35 Jahre später: CITIZEN FISH

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Free Souls In A Trapped Environment (LP, Bluurg, 1990)

CITIZEN FISH begannen als Fusion der Anarchopunks SUBHUMANS und der Reggae/Dub-Punk-Band CULTURE SHOCK. Im Mittelpunkt immer die unverwechselbare Stimme von Sänger Dick Lucas. Die Debüt-LP von CITIZEN FISH „Free Souls In A Trapped Environment“ zählt für mich immer noch zu den besten Ska-Punk-Alben ever. CITIZEN FISH spielten damals eine Mischung aus Anarcho- und Reggae-Punk und abgesehen von Dicks Stimme waren die Arrangements dank Larrys Gitarrenspiel nie wieder so hektisch. Schon auf dem zweiten Album „Wider Than A Postcard“ ging es wesentlich geordneter und gemäßigter zu. Wie so oft versprüht gerade das Debüt eine ungezähmte Frische und Energie. An sich gibt es kein wirklich schwaches CITIZEN FISH-Album, aber „Free Souls In A Trapped Enviroment“ war für mich damals in Sachen Ska-Punk neben OPERATION IVY eine Offenbarung, was nicht zuletzt daran lag, dass sie Offbeat ohne Bläser und Keyboard machten, was ja ab den 1990ern vor allem in den USA die Regel war.
Der „Supermarket song“ war textlich und musikalisch schon ein Statement. Das war Konsumkritik, gepaart mit instrumentaler Finesse. „Break into a run/Rainbows“ und „Small scale wars“ beginnen als gemütliche Punk-Reggae-Nummer und enden im Anarchopunk. „Possession“ ist ein treibender Ska-Punk-Song, der durch Komplexität und Tonartwechsel besticht, ähnlich „Talk is cheap“. „Home economics“ hingegen könnte auch Dub-Punk von CULTURE SHOCK sein. „Paint“ ist so kurz wie genial. Die B-Seite beginnt mit dem punkigen „Face off“ und endet mit dem schrägen Alternative- und Indierock-Stück „Youth“. „Flesh and blood“ ist eine der Hymnen des Albums, die in keinem Live-Set der Band fehlt und zu Recht auch als Single veröffentlicht wurde. Auf den großartigen Tierrechtssong folgt mit „Get off the phone“ eine weitere eingängige Single. Aktueller denn je ist der Text von „Experience earth“, während „How to write ultimate protest songs“ von einem Genre ins nächste springt. Crossing all over. Zum Abschluss gibt es mit „Charity“ eine experimentelle Nummer à la PUBLIC IMAGE LTD.
Und auch wenn das Album 35 Jahre auf dem Buckel hat, die Zeit schneller geworden ist, sind die Probleme, die auf „Free Souls In A Trapped Environment“ beschrieben werden, aktueller denn je. Ich weiß nicht, wann wir angefangen haben, positive Errungenschaften mit dem Arsch wieder einzureißen, um eben nicht aus der Geschichte zu lernen, sondern sie durch das Internet, durch Fake News und KI neu zu schreiben. Die 15 Songs wurden innerhalb von drei Tagen im April und vier Tagen im Juni 1990 aufgenommen. Es ist ein Album, das meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung findet, unabhängig von der Bedeutung der Bands SUBHUMANS, CULTURE SHOCK oder CITIZEN FISH und ihres Sängers Dick Lucas.

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