30 Jahre später: DR. RING-DING & THE SENIOR ALLSTARS

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Dandimite! (LP, Grover, 1995)

Sechs Songs dieser Scheibe wurden bereits 1994 im Haus der Eltern von Dr. Ring-Ding, unter gütiger Mithilfe von Könner Götz Alsmann, der ein früher Förderer der Band war, aufgenommen. Derer vier landeten auf der ersten Single: „Big man“, „One bourbon, one bourbon, one beer“, „Man in the street“ und „Got my boogaloo“, die auch alle auf diesem fantastischen LP-Debüt zu hören sind. Sänger, Posaunist und Mastermind hinter diesem wirklich extrem vielseitigen Werk ist natürlich Richard „Richie“ Alexander Jung, in Fachkreisen nur Dr. Ring-Ding genannt.
Diese LP, auf CD kam sie auf Pork Pie heraus, stellt heute wie damals das Referenzwerk in Sachen Ska aus deutschen Landen dar. Der Clou liegt hier im Betreten von artverwandten Pfaden wie Calypso, Reggae, Rocksteady, Dance Hall oder Dub. Nicht nur Götz Alsmann bereicherte das Werk per Ukulele, Gesang und Klavier bei vier Songs, auch der „King of Ska“, Derrick Morgan, konnte für den Kultsong „Knocking on my door“ (Lyrics von Richie) gewonnen werden. Dieser weilte, da Dr. Ring-Ding bei einigen Gigs hierzulande seine Begleitband war, mit einem seiner Söhne in Münster, und so konnte er auch zum die Scheibe einleitenden „Phone talk“ mit Richie etwas beitragen. Dabei saß Derrick am Mikro vor dem Mischpult und fluchte, weil etwas schiefging. Aber dieser Fluch ging nicht verlustig, er ist hier zu hören. Produziert wurde alles bei Ekki Maas in Münster, der ein kleines Studio namens Flying Toaster in einem Souterrain besaß, und der eine prima Idee bei den Aufnahmen einbrachte. Er legte ein Mundharmonika-Mikrofon in den Raum vor das Schlagzeug, wodurch alles wesentlich trashiger klang als geplant.
Richie ist noch heute angetan von der Arbeit: „Das Album war weltweit wichtig, das soll jetzt nicht anmaßend klingen sein. Aber ob ich in den USA, England oder in Indonesien bin, ich werde immer wieder auf dieses Album angesprochen.“ Es zog sofort alle Ska-Fans in den Bann. Als die Band das Album per Kurztour durch Spanien zum Besten gibt, staunt selbst Richie: „Das war in Madrid vor etwa 550 Leuten. Ich begann den ersten Song zu singen und alle sangen echt die gesamten Texte mit!“ Dass das Album so populär wurde, liegt laut ihm sicher auch daran, dass Moon Records aus den USA die CD zwei Jahre später weltweit in den Handel brachte. Die Band begann als 1960er-Ska- und -Rocksteady-Coverband, wobei Richie ja schon Teil von EL BOSSO & THE PING PONGS war, die schon sieben Jahre zuvor starteten. Der deutsche „Ska-Papst“ war also kein Neuling bei seinem LP-Debüt. Mit der ersten Scheibe jedoch einen derartigen Meilenstein zu setzen, das ist sehr ungewöhnlich. Wer jamaikanische Musik auch nur im entferntesten mag, kommt an dieser Platte auch noch heute nicht vorbei.

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