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Interviews & Artikel

FLAMING SIDEBURNS

Brenn, Kotlette, brenn!

Skandinavien ist groß, und Finnland was anderes als Schweden. Oder so. Und weil die FLAMING SIDEBURNS aus Helsinki kommen und nicht aus Stockholm und sie überhaupt auch sonst gar nichts mit dem ganzen mittlerweile zur Karikatur verkommenen Schwedenrock-Dingens zu tun haben, sollte man sie auch dinglichst nicht in diese Schublade packen. "Hallelujah Rock´n´Rollah" heisst das aktuelle Album der Sideburns, das sich von den eher konventionellen Garage-Roots weit entfernt hat und sie für mich in die Liga von SOUNDTRACK OF OUR LIVES und ROYAL BEAT CONSPIRACY beförderte. Ich sprach mit Drummer Jay alias Jarkko Jokelainen.

Euer aktuelles Album ist ein Bruch mit euren bisherigen Releases, ohne dass ihr jedoch euren Roots untreu werdet. Wie kam´s dazu?


Naja, also diesmal haben wir einfach ein "richtiges" Album aufgenommen, anstatt einfach nur ein paar Stunden ins Studio zu gehen und zu versuchen, das zu imitieren, was wir live machen. Bis dahin hatten wir nie viel Zeit im Studio verbracht, diesmal liessen wir uns Zeit und hatten sogar im Vorfeld schon überlegt, was für Songs wir aufnehmen würden, wie wir die aufnehmen und so weiter - mit dem Effekt, dass das Ergebnis völlig anders klingt als die frühen Singles.

Damals wart ihr stilistisch noch in die Garage-Ecke einzuordnen, während mich euer aktuelles Album an Bands wie eure skandinavischen Kollegen THE ROYAL BEAT CONSPIRACY und THE SOUNDTRACK OF OUR LIVES, aber auch ROLLING STONES und MC5 erinnert.


Das neue Album ist stilistisch vielfältiger als die davor. Man kann bei Songs wie "Street survivor" klar heraushören, wo wir herkommen, das haben wir auch schon vor fünf Jahren gemacht. Aber wir verarbeiten im Gegensatz zu damals viel mehr Einflüsse, etwa Country & Western und so ziemlich alles andere auch, eben die Musik, die wir zuhause hören. Uns nur auf einen Stil zu beschränken, darauf haben wir keine Lust mehr, denn es ist viel aufregender ein abwechslungsreiches Album zu hören als eines mit zwölf Versionen eines Songs. Das wird irgendwann langweilig.

Wie verhindert man bei der Verarbeitung so vieler Einflüsse die klare Linie zu verlassen?

Wenn man lange Musik macht, muss man versuchen, die Sache für sich aufregend zu halten, denn sonst passiert´s, dass man gelangweilt wird und es keinen Spaß mehr macht. Man muss sich weiterentwickeln, und es sind nur wenige Bands, die lange Zeit gut bleiben und sich dabei nicht von ihrem ursprünglichen Stil entfernen.

Wo siehst du euch in fünf Jahren?

Wir werden die größte Rockband der Welt sein, Unmengen Geld verdienen, uns auflösen, Solokarrieren starten, unser ganzes Geld in kürzester Zeit durchbringen - und dann treffen wir uns wieder in der Gosse, besinnen uns auf die gute alte Zeit, reformieren die Band und machen eine Reunion-Tour.

Das mit den Unmengen Geld klappt bislang also noch nicht...

Nein, noch nicht. Zwei von uns haben noch ganz normale Jobs, der Rest macht mal dies und mal das und ein bisschen Geld bringt die Band ja auch ein. Ich persönlich bin nicht nur Musiker, sondern auch Journalist. Seit ich Schlagzeug spiele, schreibe ich auch, das sind meine liebsten Tätigkeiten seit meiner Jugend. Ich schreibe für eine Tageszeitung.

Bad Afro ist ein renommiertes Label und man geht davon aus, dass sich eine Band dort ganz gut verkauft, aber was für einen Status habt ihr denn zuhause in Helsinki, in Finnland?

Sowohl in Helsinki wie in Finnland läuft´s für uns sehr gut. Als das Album rauskam, schoss es sofort in die Top 20 und das hat uns echt überrascht, denn es ist ewig her, seit das letzte Mal eine richtige Rock´n´Roll-Platte in den finnischen Charts war. Wir haben aber auch ´ne Menge dafür getan, haben unzählige Konzerte gespielt und können auf eine große Fanbasis zurückgreifen. Es ist ein sehr schönes Gefühl, dass man heutzutage noch Platten mit so einer Musik verkaufen kann.

Seht ihr euch denn in einer gewissen Tradition finnischer Rockbands?

Ja, denn eigentlich hat Finnland in Sachen Rock schon eine gute Tradition. HANOI ROCKS dürften dir ja auch was sagen, und die haben hier in den Achtzigern abgeräumt. Zur gleichen Zeit waren auch SMACK groß, deren erstes Album vor einer Weile auf Munster wiederveröffentlicht wurde. Davor, in den Seventies, waren die HURRICANES die größte Rockband Finnlands, auch wenn kaum jemand ausserhalb von Skandinavien je von ihr gehört hat.

Ich habe die FLAMING SIDEBURNS immer im Kontext dieses Skandinavienrock-Hypes der letzten drei, vier Jahre wahrgenommen. Fühlt ihr euch da missverstanden oder kommt ihr damit klar? Ich meine, es mag für manchen ja kein Kompliment sein, mit schwedischen Bands in einen Topf geworfen zu werden, die an sich nicht schlecht sind, aber vor allem gute Kopisten, während Finnland doch eher eigenartige bis originelle und gerade auch einzigartige Bands hervorbringt.

Die Schweden waren schon immer gut im Klauen: die stehlen etwas und machen´s dann besser als das Original. Die Finnen dagegen sind starrköpfig, die haben´s nicht gern, wenn man etwas kopiert oder wieder aufwärmt, die machen lieber ihr eigenes Ding, und ich denke, daran liegt´s auch, dass finnische Bands nie so erfolgreich waren wie schwedische. Denn komme da was mag, Hölle oder Hochwasser, wir machen unser eigenes Ding, und wir machen schon erst recht nicht das, was am vernünftigsten wäre. Finnland ist ein kleines Land mit einem kleinen Musikmarkt, wir sind ja nur fünf Millionen, und da schaffen es nur sehr wenige Bands von ihrer Musik zu leben. Wenn also jemand hier in Finnland eine Band gründet, hat er nicht sofort Geld im Kopf, sondern er macht es, weil er Spass dran hat Musik zu machen - und das bedeutet auch, dass es uns weitgehend egal ist, was andere von uns denken. Was wiederum bedeutet, dass jede Menge verrückter Bands aus Finnland kommen, Bands, die so in einem anderen Land nicht möglich wären.

Wobei man da unterscheiden muss zwischen Band, die auf Finnisch singen und kaum mal über die Landesgrenzen hinaus bekannt werden, und Bands wie euch, die mit englischen Texten auch international aktiv sind, wobei speziell ihr ja auch Platten auf Labels in aller Welt veröffentlicht habt.

Weisst du, ich bin schon immer viel unterwegs gewesen, habe in anderen Ländern gelebt und glaube nicht, dass man Musik innerhalb von Landesgrenzen halten sollte. Für mich ist die ganze Welt meine Bühne, für Rock´n´Roll gibt es keine natürlichen Grenzen, in der ganzen westlichen Welt gibt es Leute, die auf diese Musik stehen. Das ist großartig, denn es ermöglicht uns prinzipiell überall zu spielen, und auch wenn wir noch in einer Stadt waren, es gibt immer diesen einen kleinen Club, der voll ist mit Leuten, die unsere Musik hören wollen. Das ist großartig, und das hat nichts mit Hautfarbe oder der Sprache zu tun, sondern Rock´n´Roll verbindet sie.

Ihr wart erst eben in Spanien, wie ich gehört habe.

Ja, aber nur für eine Show. Wir sollten da mit MUDHONEY spielen, aber die haben abgesagt, wie so viele andere US-Bands auch. Wir waren insgesamt eine Woche in Spanien, es war sehr schön, auch wenn wir von dem schönen Wetter dort nichts mitbekommen haben, denn wir waren sowieso nur nachts unterwegs. Das ist in Spanien sowieso völlig verrückt, da ist es normal, wenn du um drei Uhr nachts auf die Bühne gehst. Und nach uns haben sogar noch die MURDER CITY DEVILS gespielt. Das war wohl ihr letzter Auftritt in Europa, denn nach ihrer US-Tour werden sie sich auflösen, weil wohl jemand die Band verlassen will.

Apropos: euer Gitarrist Jeffrey Lee Burns ist kürzlich ausgestiegen.

Leider. Erst Ende August in die USA ausgewandert, anderthalb Wochen, bevor Terroristen die USA angriffen. Er wird mindestens zwei Jahre dort bleiben, aber er ist nicht ganz ausgestiegen, sondern schreibt weiterhin Songs für uns und wer weiss, ob er nicht später wieder bei uns einsteigt. Auf jeden Fall haben wir jetzt vor, mal in den USA auf Tour zu gehen. So oder so haben wir mit Johnny Volume einen neuen Gitarristen, der auch schon auf dem aktuellen Album zu hören ist.

Du hast gerade behauptet, die Schweden seien gut im Klauen - schließt das die HELLACOPTERS mit ein, die ja gute Freunde von euch sind?

Klar, denn die sind ganz besonders gut im Klauen! Die haben sich das Beste aus dem Sixties- und Seventies-Rock genommen und ihr eigenes Ding draus gemacht Wir kennen uns seit sechs Jahren. Es war 1995, als die DICTATORS in Stockholm spielten und wir natürlich hingefahren sind. Die HELLACOPTERS machten die Vorband, und wir waren alle hin und weg, was die das abzogen - um so verblüffender war, dass die eigentlich genau das gleiche machten wie wir, denn damals gab es kaum Bands, die so einen Sound machten. Seit damals kennt man sich, wir spielen zusammen, sie sind im gleichen Alter, haben den gleichen musikalischen Background und kommen geografisch gesehen aus der gleichen Ecke der Welt - das verbindet. Als Jeffrey ausstieg, war übrigens auch Strings von den HELLACOPTERS als Ersatz im Gespräch, denn die HELLACOPTERS legen gerade eine kreative Pause ein. Wir wollten aber eine langfristige Lösung und so wurde nichts draus.

Gibt´s eigentlich einen Grund, warum euer Bandname dem von FLAMING LIPS und FLAMIN´ GROOVIES ähnelt?

Nein, das war eher ein, äh, Unfall. Als wir die Band starteten, rechnete keiner von uns damit, dass wir in fünf Jahren noch zusammen sein würden, ganz zu schweigen davon, dass wir auf ausländischen Labels Platten veröffentlichen. Und so nahmen wir den erst besten Namen, der sich anbot. Die Sache nahm ihren Ausgang mit diesem Logo mit dem Kopf von Elvis und den brennenden Koteletten, eben "flaming sideburns". Damals kannte ich die FLAMING LIPS übrigens noch gar nicht. In den letzten Jahren nahm die ganze Sache mit den Flamejobs ja völlig übertriebene Ausmaße an, und deshalb gibt´s auf unserer neuen CD auch nirgends Flammen. Als dann sogar Levi´s anfing Jeansjacken mit Flammenmotiv zu verkaufen, wusste ja sowieso jeder, dass die Sache endgültig durch ist.

Euer Sänger mit seiner argentinischen Herkunft ist ein schöner Kontrast zum unterkühlten Image der Nordeuropäer.

Hehe, ein kluger Mensch hat die FLAMING SIDEBURNS mal als Kombination aus finnischer und argentinischer Verrücktheit bezeichnet: die Argentinier sind sehr wild und extrovertiert, während die Finnen eher introvertiert und zurückhaltend sind, aber unterm Strich genauso verrückt - gerade auch, wenn Alkohol ins Spiel kommt. Es ist eine wilde Mischung, aber es funktioniert.

Wie seid ihr denn an Eduardo Martinez gekommen?

Er lebt seit zehn Jahren in Helsinki, und vor den FLAMING SIDEBURNS gab es eine Band namens JACK MEATBEAT, wo neben ihm noch zwei von uns spielten. Anfangs waren die FLAMING SIDEBURNS nur ein Nebenprojekt dieser Band, aber irgendwann drehte sich das Verhältnis und JACK MEATBEAT gibt´s seit drei oder vier Jahren gar nicht mehr. Ich bin erst später dazugekommen, aber es wird erzählt, dass sie auf Eduardo stießen, als der in einer Kneipe Lieder sang. Dass wir schon spanische Songs aufgenommen haben und auch auf der neuen Platte spanische Textzeilen vorkommen hat logischerweise was mit Ernesto zu tun.

Jay, danke für das Interview

Diskographie:
"Close To Desaster" (7", Metamorphos, 1997) • "Bama Lama Boogaloo" (CD, Smokin Troll, 1995-97) • "Get Down Or Get Out" (7", Bad Afro, 1997) • "It´s Time To Testify" (10", Bad Afro, 1998) •
- "Jaguar Girls" (7", Estrus, 1997) • "It´s Time To Testify... Brothers And Sisters" (CD, Bad Afro, 1999) •"Cantan en espanol" (7", Safety Pin, 2000) •
"White Trash Soul" (CD/10" Split, Bad Afro, 2001) • "La Luz De Christo" (7" Split, El Beasto, 2001) • "Hallehlujah Rock´n´Rollah" (LP/CD, Bad Afro, 2001)

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #45 (Dezember 2001/Januar/Februar 2002)

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