
Ein asoziales Meisterwerk, dessen einziger Nachteil die daraus resultierende Erwartungshaltung an die Band aus Kiel war. Viele dachten fälschlicherweise, SMOKE BLOW hätten Bedarf, sich stilistisch zu wiederholen. Das Leben ist kurz, wenn man all die Einflüsse, die im eigenen Plattenregal rumstehen, geltend machen möchte. 1997 wohl als Coverband noch unter dem Namen SMOKE gegründet, enthalten die sieben veröffentlichten Alben der Band eine Auswahl von Southern Rock, handelsüblichen Punk/Hardcore, Crust, Sludge, Noiserock, Goth bis hin zu Metal. Wer will, wird noch eine Menge mehr raushören. Offensichtlich ist hier ihre Fähigkeit, bei Bedarf eingängige Songs zu schreiben, die lange im Ohr kleben bleiben.
Textlich wird gerne mit Klischees gespielt, was sich in massenhaft Zitaten, Reminiszenzen oder einfach nur coolen Songtiteln äußert. Vorgetragen von einem Sänger, der irgendwo zwischen Clifford Dinsmore und Glenn Danzig nicht nur große Töne, sondern hin und wieder auch gerne ins Publikum spuckt. Ab Album Nummer 4, „German Angst“, wird Jack Letten durch MC Straßenköter, so räudig wie der Moniker vermuten lässt, am Mikrofon unterstützt. Spätestens bei den Künstlernamen sollte klar sein, Augenzwinkern und Unterhaltungswert spielen, besonders auf der Bühne, eine wichtige Rolle. Wer so gut eingespielt unterstützt wird, darf aber gerne das Maul aufreißen. Greif Hellhammer (bs), Fabrizio (dr) sowie Gerrard the J.R. und Kentucky (gt) verlieren sich nie im Stilmix, sondern spielen trocken und druckvoll, was die jeweilige Situation verlangt. Das Debüt „Smoke’s A-Blowin’ Black As Coal“ (1999) kann man unter Selbstfindung (unter Verwendung von einer gefühlt dreistelligen Anzahl an Effektgeräten) abhaken.
Der Nachfolger, das Album, um das es hier geht, hinterlässt 2000 zwischen BLACK FLAG, BLACK SABBATH und AmRep mit Titeln wie „Canyon Pool Punks“ oder „Pulp Fiction Nazis must die“ offene Münder und verbrannte Erde. Danach macht sich die Band auf „Punkadelic – The Godfather Of Soul“ (2001) mit Hilfe von Synthesizern locker, bevor sich auf „German Angst“ (2003) die inzwischen gesteigerte Erwartung in zahlreiche Hits ergießt. „Dark Angel“ (2005) wird seinem Titel in puncto Düsternis gerecht, bessere Songs wie hier und auf dem folgenden „Colossus“ (2008) haben SMOKE BLOW nie geschrieben. „The Record“ (2009) ist dann noch mal ein angepisster Schlag in die Magengrube. Keine Ahnung, ob beabsichtigt, aber was Mittelfingermentalität und Intensität angeht, das einzige Album, das in einer Liga mit „777 Bloodrock“ spielt. Dessen Artwork, ein Sniper inmitten von toten Putten, wurde leider nicht mehr getoppt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Lars Koch