AS DECEMBER FALLS

Foto© by Camphaus Media

This is fine

Die Band aus UK hat sich über die Jahre nach oben gearbeitet, ganz ohne Label und nur mit Hilfe ihrer Fans. Was das für das neue Album „Everything Is On Fire But I’m Fine“ bedeutet hat, erklären uns Sängerin Beth und Gitarrist Ande.

Mein erster Gedanke, als ich den Titel des neuen Album las, war: Okay, das ist wie das Meme, dieser „This is fine“-Hund in dem brennenden Raum ...

Ande: Wir dachten ursprünglich, wir könnten das einfach als Artwork verwenden. Das wäre so cool gewesen. Wir wären vielleicht von jemandem verklagt worden, aber es wäre toll gewesen.

Findest du, dass die Botschaft dieses Memes ein wenig das widerspiegelt, wofür auch das Album steht, was die Texte oder die gesamte Stimmung angeht?
Beth: Ich denke, für uns sagt der Titel des Albums sehr viel darüber aus, wo wir derzeit als Band stehen, denn wir sind unabhängig, wir sind in der geschäftigsten, aber auch tollsten Phase unserer Karriere. Um uns herum ist alles in Bewegung, wir haben mit so vielen Dingen zu tun, die wir noch nie zuvor gemacht haben, aber wir arbeiten alle in Vollzeitjobs. Es ist so, als würden wir sagen: „This is fine“, weil wir beim Slam Dunk Festival auf der Mainstage auftreten dürfen, aber um uns herrscht das Chaos.
Ande: Das letzte Jahr war überhaupt das absolute Chaos. Und wir kämpfen. Also ja, er ist wie das Meme und wie der Titelsong des Albums, er fasst diese Phase unseres Lebens gerade sehr gut zusammen, dass ich mich buchstäblich nicht daran erinnern kann, jemals in meinem Leben so gestresst gewesen zu sein. Dieses Album hat mich fast umgebracht, das ist sicher.

Ihr seid unabhängig, ohne Label und gleichzeitig läuft es für euch besser denn je. Das muss euch einen richtigen Schub gegeben haben.
Ande: Ja, also wir haben die Entscheidung getroffen, schon ganz am Anfang, dass wir nicht bei einem Label unterschreiben wollen, es sei denn, es macht wirklich Sinn. Weil wir die Kontrolle über unsere eigene Musik haben wollen, wir wollen die Kontrolle über unsere Master haben, wir wollen die kreative Kontrolle darüber haben, welche Musik wir schreiben, was wir tun, wann wir es tun, wie wir es tun. Wir wollen nicht, dass jemand über unsere Schulter schaut und sagt: „Hey, ihr schuldet uns eine Menge Geld und ihr müsst alle Regeln befolgen, sonst werdet ihr vom Label geschmissen und euer Album wird nicht veröffentlicht“, zum Beispiel. Wir haben das alles selbst erreicht. Und ich denke, das schafft eine viel tiefere Verbindung zu den Fans, weil sie wissen, dass im Grunde genommen sie unser Label sind. Wir könnten nicht in Deutschland touren, wir könnten nicht in Australien touren – ohne die Fangemeinde, die wir aufgebaut haben, könnten wir nächstes Jahr möglicherweise nicht in die USA zurückkehren. Denn niemand sonst finanziert diese Band. Ich glaube, dass sie ein echtes Gefühl der Zugehörigkeit dazu empfinden, denn wenn wir Erfolg haben, wissen sie, dass niemand anderes dafür verantwortlich ist. Es waren die Fans, sie haben es möglich gemacht. Es hat niemand anderes das finanziert.

Beth, ich habe auf deiner Instagram-Seite gesehen, dass deine Haupteinnahmequelle nicht die Band ist, sondern Patreon. Ich kenne nicht so viele Künstler oder Bands, die das nutzen, ich meine, du gibst den Fans die Möglichkeit, die Band direkt zu unterstützen, nicht mit Merchandise, Plattenverkäufen, Shows oder so, sondern du hast ein regelmäßiges Einkommen.
Beth: Wir haben damit ungefähr mit unserem ersten Album angefangen, glaube ich. Das ist schon lange her, und wir haben viele verschiedene Varianten ausprobiert, wie wir das Ganze betreiben und so weiter. Es gibt den Fans eine direkte Möglichkeit zu sagen: Okay, ich möchte die Band konkret unterstützen und ihr helfen. Wir haben es immer als eine wirklich großartige Möglichkeit empfunden, unsere Community aufzubauen. Es gibt also Dinge wie einen Discord-Server zum Beispiel. Und sie chatten alle untereinander, sie bekommen drei T-Shirts, drei Konzertkarten, sie bekommen so viel, und all diese kleinen Dinge summieren sich, und sie sagen: „Oh, AS DECEMBER FALLS behandeln uns alle so toll.“ Ja, natürlich tun wir das, denn ihr helft uns, ihr helft uns zu überleben, und unsere Rechnungen zu bezahlen.
Ande: Und jetzt ist eine deiner anderen Einnahmequellen neben dem Twitch-Streaming, und das lieben sie einfach, nicht wahr?
Beth: Der Grund, warum ich mit Twitch-Streaming angefangen habe, war, dass ich ein Super-Nerd bin, ich bin sehr begeistert von Gaming und solchen Dingen, und ich dachte mir, alles, wo ich einfach mehr spielen kann, mache ich natürlich.

Eine Win-Win-Situation.
Beth: Als wir anfingen, gab es ein paar Leute in der Branche, die sagten: „Es gibt zu viele Gitarren in eurer Musik. Es klingt zu hart. Das hätte nicht eure Single sein sollen. Und so weiter.“ Und wir sagten: „Wir schreiben keine Songs für euch, wir schreiben Songs für unsere Fans.“ Und damit kommen wir wieder zurück zu Patreon, wo sie eine größere Rolle spielen, weil wir Dinge wie echte Meetings machen, bei denen wir ihnen zwei Songs vorstellten und fragen: „Welchen mögt ihr lieber? Welcher sollte eurer Meinung nach die Single werden?“ Und sie entscheiden. Sie haben die Musikvideos und solche Dinge entschieden.

Hast du manchmal das Gefühl, dass du die Erwartungen deiner Fans erfüllen musst, weil sie so sehr in die Band involviert sind, dass du vielleicht einen bestimmten Weg einschlägst und etwas anderes eine Weile liegen lässt, weil es etwas ist, das den Fans vielleicht nicht gefällt?
Beth: Ja, auf jeden Fall. Und das haben wir bei diesem Album gespürt. Denn es klingt anders als unsere anderen Alben. Vor allem unsere neueste Single „Ready, Set, Go“ – als wir sie herausbrachten, waren wir alle etwas besorgt, weil wir noch nie einen Song gemacht hatten, der so klingt. Wir dachten, entweder werden sie ihn lieben oder hassen. Was, wenn unsere Fans das gar nicht mögen? Es gab echte Panik.

Ihr betreibet also im Grunde genommen auch Community-Management. Ich kann mir vorstellen, dass das schwierig ist, wenn es um die eigenen Fans geht, oder?
Ande: Es ist schwierig. Manchmal hatten wir Situationen, in denen wir jemanden aus der Community entfernen mussten, zum Wohle der übrigen Fans, und das kann wiederum sehr schwierig zu handhaben sein. Wir mussten das lernen und hoffen, dass wir immer die richtigen Entscheidungen treffen.

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