ANNISOKAY

Foto© by Arising Empire Records

Frag den Producer

Christoph Wieczorek ist nicht nur Sänger und Gitarrist von ANNISOKAY, sondern er betreibt auch das Sawdust Studio und produziert dort viele andere Bands. Über diese Doppelrolle haben wir uns mit ihm unterhalten.

Mittlerweile gibt es ANNISOKAY seit 18 Jahren und du bist gewissermaßen zum Mittelpunkt der Band geworden. Auch weil du das einzige verbliebene Gründungsmitglied bist, wenn ich das richtig im Kopf habe. Siehst du dich selbst in dieser Rolle,oder ist das eher eine Außenwahrnehmung?

Wow, 18 Jahre schon? Manchmal vergesse ich selbst, wie lange es die Band eigentlich bereits gibt. Aber ja, tatsächlich bin ich das letzte verbliebene Gründungsmitglied. Einerseits finde ich das schade, andererseits bin ich unglaublich stolz und glücklich darüber, wie ANNISOKAY aktuell aufgestellt sind. Rudi, Peter und Silas sind großartige Musiker und tolle Menschen. Das soll nicht heißen, dass die früheren Mitglieder das nicht waren, aber Veränderungen können oft etwas Gutes sein. Die vielen Besetzungswechsel ließen sich leider nicht vermeiden. Es gehört wohl dazu, dass sich Menschen und ihre Lebensumstände über die Jahre verändern und eine Band irgendwann nicht mehr für alle die höchste Priorität hat. Von außen könnte es vielleicht so wirken, als wäre ich der Grund, warum Mitglieder gehen mussten oder wollten. Aber ich kann hier klarstellen, dass die Entscheidungen immer andere Ursachen hatten und ich oft derjenige war, der versucht hat, einen Wechsel zu vermeiden. Es ist heutzutage extrem schwierig, Teil einer Band zu sein, die international tourt, aber finanziell keinen Gewinn macht. Man muss oft sehen, wie man über die Runden kommt, aber das ist noch mal ein anderes Thema. Ich sehe mich selbst nicht in einer „besonderen“ Rolle innerhalb der Band. Klar, als einer der Sänger stehe ich vorne auf der Bühne, aber für mich ist jedes Bandmitglied ein gleichwertiger Teil von ANNISOKAY. Ohne sie wäre ANNISOKAY nicht das, was es ist.

Du produzierst in deinem Sawdust Studio viele Bands aus der gleichen Nische – hilft dir das dabei, eine musikalische Sackgasse zu erkennen? Gibt es immer wieder neue Impulse für ANNISOKAY?
Das ist eine interessante Frage! Manchmal arbeite ich mit extrem talentierten Bands zusammen, die mich inspirieren, sei es durch musikalische Ideen oder durch Trends, die mir vielleicht entgangen wären. Das ist schon ziemlich cool! Außerdem „trainiere“ ich durch die tägliche Studioarbeit ständig meine Produktionsfähigkeiten und werde immer besser in dem, was ich tue. Es hat aber auch eine negative Seite, die ich hier ehrlicherweise erwähnen muss. Der Studioalltag kann extrem stressig und auslaugend sein, besonders wenn mehrere Projekte parallel fertig werden müssen. Das bremst manchmal die Arbeit an ANNISOKAY aus. Nach einem Neun-Stunden-Studiotag mit einer anderen Band und anschließendem Mixing und Mastering für weitere Projekte fehlt mir oft die Energie, mich noch an eigene Songs zu setzen. Kreativität hat ihre Grenzen, und wenn ich dann mal frei habe, möchte ich ungern weiter im Studio sitzen. Das mag nach einem Luxusproblem klingen, ist für mich aber eine echte Herausforderung. Da ANNISOKAY gerade immer größer werden, werde ich meine Studiozeit für externe Produktionen in Zukunft wohl reduzieren müssen.

Hast du dich schon einmal dabei ertappt, dass du eine Idee aus einer Studiosession für ANNISOKAY nutzen wolltest?
Ja, definitiv! Ich schreibe oft Gesangslinien oder Refrains für andere Bands, und manchmal entstehen dabei so coole Sachen, dass ich mir genau das denke. Ich bin da auch ehrlich und sage den Bands das offen. Aber natürlich gibt es da keine Diskussion. Wenn der Band die Idee gefällt, bleibt sie auch ihre. Die Inspiration dazu kam ja trotzdem durch da Demo der Band. Interessanterweise kann ich für andere Künstler oft viel befreiter schreiben als für ANNISOKAY. Bei uns hinterfrage ich oft jedes Detail und zerdenke dann manchmal Parts, die eigentlich cool sind, wie sie sind. Das ist auch der Grund warum ich mir selber auch einen weiteren Producer für ANNISOKAY-Songs suche. Man braucht als Künstler und Songwriter einfach noch eine dritte Meinung, jemand der noch mal die Sicht von außen hat. Dafür arbeite ich oft mit Benjamin Richter – CALIBAN, EMIL BULLS – oder meinem Producerkollegen Julian Breucker – SETYØURSAILS, SMASH INTO PIECES – zusammen. Noch eine kleine Anekdote: Nachdem wir damals „Human“ geschrieben und ans Label geschickt hatten, kamen FUTURE PALACE zu mir ins Studio und hatten ein Demo für „Malphas“ dabei. Der Song begann genauso mit einem Four-on-the-Floor Stampfbeat wie „Human“. Ich dachte mir, das kann ja nicht wahr sein, und habe FUTURE PALACE gleich „Human“ vorgespielt und wir haben alle gelacht. Das Riff war aber trotzdem so cool, dass wir es behalten und ausgearbeitet haben, es ist ja auch nur ähnlich und nicht dasselbe. Natürlich wurde mir trotzdem später vorgeworfen, ich hätte das Riff für die einfach noch mal geschrieben oder gar von ihnen geklaut. Das ist natürlich der größte Blödsinn. So gerne ich mich inspirieren lasse, ist ein Plagiat etwas, das es bei ANNISOKAY nie geben wird.

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