40 Jahre später: RITES OF SPRING

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s/t (LP, Dischord, 1985)

„We all are trapped in prisons of the mind ...“ („Remainder“). Nicht ganz 40 Jahre, nachdem Brendan Canty (dr), Michael Fellows (bs), Eddie Janney (gt) und Guy Picciotto (voc, gt) sie im Februar 1985 mit Ian MacKaye und Michael Hampton bei Don Zientara im Inner Ear Studio eingespielt haben, krachen die zwölf Lieder dieses Albums an einem dunklen, feindselig, kalten Jännerabend einmal mehr in die Wahrnehmung ... Gleich bin ich wieder ein zu dieser Musik distanzloser, in ihrem Toben aufgehender Deputy-RITES OF SPRINGer! Herzen ballen sich zur radikalen Revolution wilder Küsse und Umarmungen. In Linz, der Stadt, wo ich diese Platte erstmals hörte, war an dem Tag Bürgermeisterwahl und es war dann so, dass diese nicht so furchtbar ausgegangen ist, wie Wahlen derzeit meist ausgehen.
Dischord hatte, als „Rites Of Spring“ im Juni 1985 erschien, noch keine zwei Handvoll Alben veröffentlicht. Teil eines Time-Frames („Revolution Summer“, als Begriff einer Politisierung, mit Ideen wie Veganismus/Vegetarismus), samt ähnlich wichtigen Alben wie „Plays For Lovers“ von BEEFEATER und dem von EMBRACE (mit MacKaye), die zunächst – auch! – irritierten. Dem schon diversen Hardcore der „Flex Your Head“-Compilation (1982) war diese Musik schon wieder ein gewaltiges Stück weit entwachsen. Prompt wurde der unselige Begriff „Emo“ geprägt, dabei hießen so in Washington, D.C. höchstens die Katzen. Whatever ... Guy Picciotto trug sein ringendes, suchendes Herz mit pochendem Hirn in kraftstrotzenden Songs auf der Zunge, artikulierte mit größter Unbedingtheit Sätze, in denen das Persönliche so politisch war wie nur was, und vice versa. Sätze, Bücher anzustoßen: „Cruelty is the better part of your honesty“ („Theme – If I started crying“).
Musikalisch im Grunde ohne Vergleich, eventuell wären HÜSKER DÜ zu bemühen, aber wenn, dann mehr als alles andere wegen der Intensität des Spiels, der „Raserei“ der aus den Boxen explodierenden Musik – stimmigerweise spielte Canty später mit Bob Mould. So schnell RITES OF SPRING verglüht sein mögen, 1986 waren sie nach dem Album, einem auf dessen CD-Version veröffentlichten weiteren Song aus der Albumsession, einer ruhigeren 4-Song-7“, einer postumen erschienenen 10“ mit Songs von ihrem Demotape und nicht einmal einem Dutzend Live-Gigs in D.C. und Umgebung schon wieder Geschichte. Neben Spinoffs wie ONE LAST WISH oder HAPPY GO LICKY waren sie nicht zuletzt eine Ausgangsbasis für FUGAZI, mit denen Canty, MacKaye und Picciotto über Szenegrenzen hinaus vernehmbar wurden. Doch selbst ohne diese „historische“ Perspektive, ist dies ein bis heute für sich ganz besonderes, schlicht einmaliges und einzigartiges Album.

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