40 Jahre später: CHIN-CHIN

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Sound Of The West Way (LP, Farmer, 1985)

CHIN-CHIN wurden 1982 von vier jungen Frauen als DIY-Punk-Band im Schweizer Biel gegründet. Später übernahm die charismatische Schlagzeugerin Anne Marie den Gesangspart, die zuvor bei SOPISTICATED BOOM BOOM aktiv war, und die Band machte als Trio weiter. Es war die Schweizer Punkband SOZZ der drei Brüder Buzz, Andreas und Ernest Maeschi, die anschließend HUNGRY FOR WHAT gründeten, die ihnen quasi zum „Durchbruch“ verhalfen und die ihr eigenes Label Farmer Records betrieben. Sie ließen CHIN-CHIN in ihrem Proberaum üben und liehen ihnen Gitarren und Schlagzeug, bis sie sich eigene Instrumente zulegten.

Beeinflusst waren CHIN-CHIN durch THE CLASH, BLONDIE, X-RAY SPEX, SIOUXSIE & THE BANSHEES, aber auch von Girl-Groups der 1960er und dem Glamrock von T. REX. Bei ihren ersten Proben coverten sie Klassiker wie „Baby, I love you“ von den THE RONETTES und „Da doo ron ron“ von den THE CRYSTALS. Die Band verstand es, eine packende und perfekte Mischung aus DIY-Punk, Bubblegum-Pop mit griffigen Harmonien und eingängigen Refrains, Fuzz-Gitarren und Twee-Pop mit den Sounds zu verbinden, die in UK als C86 bekannt werden sollten. Nach der EP „We Don’t Wanna Be Prisoners“ (1984) erschien das fulminante, in nur sieben Tagen eingespielte Album „Sound Of The West Way“ mit 13 Songs, das ad hoc Euphorie verbreitete, bis hin zum NME-Journalisten Everett True, der das erste englischsprachige Interview mit CHIN-CHIN machte, und der BBC-Legende John Peel. Nach diesem positiven Presseecho wurde die Band vom Manager der SHOP ASSISTANTS gefragt, deren Fans sie wohl auch waren, die Band auf ihrer Deutschlandtour zu begleiten, was zu einer EP auf derem schottischen Label 53rd & 3rd führte (B.M.X. BANDITS, THE VASELINES).

Ihre Popularität ermöglicht es ihnen, als Support-Act für THE POGUES, ANTI-NOWHERE LEAGUE, NEW MODEL ARMY und TV PERSONALITIES zu spielen. Das Album hat sich zu einer der gefragtesten Veröffentlichungen in Sachen Swiss-Punk entwickelt und wurde 2010 wiederveröffentlicht, zusätzlich mit den Coverversionen „Da doo ron ron“ und „My boy lollipop“ als Hidden Track. Songs wie „Dark days“, mit einer Art frühem Debbie Harry-Gesang, und „Stay with me“ klingen heute noch authentisch frisch und fesselnd. CHIN-CHIN nahmen vermutlich vieles davon vorweg, was sich Anfang der 1990er Jahre als Riot Grrrl-Bewegung herauskristallisieren sollte – Kathleen Hanna (BIKINI KILL) müsste CHIN-CHIN lieben. 2023 erschien die gut gemachte Compilation „Cry In Vain“ mit 14 Songs von CHIN-CHIN.

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