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Interviews & Artikel

TOUCHÉ AMORÉ

Trauerbewältigung

Ein emotionales Album zu veröffentlichen, war für TOUCHÉ AMORÉ bis jetzt kein Problem. Im Gegenteil, es war eher ein Markenzeichen der Band, wenn Sänger Jeremy Bolm zu den Post-Hardcore-Songs seine Gefühle preisgab. Dieses Mal ist es jedoch noch etwas persönlicher: „Stage Four“, das vierte Album der Band aus Los Angeles, handelt vom Krebstod von Jeremy Bolms Mutter im Jahr 2014. Ein sehr bedrückendes Thema, über das der Sänger nun mit etwas Abstand sprechen kann.

Jeremy, euer neues Album „Stage Four“ hat ein sehr privates Thema, über das du auf eurer Tour bald jeden Tag singen musst. Fühlt sich das nicht komisch an?

Ich habe ein gutes Gefühl, was die kommenden Shows angeht. Während der Produktion des Albums habe ich mich noch einmal sehr intensiv mit dem Krebstod meiner Mutter auseinandergesetzt. Wenn wir Shows spielen, hilft mir das Publikum eigentlich immer, mich mit den sehr berührenden Erlebnissen auseinanderzusetzen. Vielleicht hat der eine oder andere ja eine ähnliche Situation erlebt und wir stehen das dann zusammen durch. Natürlich wird es für mich auch nicht jeden Abend so sein, dass ich in meinem Kopf den ganzen Kram noch mal durchgehe. Aber wenn es so ist, dann bin ich froh, damit nicht allein zu sein.

Ich stelle es mir unheimlich schwer vor, sich so eingehend mit dem Tod der eigenen Mutter zu beschäftigen, so wie du es jetzt getan hast.

Für mich war es wichtig, das Album zumindest inhaltlich genau über dieses Thema zu schreiben. Meine Mutter starb 2014 und hat alle Phasen einer Krebserkrankung durchlitten. Am Ende ist sie so plötzlich gestorben, dass ich mich gefragt habe, was ich in meinem Leben alles anders hätte machen sollen, nur um ihr gerecht zu werden. Obwohl „gerecht werden“ hier nicht der richtige Ausdruck ist. Ich meine eher, dass ich nach ihrem Tod gemerkt habe, wie viel Zeit ich verschwendet habe. In Bezug auf sie, aber auch in Bezug auf mein restliches Leben. Ich würde nicht sagen, dass der Tod meiner Mutter mein Leben verändert hat. Er hat es definitiv aber bis ins Fundament erschüttert.

Hast du die Texte so angelegt, dass sie sich nur mit Trauerbewältigung beschäftigen, oder sollen sie Hoffnung geben und vermitteln, dass es immer weitergeht?

Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Ich denke, am Ende muss jeder selber wissen, was er aus dem Album zieht. Wie schon erwähnt, war es für mich notwendig, diese Texte zu schreiben. Ich habe danach natürlich nicht aufgehört, über diesen Schicksalsschlag nachzudenken, ich konnte aber meine Gedanken etwas ordnen. Das hat mir geholfen. Wenn sich nun jemand, der das Album hört, in die Lyrics hineinversetzen möchte, kann es auch befreiend sein, allein das Thema Krebstod angesprochen zu haben. Dazu kommt, dass es ja keine Gedichte sind, die da vorgetragen werden, sondern Songs, die von einer ganzen Band performt werden.

Wie haben deine Bandmitglieder darauf reagiert, als du ihnen erzählt hast, dass das Album von diesem Thema handeln soll?

Wenn wir unsere Songs schreiben, ist das meistens so, dass zuerst die Grundstrukturen stehen. Das soll heißen, dass die Stimmung recht schnell klar wird. Als meine Mutter starb, waren es vor allem meine Freunde, die mich aufgefangen haben und mir mit viel Zeit und Verständnis halfen, diese Krise zu bewältigen. Grundsätzlich beruht der Songwritingprozess bei uns sehr auf gegenseitigem Vertrauen. Ich habe komplett freie Hand, was die Texte angeht.

Musikalisch klingt „Stage Four“ gefühlt tatsächlich etwas positiver. Allein das Intro zu „Flowers and you“ ist so harmonisch, dass ich ein so schweres Thema nicht erwartet hätte. Wenn du sagst, dass dir das Album geholfen hat, mit dem Tod deiner Mutter abzuschließen, was heißt das dann für die Zukunft von TOUCHÉ AMORÉ?

Du meinst, ob ich schon Ideen für ein nächstes Album habe? Im Moment bin ich erst mal sehr gespannt, wie die Leute auf „Stage Four“ reagieren und was für Kritiken wir bekommen. Mich interessiert auch, ob die Behandlung von Krebs vielleicht für ein paar Diskussionen sorgen wird. Schließlich haben wir hier in Amerika ein Gesundheitssystem, das sich eher nicht an den Kranken ausrichtet.

Was sagen deine näheren Angehörigen zu „Stage Four“? Schließlich werden auch sie dadurch noch mal mit dem Verlust konfrontiert.

Um ehrlich zu sein, haben sie das Album noch nicht gehört und interessieren sich wohl auch nicht so besonders dafür. So war es zumindest die letzten Male. Eigentlich war es auch immer meine Mutter, die die Familie zusammenhielt. Wir haben nicht so viel Kontakt untereinander. Mein Vater weiß zwar, dass ich eine Band habe, er ist jetzt aber auch nicht unser größter Fan und Unterstützer. Ich denke nicht, dass die Texte von „Stage Four“ zu einem Streitpunkt könnten.

Beim Song „Skyscraper“ singt die Singer/Songwriterin Julien Baker. Wie kam es dazu?

Wir haben gedacht, dass der Song durch den Einsatz einer weiblichen Stimme noch mehr Tiefe bekommen würde. Wir kennen Julien schon recht lange und auch für mich persönlich war es die richtige Entscheidung. Der Song ist so was wie ein kleiner Hoffnungsschimmer und da ich stimmlich relativ eingeschränkt bin, wollten wir den Song mit ihrem Beitrag etwas bereichern. Das Ergebnis finde ich sehr gelungen. Sie ist eine fantastische Sängerin.

Das Video zu „Palm dreams“ erinnert stark an die Werke von David Lynch. Es zeigt die Szenerie eines Krankenzimmers und das „Verschwinden“ der Patientin.

Wir sind alle große Fans seiner Filme. Der Song handelt davon, dass ich den Umzug meiner Mutter von Nebraska nach Kalifornien in den Siebzigern nie nachvollziehen konnte. Vielleicht wollte sie den Glamour erleben, welchen Hollywood ausstrahlt. Ähnlich geht es ja auch der Protagonistin in Lynchs „Mulholland Drive“. Es gab ein paar unausgesprochene Dinge zwischen uns, die mich permanent beschäftigt haben, die aber nie geklärt werden konnten. Ich hätte gerne die Beweggründe für ihr Handeln gekannt.

Hast du trotz der Schwermut der Platte so etwas wie einen Lieblingssong auf „Stage Four“?

Im Gegensatz zu den Songs auf unserem letzten Album „Is Survived By“ begeistert mich im Moment jeder Song auf „Stage Four“. Das soll jetzt nicht so klingen, als fände ich die Songs auf „Is Survived By“ nicht gut. Es gibt da nur ein paar, die ich nur noch so okay finde. Auf der neuen Platte habe ich das Gefühl, dass alle Songs sehr gut zueinander passen und dass sie sehr stimmig wirkt.

Ihr habt das Album „Is Survived By“ als Beilage in einem Musikmagazin hier in Deutschland einer breiten Masse neuer Hörer angeboten. Dafür sind euch viele Leute dankbar und ihr habt eine Menge neuer Fans gewonnen. Könntet ihr euch vorstellen, diesen Coup noch einmal zu wiederholen?

Grundsätzlich finde ich die Idee, unsere Musik vielen Leuten nahezubringen, sehr gut. Ich habe auch persönlich nichts gegen Streamingdienste oder ähnliches. So lange die Leute sich mit unserer Musik beschäftigen, bin ich zufrieden. Seien wir doch mal ehrlich: In unserer Musikszene stellt sich doch niemand hin und sagt, dass er mit einem Album seine finanzielle Zukunft zu sichern beabsichtigt. Natürlich ist es schön, wenn du dich hauptsächlich auf das Musikmachen konzentrieren kannst. Das Geschäft läuft aber heute nun mal nicht mehr so, auch auf Grund der technologischen Entwicklung.

Ihr seid ja mittlerweile bei Epitaph Records, einer größeren Plattenfirma.

Der Wechsel zu Epitaph hat vor allem den Grund, dass wir nun in der gleichen Stadt wohnen, in der auch das Label ansässig ist. Wir genießen die kurzen Wege, wenn wir die Belange unserer Band persönlich besprechen können. Nebenbei hat Epitaph unzählige Platten veröffentlicht, die jeden von uns sehr stark in seiner musikalischen Entwicklung beeinflusst haben.

Wie viele andere Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, äußerst du dich sehr kritisch gegenüber Donald Trump, dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Donald Trump ist der schlechte Witz unseres politischen Systems. Er zeigt aber auch ganz klar das wahre Gesicht vieler Amerikaner. Das ist sehr gruselig und beunruhigend, weil er ja keine reine One-Man-Show ist. Da ist eine große Gruppe von Menschen, die ihn unterstützen. Einen Mann, über dessen Aussagen und Ansichten man im Jahr 2016 eigentlich nur noch müde lächeln möchte, weil sie komplett überholt sind. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Ich bin gespannt, wie die Präsidentschaftswahlen im November ausgehen werden.

Sebastian Wahle

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #128 (Oktober/November 2016)

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