
Was THE RUTS betrifft, bin ich ein relativer Spätzünder. Natürlich drangen auch bis nach Dänemark Berichte durch über ihre legendären Live-Auftritte Ende der 1970er. Als Kumpels von mir 1980 nach London fuhren, in der Hoffnung, eines ihrer Konzerte zu erleben, wurde der Gig leider abgesagt. Am 14. Juli 1980 starb Sänger Malcolm Owen dann an einer Überdosis Heroin, nur wenige Wochen, nachdem sich Ian Curtis (JOY DIVISION) das Leben genommen hatte. Die beiden Bands kannten sich zwar nicht persönlich, aber so verlor sowohl die Generation der Second-Wave-Punk-Bands als auch die aufkeimende Post-Punk-Szene zwei ihrer talentiertesten Frontmänner.
Aus THE RUTS wurden RUTS DC, aber nach ein paar Veröffentlichungen wurde es still um die verbleibenden Mitglieder. Bis Ruffy und Segs sich 2011 entschlossen, RUTS DC wiederzubeleben. Das war auch der Zeitpunkt, ab dem ich anfing, mich mit dem Backkatalog auseinanderzusetzen, inklusive „Grin & Bear It“. Natürlich kannte ich die Hits, ich habe sogar zu Prä-Internet-Zeiten mal in einem Bandprojekt „In a rut“ gecovert, ohne den korrekten Text zur Verfügung zu haben. Der Erfolg war mäßig und es war auch nie eines meiner Lieblingslieder von ihnen. Auf dem posthum erschienenen Album, das im Prinzip aus einer Sammlung von Singles, B-Seiten und Live-Aufnahmen besteht, gibt es allerdings auch jede Menge Hits. Mit „Babylon’s burning“ und „Staring at the rude boys“ hat man natürlich zwei Songs, die allein schon gereicht hätten, um die Band in den Punk-Olymp zu katapultieren. Daneben gibt es aber auch „H-Eyes“, „Love in vain“ und mein ewiges Lieblingsstück „West one (Shine on me)“, die allesamt explizite Drogensongs sind. Segs meinte einmal, Malcolm hätte im Text zu „West one“ seine eigene Heroinzucht romantisiert. Ob es tatsächlich so war, kann ich nicht beurteilen, aber beim Lesen der Lyrics ist es zumindest vorstellbar.
Die Frage, was noch alles hätte kommen können, wird für immer unbeantwortet bleiben. Kurz vor Malcolms Tod musste die Band Support-Shows für THE WHO (mit denen sie bis heute befreundet sind) absagen, da er körperlich nicht mehr in der Lage war, Stadionauftritte durchzustehen. Dass die Musiker überdurchschnittlich talentiert waren, steht außer Frage. Paul Fox hätte selbst Jimi Hendrix von der Bühne geblasen. John „Segs“ Jennings machte vor allem als Produzent Karriere, spielte aber auch lange bei ALABAMA 3 und sogar kurz bei MADNESS. Auch Dave „Ruffy“ Thomas machte sich einen Namen als Produzent, vor allem aber als Bandleader und Schlagzeuger für Kirsty MacColl, Sinéad O’Connor und viele weitere Größen der anspruchsvollen Popmusik.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Kent Nielsen