamen die Leute aus der ganzen USA, weil es die einzige Chance war, die Power Violence-Bands zu sehen. Jedes Jahr kommen mehr, inzwischen sogar Leute aus Übersee, dieses Jahr, beim sechsten Festival, habe ich sogar Leute aus Japan, Holland und Brasilien getroffen.

Und was kommt demnächst?

Ich habe gerade die neue "Bleaurgh - A Music War" herausgebracht. Demnächst kommen Fuck On The Beach "Fastcore On The Beach" 7", Godstomper "Saturday Morning Power Violence" 7", Phobia LP/CD, Gasp LP/CD, Burned Up Bled Dry 7" und die Wiederveröffentlichungen von Neanderthal und PHC/Infest.

Dirk Gomez

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #32 (III 1998)

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