30 Jahre später: MOTHER’S PRIDE

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Bullshit (LP, Impact, 1995)

Was DIE LOKALMATADORE für den Punk im Ruhrpott und Mülheim insbesondere waren, nämlich namensgleiche Helden, das war die neunköpfige Ska-Band MOTHER’S PRIDE einst für die Berliner Szene. So oft live gesehen und gefeiert, dass schon ein Kumpel von mir meinte, wir werden bald deren CDs zurück auf die Bühne schmeißen, weil wir das inzwischen nicht mehr hören können. Doch weit gefehlt, die Band um ihren frechen, unterhaltsamen Sänger Ras Meyer zieht bis heute jedes Punk- und Ska-Tanzbein in Mitleidenschaft. Auch wenn inzwischen „nur“ noch aus der Konserve, da sich die 1989 gegründete Band 2002 auflöste.
1992 brachten sie eine erste Mini-LP namens „Greatest Hits Volume 3“ heraus, die den Humor der Band damit allein manifestierte. Hier geht es aber um das Debütalbum, das es auf gelbem Vinyl, auf CD und zudem als Kassette zu erwerben gab. Mit einem enormen Knistern startet die LP, was bei Platten aus meiner Frühzeit eher „normal“ war, doch es handelte sich hier um ein aufgezeichnetes Intro einer Plattenfirma, die 1965 einige Hits für ihre Käufer ankündigten. Dann „Father’s shame“, ein Intro voller Power. Der erste Song mit Text, „Minor ska“, ist ihr wohl erster großer Hit. Gerd Bluhm, die im April 2025 leider verstorbene Tonstudio-Legende aus Berlin – GERM ATTACK, HERBST IN PEKING sowie die beiden Berliner Ska-Gruppen BLECHREIZ und THE BUTLERS waren unter seiner Regie zugange –, hat hier gute Arbeit geleistet. Aktuell wird von Bands gerne von rohem Live-Sound geredet, um das Produkt möglichst direkt und ohne Firlefanz zu präsentieren. Aber hier kann wirklich noch von einem Live-Sound gesprochen werden. Glasklar, laut, aber nah am Fan, so sind sind die zehn Songs zu Evergreens geworden. Bei „Mr. Walker“ nehmen sie den Fuß vom Gaspedal und es lädt dafür zum Mitsingen ein, „I’m in love“ geht schnell nach vorne, ehe mit „Day like this“ eine wahre Ska-Perle ertönt. „Pina Colada“, was für ein Partysong! „Till I do what I say“ wurde auf eine Single gepresst, wo die Mädels und Jungs sich THE OFFBEATLES nannten und Ras Meyer mit einer Live-Ansage glänzt: „Oder hat da einer hingekotzt? Kotze ist scheiße ...“
Apropos live: Am 10.01.1998 war ich im SO36 und mit mir rund 1.000 andere Fans. Dieses Konzert von MP wurde auf CD gebannt und es kann nur empfohlen werden, sich dieses reinzuziehen. Noch einmal zur „Bullshit“-LP, die im bekannten Vielklang Studio ihren Mix fand und als vorletzten Song „Pussy problems“ enthielt. Da ist zu Beginn ein quietschendes Bett zu hören, und dass es im Lied nicht um Katzen geht, ist eh klar. Die Frische und Vielschichtigkeit deutscher Ska-Bands aus den 1990ern ist für mich wenigstens bis heute unerreicht.

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