ARRESTED DENIAL

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Endlich angekommen?

Anlässlich des am 5. Dezember erscheinenden neuen Albums der Hamburger, „Nirgendwo angekommen“, unterhalten wir uns mit Daniel und Valentin über dessen Entstehung.

Passend zum Interview erscheint heute „Alles wie es war“, die erste Single vom kommenden Album! Acht Jahre sind seit dem letzten Album vergangen  –  wo wart ihr all die Zeit, was habt ihr gemacht?

Daniel: Ja, das hat länger gedauert, als wir gedacht haben und als wir uns das auch gewünscht hätten.
Valentin: Wir haben nach dem letzten Album relativ viel live gespielt, tatsächlich eigentlich durchgehend. Bis das mit Corona losging, gab es drei Touren, zweimal Europa, einmal China, und zwischendurch noch lauter
Weekender und Festivals. Wir machen das ja nicht haup­tberuflich. Wir haben nebenher auch noch ein bisschen was anderes zu tun.

Warum habt ihr euch gerade für diesen Song als erste Singleauskopplung entschieden?
Valentin: Das war eher eine rein musikalische Entscheidung. Wir haben seit zwei, drei Jahren jetzt fest einen Trompeter in der Band, was wir vorher nicht hatten. Wir dachten, es ist sinnvoll, als Einstieg etwas zu nehmen, das alle Aspekte so ein bisschen abdeckt. Das ist einer der ersten Songs, wo wir Trompeten mit Punk-Anteilen, also einer verzerrten Gitarre, gemischt haben. Bisher war das eher reiner Ska oder Reggae. Bei mir ist es doch eher traditioneller Ska und ich würde sagen, das bildet das ganz gut ab.
Daniel: Der Titel ist auch ein schöner Opener, weil er direkt nach vorne geht. Thematisch finde ich das zur Zeit auch nicht unwichtig, weil wir immer wieder kopfschüttelnd dastehen und uns fragen, wie das sein kann, dass all die Dinge  –  wo wir doch mal gehofft hatten, wir wären einen Schritt weiter  –  jetzt alle wieder da sind: Rechtspopulismus, diese ganze politische Situation, diese Menschenverachtung. Mit dem Song wollen wir den Menschen huldigen, die trotz allem den Spirit bewahren und versuchen, dagegen anzukämpfen und weiterhin Solidarität leben.

Im Song „Nichts zu bereden“ geht es darum, dass ihr es leid seid, überhaupt noch zu diskutieren. Das knüpft ja auch an das an, was du eben gesagt hast. Ich habe beim Hören das Gefühl, dass ihr ausdrückt: Es lohnt sich gar nicht mehr, mit bestimmten Menschen zu reden. Habt ihr schon ein Stück weit aufgegeben zu glauben, dass man diese Menschen noch erreichen kann, weil sie vielleicht einfach zu sehr in ihrer eigenen Welt gefangen sind?
Valentin: Den Text habe ich geschrieben. Da ging es jetzt eigentlich gar nicht so sehr um uns, sondern es war eher so ein Gefühl, dass mich das maßlos genervt hat in den letzten Jahren, dass zum Beispiel die AfD und Konsorten immer, sage ich mal, salonfähiger gemacht wurden, indem sie immer wieder eine Plattform bekommen haben, indem sie in Fernsehsendungen, in Talkshows eingeladen worden sind. Es ging darum, sich mit diesem Ansatz mal kritisch auseinanderzusetzen. Dann sind es die persönlichen Erfahrungen im Kleinen. Also ich meine, wir haben das ja schon auch, dass wir mit solchen Leuten durchaus hier und da mal konfrontiert werden. Ich bin eher der Meinung, dass man das differenziert betrachten muss, weil man manchmal mit den Leuten vielleicht doch besser sprechen sollte. Es sind ja nicht alles nur Hardliner. Also bei irgendeinem Hardcore-Fascho ist natürlich eh alles verloren.

In eurem Song „Hamburg“ redet ihr auch über die Clubs der Stadt. Was könnt ihr mir dazu erzählen und welche Locations haben für euch eine besondere Bedeutung?
Valentin: Der Song ist tatsächlich ein bisschen außergewöhnlich für uns, weil ich ja doch dazu neige, relativ, ich möchte nicht sagen depressive, aber sehr introvertierte Texte zu schreiben, in denen es viel ums sich-auseinandersetzen geht. Ich hatte mir dann vorgenommen, gegen Ende der Platte auch mal ein, zwei Texte unterzubringen, die ein bisschen lebensbejahender sind. „Hamburg“ ist ja für unsere Verhältnisse fast ein Fun-Punk-Song. Es ging darum, die Kontraste darzustellen  –  viele coole Läden, szenemäßig ist hier einfach viel los, konträr zur städtischen Entwicklung, wo man nur denkt, Alter, was ist los mit euch?

Welche Bedeutung hat es, dass das Album mit „Nirgend­wo. Angekommen.“ endet?
Valentin: Ja, also da fand ich, das war eigentlich so, ich fand den Kniff ganz charmant, die Platte mit der Textzeile „endlich nirgendwo, endlich angekommen“ enden zu lassen, weil sich dadurch der Inhalt des Titels komplett verkehrt. Das ist für mich eigentlich inhaltlich so der relevanteste Song, der den Rahmen der Plattenentstehungszeit begleitet hat. Es geht um die Überlegung: Hey, was mache ich hier eigentlich? Ist das cool oder soll ich vielleicht noch mal was anderes machen? Eine gewisse Unsicherheit, die viele Menschen kennen. Der zweite Song geht in eine ähnlich melancholische Richtung, greift aber was anderes auf  –  den Wunsch, viel von der Welt zu sehen, andere Orte, Kulturen und Menschen kennen zu lernen und dieses bereichernde Gefühl zu beschreiben.

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