
„You hold in your hands the greatest punk rock album ever made.“ So preist der Norton-Rerelease aus dem Jahr 1998 die Platte auf dem Backcover an. Und wer von den Ox-Leser:innen hat wohl dessen Erstveröffentlichung 1965 bewusst erlebt? Hier tendieren wir sicher gegen Null. Mein erster Kontakt mit den SONICS war auf den legendären „Back From The Grave“-Compilations von Crypt Records. „Here Are The Sonics“ ist das Debüt der 1960 gegründeten Band aus Tacoma, Washington, die sich in den darauffolgenden Jahren mit ihrer rauhen und wilden Musik, bestehend aus Coverversionen und eigenen Songs, einen Namen machen sollten.
Mit einfachsten Mitteln wurde 1964 erstmals aufgenommen. Neben ihren Interpretationen von Berry Gordy Jr.s „Do you love me“ und Chuck Berrys „Roll over Beethoven“, Richard Berrys „Have love will travel“, dem BEATLES-Song „Money (That’s what I want)“, Rufus Thomas’ „Walking the dog“, Lew Hermans „Night time is the right time“ und Little Richards „Good golly Miss Molly“, sind es vor allem die wenigen eigenen Titel, die noch Jahrzehnte später von den unterschiedlichsten Bands ihrerseits gecovert wurden und zu den Wegbereitern des Punkrock-Genres zählen. „The witch“, von Sänger Gerry Roslie geschrieben mit dem düsteren Riff aus Saxophon, Gitarre und Orgel, war seinerzeit eine der meist verkauften Indedepent-Singles, unterstützt durch massives Airplay der Radiosender im Nordwesten der USA. „Boss hoss“ ist der Inbegriff einer Rockhymne. „Dirty robber“ hatte Produzent Buck Ormsby von den WAILERS mitgebracht. Bekannter jedoch sind die Songs, die sich mit Alkohol- und Drogenmissbrauch auseinandersetzen:„Psycho“ und „Strychnine“.
Der kommerzielle Erfolg blieb zwar aus, allerdings sollten THE SONICS das Punk-Genre wie nur wenige andere Bands prägen. Mit „Boom“ und „Introducing The Sonics“ folgten noch zwei weitere Alben in den 1960er Jahren. Ihrem Konzept blieben so treu. Viele Cover, die sie auf ihre Art und Weise interpretierten, ein paar wenige, aber richtig coole eigene Nummern. Das erste Comeback-Album erschien mit „Cinderella“ 1980. Seit 2007 spielt die Band wieder regelmäßig. Ich konnte sie zu dieser Zeit in Köln live erleben und fand sie großartig. Ich liebe ihre eigenen Songs und finde manche, wenn auch nicht alle ihrer Coverversionen super. 2015 kam ein neues Studioalbum mit dem schlichten Titel „This Is The Sonics“. Original-Schlagzeuger Bob „Boom Boom“ Bennett verstarb 2025. Mittlerweile steht nur noch Sänger und Saxophonist Rob Lind als Originalmitglied auf der Bühne. Im Juli 2025 erschien eine laut Kritikern sehenswerte Filmdokumentation namens „Boom“. Für mich sind THE SONICS im ursprünglichen Sinne eine der ersten Punkbands schlechthin.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Simon Brunner