
Die Psychobilly-Szene hatte ab 1981 endgültig Fahrt aufgenommen. THE METEORS, THE RICOCHETS, DELTAS, THE SHARKS, FRENZY, DEMENTED ARE GO und Co. waren federführend, dazu kamen Bands aus der Neo-Rockabilly-Szene wie RESTLESS, THE BLUE CATS oder THE CARAVANS. Was all diese erwähnten Bands vereint? Dass sie aus dem Vereinigten Königreich kamen. Der Sänger von TORMENT, Simon Brand, hatte zuerst noch bei FRENZY gespielt und komponiert, ehe er mit Bassist Anthony Biggs und Drummer Kevin Haynes dieses Trio gründete. Biggs ging jedoch früh von Bord und die erste Single und diese Debüt-LP wurden bereits von Simon Crowfoot am Kontrabass eingespielt. Seine Markenzeichen: ein hoher Flat, eine runde Sonnenbrille und vor allem sein cooles Spiel an der Klapperkiste. Heute lebt er in Neuseeland, während Drummer Kevin Haynes in Pembrokeshire (Wales) wohnt.
Mit „Death trail“ startet diese energetische Scheibe. Der rauhe Sprechgesang des Sängers in Verbindung mit seiner halb verzerrten Gretsch-Gitarre erzeugen sofort einen Wiedererkennungswert. „Uncle Sam“ ist der Trademark-Song schlechthin. Das ist so cool, ausdrucksstark und trotz der musikalischen Einfachheit ein Ohrwurm, nicht zuletzt aufgrund des verschleppten Tempos. Die B-Seite nimmt aber so richtig Fahrt auf. „Slow down“, ein 1950s-Cover, ist bis heute mein Lieblingssong der Band, da fliegen die Extremitäten wie von selbst durch die Luft, und „Psyclops carnival“ wurde auch nicht zufällig später von MAD SIN gecovert. Der ROLLING STONES-Hit „The last time“ wird ebenfalls in tollem Spiel interpretiert. Doch der tragische Selbstmord des Sängers Simon Brand im Jahr 1994 überlagert hier leider alles. Er war der wesentliche Komponist bei TORMENT und schrieb auch den FRENZY-Hit „Cry or die“. Wobei der Output angesichts der kurzen Zeit ziemlich hoch war, mit vier LPs in nur fünf Jahren.
Man kommt hier nicht umhin, neben der Bandhistorie die Geschichte ihres Labels zu betrachten. 1979 hatte Roy Williams Nervous Records gegründet und brachte im gleichen Jahr die legendäre POLECATS-Single „Rockabilly Guy“ auf den Markt. Es folgte das Who’s Who der britischen Psychobilly-Szene, die Mr. Williams auf die Landkarte der Untergrund-Kultur packte. Gerade auch Bands der „zweiten Stunde“ wie SKITZO, GUANA BATZ, FRANTIC FLINTSTONES und eben TORMENT, womit wir schon wieder komplett im UK sind ... Diese schöne Scheibe hier hat das deutsche Label Crazy Love Records 2022 neu aufgelegt, ein kluger Einfall. Ruhe in Frieden, Simon Brand. Deine Musik wird mich niemals in Ruhe lassen, dazu ist sie viel zu prächtig!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Markus Franz