Interviews & Artikel : Punk Art #10: PHILLIP JANTA :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Punk Art #10: PHILLIP JANTA

In dieser Artikelreihe stellen wir Menschen aus der Punk- und Hardcore-Szene vor, die sich im weitesten Sinne grafisch betätigen und Poster, Flyer und Cover gestalten. Diesmal sprachen wir mit Phillip Janta.

Bitte stell dich vor. Name, Alter, Beruf, Szeneaktivitäten, wie und wann du zu Punk/Hardcore gekommen?


Ich bin Phillip Janta, 37 Jahre alt, wohne und arbeite auf Janta Island. Offiziell darf ich mich Diplom-Grafikdesigner nennen, bezeichne mich aber lieber als Grafiker oder Illustrator. Ich denke, es war in den frühen Neunzigern, als ich mit Punk und Hardcore in Kontakt kam. Unvergessen und sicher prägend war ein Konzert der TURBO A.C.’S, kurz nach ihrem Debüt, irgendwann Mitte der Neunziger, in der E-Burg in Erfurt, meiner Heimatstadt.

Seit wann betätigst du dich künstlerisch, wie fing das an, wie ging es weiter?

Gezeichnet habe ich schon immer. Auch gern. Irgendwann begann ich für das kleine Erfurter Punk-Label Fatsound Cover und Plakate zu machen. Mein erstes „richtiges“ Gig-Poster gestaltete ich für RADIO HAVANNA. Sieben Jahre ist das jetzt her. Hinzu kamen viele Buchprojekte, ein eigener Laden und der Aufbau einer eigenen Siebdruckwerkstatt. Erst vor drei Jahren habe ich wieder angefangen, für Bands zu arbeiten. Es begann alles mit Postern für KYLESA, SPIRIT CARAVAN, LOMBEGO SURFERS, ALL THEM WITCHES. Später kamen Bands wie THE JON SPENCER BLUES EXPLOSION, PENTATONES, WASTED hinzu. Jetzt freue ich mich sehr darüber, dass mich Bands anschreiben und ich für die Bands meiner Jugend, Stichwort TURBO A.C.’S, Poster machen kann.

Wie arbeitest du? Klassisch mit Papier und Farbe, oder digital am Rechner?

Es fängt immer ganz banal mit einer wirren Skizze an. Danach geht es träge durch die Phase der Ausarbeitung mit Papier und Stift. Die Reinzeichnung geht dann meist recht fix. Den Computer benutze ich – als legitimes Werkzeug! – fast ausschließlich zur Nachbearbeitung und Korrektur. Die meisten meiner Bilder kratze ich aus einer geschwärzten Folie mit Messern, Skalpellen oder Nadeln heraus, ähnlich dem Schabekarton. Das ist sicher nicht gut für die Augen, man entkommt aber nicht diesem Charme, hat man einmal damit begonnen, Bilder aus dem Dunkel heraus entstehen zu lassen.

Bist du Autodidakt oder kannst du auf eine klassische künstlerische Ausbildung verweisen?

Ich kann sagen, hätte meine Mutter mich nicht damals, als ich 16 Jahre alt war, in der Erfurter Mal- und Zeichenschule angemeldet, wäre es wohl nie soweit gekommen. Danke an der Stelle! Von da aus kam ich nach der Schule an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, an der ich sieben Jahre Typografie und Illustration studiert habe. Dort arbeitete ich auch einige Zeit als künstlerischer Assistent und lernte das Siebdrucken.

Hast du Vorbilder, welche Stile beeinflussen dich?

Genauso wie ich mittlerweile fast jede Musikrichtung höre, mag ich auch viele Künstler und Stilrichtungen der bildenden Kunst. Auf jeden Fall gehören Thomas Ott, Aaron Horkey, Richey Beckett, Igor Hofbauer und Atak dazu, genauso wie Frans Masereel, Zdenek Burian, Scherenschnitte von Dorothea Brockmann oder Stillleben niederländischer Meister ... in meinen Augen übrigens die vollkommenste Kunstform überhaupt.

Gibt es deine Kunst zu kaufen? Falls ja, in welcher Form – Originale oder Drucke? Wie und wo? Und was muss man dafür ausgeben?

Klar, am einfachsten, wenn auch am unpersönlichsten, geht das über meinen Webshop: jantaisland.bigcartel.com. Schöner, weil direkter, ist es natürlich direkt an einem meiner Stände. Mit meinen signierten Postern und Artprints bin ich mehrmals im Jahr auf Festivals, Messen und Märkten zu finden. Handgedruckte Poster bekommt man da schon für schmale 25 Euro. Einige Editionen kosten allerdings auch mehr.

Arbeitest du völlig frei oder auch im Auftrag, etwa für Bands oder Konzertveranstalter?

Das ist unterschiedlich. Frage ich eine Band an, habe ich meist mehr Freiheit. Werde ich von einer Band angeschrieben, ist oft eine Richtung vorgegeben. Mittlerweile füllen Aufträge meine Zeit voll aus. In letzter Zeit habe ich Poster etwa für die DONOTS, METZ, DISFEAR und HYSTERESE gemacht. Vor zwei Jahren kamen auch Albumcover hinzu, für PARASIGHT aus Dänemark, NASTY PACK aus Leipzig oder GEWALT aus Hamburg. Aktuell arbeite ich an einem Plattencover für den Pianisten Lubomyr Melnyk – herausgegeben von Sounds of Subterrania. Auch für lokale Konzertveranstalter mache ich Poster. Da wird dann die handgedruckte Posterauflage auch gern mal an die Häuser geklebt. Was den Postersammler um den Schlaf bringt, ist für mich völlig in Ordnung. Denn das Poster kommt von der Straße und gehört meiner Meinung nach auch da hin!

Was ist mit Ausstellungen? Gab es welche, wird es welche geben? Wann und wo?

Mit meinen Postern bin ich jedes Jahr beim Flatstock Festival in Hamburg zu sehen und danach auch bei den Colored Gigs in Dresden. Durch mediale Foren wie die Posterkrauts oder auch der Wanderausstellung Poster-O-Rama kommen meine Poster gut herum. Viele Läden in Deutschland verkaufen meine Drucke, so zum Beispiel der Supalife Kiosk in Berlin oder der Druckdealer in Hamburg. Seit Neuestem gibt es sie auch in Paris, Peking und Chicago zu kaufen.

Was gibt dir deine Kunst emotional?

Mir verschafft sie Ruhe und Zufriedenheit durch das Gefühl, das Richtige zu tun. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch schön zu sehen, wie Fans mit Posterrollen am Stand stehen, sich ein oder mehrere Poster kaufen und mir letztlich vielleicht sogar ein Foto vom fertiggerahmten Poster in den eigenen vier Wänden schicken oder posten.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #140 (Oktober/November 2018)

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