
Der Name des Debüts rührt der Legende nach daher, dass Chris DeMakes (g, voc), Vinnie Fiorello (dr) sowie der kurz nach Gründung im Jahre 1992 dazu gestoßene Roger Lima (bs, voc) ihrer Vorliebe für PEZ-Bonbons und die dazugehörigen Spender Ausdruck verleihen wollten. Wenn es ein Genre geben sollte, das die Musik von LTJ beschreiben sollte, träfe es Pezcore wohl tatsächlich ganz gut: Süß, eigenartig, unverwechselbar und irgendwie immer spannend. „Pezcore“ bietet dann auch vom ersten Song „Liquor store“ an – bis heute einer der größten Hits der Band – feinsten Ska-Punk mit stets wuchtigen Bläsereinsätzen. Weiteres Beispiel hierfür ist das ebenfalls bis heute sehr beliebte und oft live gespielte „Johnny Quest thinks we’re sellouts“.
Das Album erschien ursprünglich auf Dill Records, dem damaligen Label von Mike Park, damals seines Zeichens Sänger und Saxophonist bei SKANKIN’ PICKLE. Nachdem das Label wiederum unter Mike Park zu Asian Man Records wurde, erschien das Album dort nochmals als Reissue, das tatsächlich erfolgreicher war als der ursprüngliche Release. LTJ waren jedenfalls bei Asian Man während der dritten Ska(-Punk)-Welle Mitte der 1990er bestens aufgehoben. So bildeten sie mit Bands wie MU 330, LINK 80 oder auch THE TOASTERS die Speerspitze des schnellen, harten Ska-Punk. Hierbei haben sie bewusst auf einfache 2Tone-Parts verzichtet. Der Sound und der Erfolg von „Pezcore“ blieben nicht ungehört; und so wechselten die Jungs aus Gainesville (Rock City) mit ihrem zweiten Album „Losing Streak“ (1996) zum Majorlabel Capitol Records. Das machte sich auch im Sound bemerkbar: Während „Pezcore“ noch rauh und ungeschliffen klingt, wirken „Losing Streak“ und der Nachfolger „Hello Rockview“ (1998) deutlich glatter und sauberer.
Trotz des Erfolgs, den die Band auch mit diesen beiden Alben hatte – allen voran mit dem Song „All my best friends are metalheads“ von „Hello Rockview“, der durch das Computerspiel „Tony Hawk’s Pro Skater“ weltweit bekannt wurde –, empfanden sich LTJ von Capitol Records schlecht behandelt (welche Überraschung!) und wechselten in der Folge zu Fat Wreck. Dort erschien im Jahre 2000 das absolute Überalbum „Borders & Boundaries“, das wirklich nur Hits enthält! Danach wurde es etwas unruhig für die Band: Zahlreiche Besetzungswechsel folgten ebenso wie zahlreiche Labelwechsel. Zudem entschied sich die Band dazu, bevorzugt EPs aufzunehmen und keine ganzen Alben mehr. Vielleicht führte diese allgemeine Unruhe auch zum Ausstieg des Gründungsmitglieds Vinnie Fiorello im Jahre 2018. Seitdem machen LESS THAN JAKE mit der Kernmannschaft Chris DeMakes; Roger Lima und Buddy Schaub (tr) munter weiter, ohne jemals an Spielfreude und Energie eingebüßt zu haben.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und André Hertel