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Interviews & Artikel

ZWAKKELMANN

Im Auge des braunen Shitstorms

Kaum hatten ZWAKKELMANN einen Videoclip zu dem Song „Dumme Nazibraut“ vom aktuellen Album „Papa Punk“ veröffentlicht, ergoss sich ein digitaler Shitstorm über den freundlichen Barden Schlaffke Wolf vom Niederrhein, der in seiner Wucht und Heftigkeit auch alten Szene-Haudegen an die Nieren geht.

Wie kam es, dass sich ZWAKKELMANN politisch noch einmal ganz klar positionierte? Eure Gesinnung war ja eigentlich vorher klar und derlei Themen waren ja bis dato nicht wirklich typisch für euch.


Das hing unter anderem mit den mehr als bedenklichen, politischen Entwicklungen am rechten Rand zusammen. Wobei der Song „Dumme Nazibraut“ ja aus einer wahren Begebenheit entstanden ist. Ich bin via Facebook mit einer offensichtlich rechtsradikalen Frau aus Mecklenburg-Vorpommern aneinander geraten. Dieses persönliche Erlebnis hat mich zu dem Lied inspiriert. Meine Texte sind ja häufig autobiografisch geprägt. Hier kam mir die Nazibraut geradezu gelegen. Ich hatte schon länger vor, mit einem Song ein klares Zeichen gegen Nazis zu setzen. Bis dato haben wir das mit ZWAKKELMANN eher unterschwellig getan. Zum Beispiel mit dem Lied „Einfach mal die Fresse halten“, welches nur online verfügbar und auf keinem Album ist.

Und dann wurde der Song „Dumme Nazibraut“ auf eurem neuen Album „Papa Punk“ und kurz darauf mit dazugehörigem Video-Clip bei YouTube veröffentlicht. Eine Initialzündung für den rechten Online-Mob?

Kurz nachdem wir das Video veröffentlichten, postete es jemand als Provokation an die Facebook-Pinnwand einer AfD-Politikerin. Ich bekam davon nur am Rande mit. Jedenfalls dauerte es nicht lange, bis sich ein aufgebrachter, rechter YouTube-Mob auf unser Video stürzte. Innerhalb kürzester Zeit hagelte es negative, zum Teil beleidigende Kommentare und vor allem wurde unter besagtem Video-Clip zigmal der Daumen runter gedrückt. Ich habe so einen, im wahrsten Sinne des Wortes, braunen Shitstorm zuvor noch nicht erlebt. Ich stellte dann erst mal die Bewertungsfunktion aus, was unsere neuen, braunen Freunde zum Anlass nahmen, unter weiteren ZWAKKELMANN-Videos den Dislike-Knopf zu betätigen. Das alles lief natürlich anonym ab. Nur die, die einen Kommentar hinterließen, konnte ich zurückverfolgen und blockieren. Da waren einige dabei, die wirklich erschreckende Nazi-Videos in ihren Favoriten hatten. Aber wie dem auch sei, diese unschöne Arie zog sich einige Wochen hin und ist bis dato noch nicht ganz verklungen.

Es scheint ein Phänomen unsere Zeit zu sein. Du wirst sicher viel drüber nachgedacht haben, wie ihr damit umgehen sollt. Die Kommentar-Funktion deaktivieren ist eine Möglichkeit. Aber was kann man noch tun, um so einem Shitstorm entgegenzutreten?

Es gibt ja diesen Spruch: „Don’t feed the troll“. Daran hab ich mich gehalten. Ich bin auf keinen der negativen Kommentare eingegangen und habe sie konsequent gelöscht. Teilweise wurden sie aber auch im Vorfeld von YouTube entfernt oder als Spam deklariert. Die Kommentar-Funktion hab ich nicht ganz ausgestellt, dafür aber bei ein paar Videos die Bewertungsfunktion „Daumen hoch“ beziehungsweise „Daumen runter“. Allein schon, um den rechten Trollen die Freude am Disliken zu nehmen. Daraufhin stürzten sie sich heldenhaft auf andere ZWAKKELMANN-Videos. Ich halte von diesem Dislike-Button eh nicht viel. Ich kann mich auch nicht erinnern, ihn je bei einem Video gedrückt zu haben, auch wenn es mir manchmal im Finger juckte. Er verleiht Menschen, die Spaß daran haben, andere runterzumachen, eine gewisse, wenn auch kleine, Machtposition. Und das zudem anonym. Man sieht ja nicht, wer wie bewertet hat. Mittlerweile wird diese Funktion immer häufiger missbräuchlich verwendet. Beispielsweise im Fußball. „Dislike-Mobs“ nennt man das wohl, ich habe darüber einige Artikel gelesen. Meiner Meinung nach sollte man den YouTube-Dislike-Knopf abschaffen. Er bringt nur Unfrieden. Wenn man ein Video nicht mag, kann man immer noch einen Kommentar hinterlassen oder einfach weiter klicken. Oder, falls der Clip verfassungswidrig ist, ihn melden. Daneben hab ich ja zu dem Thema noch ein längeres Statement verfasst, welches ich auf diversen sozialen Plattformen veröffentlichte. Dafür erhielt ich große, positive Resonanz, was mich natürlich gefreut hat. Auch habe ich die ganze Chose natürlich analog mit Freunden und Bekannten besprochen. Zum Beispiel mit meiner Bigband oder meinem Labelboss Fratz von Hulk Räckorz. Das hat mir auf jeden Fall geholfen.

Und was ziehst du für Lehren aus der ganzen Geschichte?

Selbstverständlich gibt es bedeutend Schlimmeres als das. Und jeder, der seine Meinung öffentlich kundtut, muss mit Reaktionen rechnen, die ihm womöglich nicht gefallen. Außerdem ist mir natürlich klar, viele da draußen haben dramatischere Dinge erlebt, was den Kampf gegen Rechts betrifft. Zum Beispiel die, die sich im Osten Deutschlands engagieren. Und auch wir mussten uns früher mit rechten Glatzen rumschlagen. Aber das lief mit offenem Visier ab. Was mich erschreckt, ist dieser dumpfe, feige Hass aus der Anonymität heraus. Da wird eine fiese, braune Saat gesät. Für eine kleine Band wie wir es sind, ohne große Lobby dahinter, ist so was schon nervig. Im Endeffekt ist aber lediglich ein harmloses Anti-Nazi-Lied aus seiner Filterblase heraus getreten und hat die erreicht, die im Song angesprochen werden. Das ist doch eigentlich ideal. Und jedes Dislike eines Nazis sollte man als virtuellen Ritterschlag verstehen. Wer weiß, wofür das alles gut ist. Durch die unschöne Angelegenheit wurden meine Sinne auch noch mal geschärft und ich glaube, ich bin dadurch noch mal ein bisschen weiter in die linke Ecke gewandert.

Lars "Abel" Gebhardt

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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