
Das Debütalbum des Berliner Trios mit dem umständlichen Titel „Chills And Thrills In A Drama Of Mad Sins And Mystery“ war bereits zwei Jahre zuvor erschienen. Doch dieses zweite Album war ein neuerlicher Schritt für die Jungs. Natürlich war das Coverartwork bei Elvis Presley abgekupfert, doch den Hintergrund für das Fotoshooting kennen nur Insider. Man stellte sich nämlich dafür am berühmten Berliner Insulaner in die Landschaft. Nicht jedoch ohne das „bandlike“ aufzuhübschen. Da steht zum einen Sänger Koefte mit einer Kettensäge in der Dunkelheit, während hinter dem Trio Feuer aufflackert – und dies war echt kein Fake. Mit Benzin wurden dort auf einer Anhöhe immer wieder Stöcke entzündet und ständig musste aufgepasst werden, dass keiner kommt und Anzeige erstattet.
Dunkel wurde es bei den Aufnahmen in den Banane Tonstudios in Hamburg auch für Kontrabassist Holly. Zunächst sollten die zwölf Songs gemeinsam in einem großen Raum aufgenommen werden, doch das haute technisch nicht hin, die Drums waren zu laut, so dass Holly zehn Meter den Gang hinuntergehen musste, um dann in einem unfertigen kleinen Zimmer im Halbdunkeln zu slappen. Lustig fand er das, im Gegensatz zum aufgezeichneten Bass-Sound, der ihm nicht tief genug war im Vergleich zum Debütalbum. „Obwohl wir ihn genau so abgenommen hatten“, so Holly. Bei Songs wie „It bites“ indes ist es deutlich hörbar. Holly Burnette, der bereits mit und für alte Helden wie Carl Perkins, Sleepy LaBeef, Bela B oder THE DELTAS (auf dieser LP covern MAD SIN deren Song „Fashion train“) live agierte, weiß als Ausnahmebassist der Szene natürlich, wovon er redet. Beim Song „Walltown“ hingegen könnte man den Bass-Sound als Fan noch durchgehen lassen, der heute noch immer im Live-Repertoire ist. Geschrieben hatte ihn in der Urfassung Lenard Streicher für seine Berliner Rockabilly-Band RAGS (Streicher ist nun im Jazz tätig und spielt auf Kreuzfahrten, im Berliner Yorkschlösschen etc.). Doch Koefte, hier an Mikro und Drums, schrieb diesen Track leicht um, sie spielten ihn punkiger und fertig war der wohl erste Hit der Combo. Zeilen wie „Walltown kids, don’t see the sun [...] Many people in this town are poor, and poor people are alone“ zeugen von Koeftes sozialkritischer Ader.
Ob es für mich das Richtige war, diese Platte morgens um sechs Uhr auf dem Weg zur Arbeit zu hören, sei mal dahingestellt, ein Wachmacher war und ist sie bis heute in jedem Falle geblieben. Im Gesamtkontext der Bandhistorie sicherlich nicht das beste Album, aber vom Songwriting her besser als das Debüt – das nachfolgende „Amphigory“ von 1991 ist für Koefte gar bis heute das schlimmste eigene Werk. „Distorted Dimensions“ ist erdig, kernig, deutlich.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Markus Franz