20 Jahre später: DÄLEK

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Absence (CD, Ipecac, 2005)

„How the fuck am I gonna shake your hand / When we’ve never been seen as equal?“, fragt MC Dälek eingepackt in hämmernde Beats und Noise-Schichten und nähert sich auf „Absence“ einer offenbar undurchdringlichen und unüberwindbaren gesellschaftlichen Wand, aufgrund derer sich Rassismus, Unterdrückung und Gewalt manifestiert. Gemeinsam mit Still an den Turntables und dem Producer DJ Oktopus entwickelt Will Brooks mit seinem unverwechselbar tiefen Timbre als DÄLEK immersive, düstere, experimentelle und soundästhetisch gewaltvolle Musik.
Das 1998 in New Jersey gegründete Trio stößt einen Diskursraum auf, in den sich später auch Musiker:innen wie MOOR MOTHER und BACKXWASH begeben, die ihre persönlichen und alltäglichen Rassismus-Erfahrungen ebenso thematisieren wie den großen, negativen Einfluss, den der Kolonialismus auf das heutige Leben schwarzer Menschen hat. Die nachdrückliche Wirkung, die DÄLEK in musikhistorischer Hinsicht entfalten, darf nicht unterschätzt werden, nur weil sie bis heute knietief im Underground stehen und weder kommerziell noch was ihre Bekanntheit betrifft einen Durchbruch erfahren haben. Ihre Bedeutung für die musikalische Landschaft erklärt sich vor allem dadurch, dass sie die Wut, die sich in der spröden und abweisenden Musik Bahn bricht, in andere Szenen eingebunden haben, die bis dato eher unverdächtig waren, sich HipHop vorurteilsfrei und offen zu widmen. Dazu zählt vor allem die Metal-Community, die sich glücklich schätzen durfte, dass Mike Patton und Greg Werckman bis zum heutigen Tag sämtliche Studioalben auf Ipecac Recordings veröffentlichten. Der Vorgänger „From Filthy Tongue Of Gods And Griots“ ist noch ziemlich ausgefeilt instrumentiert, falls sich das über die im HipHop gängige Samplekultur sagen lässt.
„Absence“ hingegen ist deutlich karger, kehrt Melodie und Struktur den Rücken und wendet sich dem Sprechgesang stattdessen in einem musikalischen Experimentierfeld zu. DÄLEK ist Conscious-Rap in seiner pursten Form, denn etwas Vernünftigeres als die in diesem relaxten Flow vorgetragenen Zeilen findet man nicht oft. Die Aggressivität äußert sich mehr in den Dissonanzen, den Drone-Misstönen und in den Noise-Exerzitien als in dem Vortrag der Lyrics. Der Rapstil von MC Dälek ist abgeklärt und resoniert dadurch optimal mit den analytischen Texten. „Opiate the masses“ dreht dann zum Abschluss der Religion den Hahn zu und rundet „Absence“ mit einer weiteren brillanten Ladung sprachlicher Salven formvollendet ab: „Spit privilege / Blasphemous breath remains accurate / Context of text lost its core concept / Who speaks our truths? / Convicts or prophets?“

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