© by Pavel TrebukhinDrei Jahre sind vergangen seit dem letzten Album von AVIANA. Am 31. Oktober erscheint mit „Void“ die neue Platte der Schweden. Im Interview spricht Sänger Joel Holmqvist darüber, wie AVIANA heute funktionieren.
Wie lange dauerte es, „Void“ zu produzieren, und wie lief der Schreibprozess?
Etwa ein Jahr nach dem Release von „Corporation“ haben wir uns schon Gedanken über den neuen Sound gemacht. Wir schickten uns aber nur Demos hin und her, ohne festzulegen, wo wir hinwollen. Es dauerte bis letztes Jahr, ehe wir uns zusammengesetzt und gesagt haben: Das wollen wir jetzt machen, also los!
Beim Hören hat „Void“ mich sofort in seinen Bann gezogen – und war dann aber sehr plötzlich zu Ende. Wie entscheidet ihr, wann ein Album „fertig“ ist?
Gar nicht. Das ist das Schlimmste. Es sind diese zehn Songs, und das ist herzzerreißend, denn als ich jünger war, hatten Alben noch fünfzehn oder zwanzig Songs. Wir haben uns aber entschieden, es kurz und knapp zu halten. Der Plan ist, bald mit dem Schreiben des nächsten Albums anzufangen, statt wieder fast drei Jahre zu warten. Und wenn die Leute am Ende eines Albums mehr wollen, ist das ja positiv. Dann haben wir etwas
Gutes geschaffen und können so weitermachen.
Was ist deiner Meinung nach die ideale Albumlänge, ohne die Grenzen traditioneller Medien?
40 bis 60 Minuten. „Void“ dauert ja nur knapp über 30 Minuten, ist also eher kurz. Ich glaube aber, dass sich vieles wiederholen würde, wenn man zu viele Songs aus der gleichen Schreibsession verwendet. Man ist ja über Monate in diesem Mindset. Eine Pause tut gut, um nach neuen Sounds, neuen Details, neuen Hooks zu suchen. Da braucht es etwas Zeit dazwischen. Ich sage also: 33 bis 60 Minuten, damit ich mir nicht ins eigene Fleisch schneide.
Warum ist „As above, so below“ nicht auf dem Album?
Der Song war ein Experiment, um zu sehen, wie dieser softere Sound bei unseren Fans ankommt. Wir haben viele Rückmeldungen bekommen, positiv wie negativ, und so konnten wir einen Mittelweg finden und diesen verfolgen. Jetzt sind neben härteren Songs auf dem Album auch melodischere, wie „Evermore“ oder „Storm ablaze“. Wir haben den Song auch nur zweimal in den USA gespielt.
Schon vor dem Release von „Evermore“ hast du den Song als deinen Liebling bezeichnet. Warum?
100 % wegen des Refrains! Ich habe noch nie einen so verträumten Refrain geschrieben und es fühlte sich wie ein Erfolg an. Ich bin sehr großer HIM-Fan, ich bin mit ihnen aufgewachsen und höre sie immer noch. Diese
Art von Refrain hat mich lange begleitet und einen Metalcore-Song zu nehmen und ein bisschen HIM hin-
zuzufügen, macht mich glücklich und stolz. Etwas aus meinem Fandom und vor allem meiner Kindheit in meine
Musik einzubauen – daraus wurde einfach ein Lieblingssong. Und den Breakdown liebe ich auch.
Kannst du mehr über die Zusammenarbeit mit Eddie Berg für „Worlds pulse“ erzählen?
Bei der Tour mit IMMINENCE baten sie mich um ein Live-Feature bei ihrem Song „The call of the void“. Nach der Tour schrieb Eddie mir, dass sie mich bei der Deluxe-Version dabeihaben wollen. Also scherzte ich, dann müsse er auch ein Feature bei mir machen. Dann wurde „Void“ fertig und ich dachte: Fuck, ich brauche ihn wirklich auf diesem Album. Ich hab ihm dann das Demo geschickt und er hatte eine Woche Zeit zum Aufnehmen. Er hat unglaublich schnell geliefert. Seinen Teil habe ich geschrieben, aber er hat ein bisschen was verändert und ich liebe es, was er daraus gemacht hat. Und natürlich musste die Geige dabei sein, sonst wären die Leute angepisst. Nach seiner ersten Aufnahme wusste ich direkt, das ist Gold. Er hat auch zum Mixing beigetragen. Seine herzliche Art und sein Beitrag machen den Song aus. Wir haben nach der Tour oft gehört, dass unsere Stimmen gut harmonieren, und das ist echt cool, weil ich lange zu Eddie aufgeschaut habe. Er ist ein unglaublicher Sänger.
Bei einem Q&A sagtest du, dass Fear an den neuen Masken mitgearbeitet habe. Wie stark sind deine neuen Mitmusiker Fear, Death und Dark am kreativen Prozess beteiligt?
Wir sind wieder eine vollwertige Band. Wir sind gleichberechtigt und jeder hat unterschiedliche Aufgaben. Fear kümmert sich um unser Auftreten auf der Bühne, in Musikvideos oder auf Social Media. Death ist eher ein Techniker, er wartet auf Tour zum Beispiel die Gitarren. Nur Dark spielt einfach nur Schlagzeug und ist cool damit. Aber alle tragen ihren Teil bei.
Gab es Überlegungen, die Masken abzulegen?
Ja. Meine Idee war, nach drei Alben damit aufzuhören. Die anderen möchten es aber noch etwas hinziehen. Neben dem Look bringen die Masken uns auch ins Gespräch. Willst du wissen, wer sich darunter verbirgt, dann suchst du online. Das ist Gratis-PR, die dafür sorgt, dass mehr Leute von uns hören. Die drei wollen es noch etwas ausdehnen, also lasse ich sie gewähren. Wenn sie frei sein wollen, sind sie frei.
Mich hat live überzeugt, wie viel sie ausdrücken können, ohne dass man ihr Gesicht sieht.
Und ich glaube, das wäre ohne die Masken anders. Sie würden sich nicht so bewegen, nicht so mit dem Publikum interagieren. Mit den Masken nehmen sie andere Persönlichkeiten an und haben diese ohne mein Zutun geformt. Ich habe keine Ahnung, was sie tun, aber ich liebe es. Und mittlerweile mögen sie sie. Bei den ersten Masken waren wir planlos, sie konnten damit nicht trinken, sie konnten kaum atmen, sie haben sie so sehr gehasst! Mittlerweile sind sie voll drin und wollen sie behalten und das ist extrem cool.
Geht es auch darum, ihre Identität zu schützen, oder weiß die AVIANA-Familie, wer darunter ist?
Ja, die Crew, das Management, die Bands, mit denen wir touren – alle wissen, wer unter den Masken steckt. Sie tragen ja keine Skimasken, wenn sie die richtigen Masken nicht aufhaben. Sie sind einfach sie selbst. Es ist wirklich eher für die Show.
Bei welchem neuen Song freust du dich am meisten darauf, ihn auf der kommenden Tour zu spielen?
„Redroom“, weil es ein ruhigerer, persönlicher Song ist, in dem es um den Tod meiner Oma geht. Ihn zu spielen wäre cool. Aber um die Reaktionen des Publikums zu sehen: „Evermore“!
© by Fuze - Ausgabe #115 Dezember 2025 /Januar 2026 2025 und Olivia Zöllner
© by Fuze - Ausgabe #115 Dezember 2025 /Januar 2026 2025 und Olivia Zöllner