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Interviews & Artikel

WHITE FIELDS

Modern Hardcore

Nach drei Jahren der Stille hat die Melodic-Hardcore-Band WHITE FIELDS mit „It Can Not All Be Roses“ auf Powertrip Records ihre erste LP rausgebracht. Sie unterscheidet sich von den Vorgänger-EPs in Musik und Text. Dies liegt vor allem an persönlichen Entwicklungen und Veränderungen, die die letzten Jahre stattgefunden haben. Drei der fünf Musiker leben verstreut in Franken, Sänger Jonas und Drummer Helm dagegen beide in Leipzig. Ich verabredete mich mit den beiden zum Interview, das wir dann zu dritt per Skype führen.

Wie klappt bei euch eigentlich das Proben, wenn ihr so weit voneinander entfernt wohnt?


Helm:[/b] Das ist natürlich schwierig und findet sehr unregelmäßig statt, meistens vor Shows, die anstehen. Wir haben ein mehr oder weniger fertiges Set, in das wir die neuen Stücke nach und nach eingearbeitet haben. So kann jeder auch noch für sich allein proben und ist für sich selbst auch verantwortlich zu üben.

Und wie nimmt man eine Platte auf, wenn man so weit auseinander lebt? Ich kenne eine Band, die sich gegenseitig mp3s von Australien und Deutschland hin und her geschickt hat.

Helm:
Am Anfang haben ich und unser Gitarrist Knut noch in Coburg gewohnt, Gideon, unser zweiter Gitarrist, in Bamberg, was nicht so weit entfernt ist. Das war unser großes Glück, denn im Proberaum kann man einfach mal drauflos spielen und es kommen immer die besten Ideen. Bis auf ein oder zwei haben wir die Songs noch im Proberaum geschrieben, eben ohne Gesang und ohne Bass. Den haben wir zwar schon dazu überlegt, aber erst mal hintangestellt. Meine Dropbox war tatsächlich bis oben hin voll mit Songideen. Dann ging es allerdings nicht mehr anders und wir haben uns immer einmal monatlich getroffen und sehr intensiv zusammengesetzt.

Eure neue Platte brauchte bei mir ihre Zeit, bis sie sich richtig entfaltet hat. Und dann schlug sie aber heftig ein. Ich finde die Songs insgesamt runder, schneller als früher und sehr intensiv.

Jonas:
Einigen Freunden und guten Bekannten ging es auch so. Sie waren überrascht, da sie eine andere Entwicklung erwartet haben, vor allem nach der letzten Platte, die viel düsterer war. Und alle haben gesagt, dass sie sie ein paarmal hören mussten, bis sie gewachsen ist. Erst mal finde ich es gut, dass sich die Leute die Zeit nehmen, das wachsen zu lassen. Was du als schneller bezeichnest, sehe ich eher als Rückkehr zu unserer Platte „Miles From Home“, die schnellere Parts, Melodic-Hardcore-Parts und fast punkige Parts hat und gleichzeitig nicht so schleppend und arg düster ist.

Wenn man auf den Zeitgeist schaut, ist sie wahrscheinlich fünf Jahre zu spät erschienen.

Helm:
Oder vielleicht elf Jahre zu spät, haha.

Vom Sound her erinnert sie mich etwa an die vorletzte Platte von CAPSIZE oder die harten Sachen von LANDSCAPES, als die beiden noch nicht die „poppigen“ Elemente hatten. Bei CAPSIZE kam auf der letzten LP der cleane Gesang. Wann kommt er bei euch?

Helm:
Es ist dann eine logische Entwicklung, wenn eine Band bewusst sagt, sie wollen eine andere, poppigere Richtung einschlagen. Es ist ja auch nicht per se schlecht. Eine schöne Gesangsmelodie ist einfach zugänglicher, bleibt im Ohr und das ist ja genau das, was die Bands bewirken wollen. Allerdings würde es zum Projekt WHITE FIELDS meiner Meinung nach nicht passen. Ich will so was aber nicht für immer und ewig ausschließen, wir haben auch auf dem neuen Album Entwicklungen gesehen, mit denen ich vor acht oder neun Jahren nicht gerechnet hätte.

Jonas: Mit Hardcore will ich mich ausdrücken und da passt mein Geschrei für mich einfach am besten.

Eure Lyrics haben sich meiner Meinung nach teilweise sehr geändert, wenn ich sie mit der letzten Platte vergleiche. Der Song „Love dies when it loves alone“ will eine positive Aussage treffen. Beim Opener „To die from love“ hört man allerdings erst wieder die düstere Seite.

Jonas:
Die Lyrics sind zunächst mal nicht mehr so bedeutungsschwanger. Ich wollte alles ein wenig einfacher und direkter ausdrücken, nicht wie auf der letzten Platte „Hell Within“ als Konzept-Ding. Die Songs behandeln einzelne unterschiedliche Themen. „To die from love“ ist zum Beispiel ein Song über häusliche Gewalt, das von dir angesprochene „Love dies when it loves alone“ handelt von meiner eigenen Entwicklung über die letzten Jahre, als ich gelernt habe, mit meiner nicht so perfekten Art umzugehen. Ich habe verstanden, dass man in dieser Welt auch existieren kann, wenn man Fehler hat und auch wenn man nicht den Vorstellungen anderer entspricht. Und mir ging es noch nie so gut wie jetzt. Die Lyrics sind von der Message her nicht einheitlich, weil sie erst kurz vor den Aufnahmen entstanden sind, in der endgültigen Fassung teilweise erst am Tag der Aufnahme.

Wie ist das für die anderen, wundern die sich über die Veränderung und stehen sie dahinter?

Jonas:
Das Wichtige ist ja, dass wir darüber sprechen. Wir haben alle unsere Themen und versuchen diese einzubringen. Ich habe mir die letzten Jahre sehr oft Gedanken gemacht, ob es sinnvoll ist, immer wieder die schlechten Gedanken in den Texten zu reproduzieren, um damit den Leuten zu zeigen, dass sie nicht die Einzigen sind, denen es so geht. Dieses Mal war es mir wichtig, auch mal die positiven Aspekte darzustellen, und ich möchte den Leuten sagen: Hey, das ist auch cool. Wobei es Quatsch ist, es ist eigentlich viel cooler.

Helm: Wir geben Jonas wirklich jegliche Freiheit, wie er sich da austoben will. Es sind in seinen Texten keine Handlungen oder Aufforderungen enthalten, die uns nicht passen würden. Es gab nie den Zeitpunkt, dass wir sagen mussten: „Jonas, hör auf, so positiv zu schreiben“ oder „Mach doch mehr Emoscheiß“.

Wo ist für dich die Grenze zwischen einer „Hardcore-Melancholie“ und Depressionen?

Jonas:
Ich habe oft das Gefühl, dass in dieser Szene einfach viele Menschen mit dem Thema zu tun haben, und ganz viele ihre Probleme damit bearbeiten. Es wird in den Texten viel behandelt. Auf der sozialen Ebene allerdings nicht, wenn man sich trifft. Und das kotzt mich an. Die Leute denken, das gehört so in die Lyrics, es ist aber ein großes Thema in unserer Gesellschaft. Man muss miteinander reden, füreinander da sein und aufeinander achten und nicht sagen: Hey, du hast einen coolen Song geschrieben, jetzt geht es dir besser. Es gibt so viele in der Szene, die es dann trotzdem erwischt, die mit Anfang zwanzig nicht mehr leben wollen, was sehr traurig ist.

Wie lebendig erlebt ihr diese Szene heute noch?

Helm:
Die Szene, in der wir angefangen haben, gibt es so nicht mehr. Es war ein relativ begrenzter Hype in den Jahren 2009, 2010, der dann wieder rasch abgenommen hat. Melodischen Hardcore definiert man heute ganz anders als das, was wir damals darunter verstanden haben. Ich denke bei dem Begriff an Bands wie THE CARRIER oder HAVE HEART, so was wird nicht mehr gemacht. Deine Aussage, dass wir mit unserer neuen LP „fünf Jahre zu spät“ sind, ist dann natürlich irgendwo passend.

Jonas: Mir fehlt die Vielfältigkeit in der Hardcore-Szene in allen Bereichen, sei es musikalisch oder auf den Dresscode bezogen. Es gibt sieben oder acht Bands, die überall spielen. Das war alles mal bunter durchmischt, auch von den Stilrichtungen her.

Wie haltet ihr euch auf dem Laufenden?

Jonas:
Die Zeiten, als ich jedes Release verfolgt habe, sind für mich vorbei. Ich schaue mir ein paar Sets jede Woche auf YouTube an, ansonsten bin ich eigentlich auf die Musik bezogen eher entmutigt, da ich nichts besonders Frisches mehr entdeckt habe. Was nicht heißen soll, dass unser neues Album das ist. Nur bedeutet es mir selbst eben mehr.

Wie seid ihr zu eurem Label gekommen?

Helm:
Wir brauchten Support, was Vermarktung und Vertrieb anging, vor allem deshalb, da es so lange so still um uns war. Hannes von Powertrip Records hat sich auf unsere Anfrage ziemlich schnell gemeldet und gesagt, dass er uns unter die Arme greifen kann, wofür wir sehr dankbar sind und was uns nach vorne brachte. Es gab die letzten Jahre wirklich Höhen und Tiefen, letztere allein schon deshalb, da wir lange nur zu viert waren und wir lange Zeit keine Lösung gesehen haben. Du fragst dich dann schon mal, ob sich das so lohnt. Und dann triffst du dich ein Wochenende und schreibst etwas zusammen und es gibt dir so viel, dass du es nicht missen willst. Wenn ich jetzt unser Ergebnis anschaue, haben wir es im Endeffekt super hingekriegt.

Moritz Eisner

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #139 (August/September 2018)

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