© by Impuls FilmBei Album Nummer 4 haben BAEST deutlich an ihrem Soundbild geschraubt. Klangen die ersten Scheiben der Dänen noch nach klassischem Death Metal, schwingt jetzt eine ordentliche Portion Classic Rock mit. Wir wollen von Gitarrist Svend Karlsson wissen, wie es zu dieser Veränderung kam.
Als euer neues Album das erste Mal lief, war sich sehr überrascht von der Ausrichtung.
Wir hatten einiges davon schon in die letzte EP „Justicia“ eingebaut. Da gibt es ein Riff, das irgendwie aus den 1980ern stammt. Als wir dieses Riff spielten, fanden es alle sehr lustig. Wie du sagst, es ist anders und eine Kombination, die wir noch nie gehört haben. Als wir mit dem Schreiben des Albums begannen, klang es nach Rock und Death Metal, wie es normalerweise der Fall war. Dann fingen Lasse, der andere Gitarrist, und ich an, mit diesen verschiedenen Riffs herumzuspielen. Es passierte ganz spontan; es gab keine Planung oder Absprache darüber, wie der Sound sein sollte. Wir haben einfach versucht, diese Riffs mit dem Death-Metal-Style zu kombinieren, und es hat funktioniert. Alle fanden es lustig und es klang gut. Wir haben ein bisschen länger gebraucht, um dieses Stück zu schreiben, weil wir die richtige Balance finden mussten. Wir haben viele Songs live gespielt, bevor wir sie aufgenommen haben, um zu sehen, wie es sich anfühlt und wie das Publikum reagieren würde. Wir mochten sie alle. Es macht mehr Spaß, „Meat hook massacre“ wirklich schnell zu spielen und dann zu „Misfortunate son“ zu wechseln, um ein anderes Gefühl zu bekommen. Es ist toll, die Einflüsse aus der Kindheit in die aktuelle Arbeit einfließen zu lassen. Man kann entweder eine Coverband sein oder sein eigenes Ding machen. Wir wollen Elemente von IRON MAIDEN, THIN LIZZY und JUDAS PRIEST in unseren Sound einbauen, weil wir sie lieben und es so viel Spaß macht, das zu spielen.
Aber waren diese Bands wirklich Teil eurer Kindheit? Habt ihr schon so früh angefangen mit klassischem Rock? Wir sind ungefähr gleich alt und in meiner Jugend lief eher Nu Metal.
Simon, unser Sänger, ist auch 36 Jahre alt und er hat mit neuem Metal, neuen Sachen angefangen. Lasse und unser Bassist Mattias hatten das Glück, viele ältere Jungs in ihrem Umfeld zu haben, die ihnen IRON MAIDEN, DIO und all diese Sachen vorspielten. Ich habe meine erste AC/DC-Platte mit sieben bekommen und fand sie mega. Dann kamen METALLICA und so weiter, ein bisschen LAMB OF GOD und dann ging es auf und ab, zurück zu den alten Sachen oder der Newschool. Wir sind ja irgendwie mit den Klassikern aufgewachsen und hören sie immer noch. Ich denke, dass auch viel Modernes in unser Songwriting eingeflossen ist. Wir sind alle große OPETH-Fans. OPETH sind ein echt breit gefächertes Projekt und wir mögen diese Vielfalt. Wir wollen in der Lage sein, jede Art von Stil in einen unserer Songs einzubringen und ihn trotzdem nach BAEST klingen zu lassen. Es geht darum, sich nicht an irgendwelche festen Regeln halten zu müssen. Ich finde gleichzeitig BLOODBATH gerade deswegen total super, weil die sich so strikt an die Regeln halten. Das ist etwas, was ich für uns aber nicht möchte. Denn ich möchte ein bisschen mehr Freiheit haben.
Nun hast du schon erwähnt, dass ihr einige Songs schon vorab live ausprobiert habt. Hattet ihr während des Prozesses auch Angst, dass die neue Ausrichtung nicht funktionieren könnte?
Ja, natürlich ist man immer unsicher, wenn man etwas ganz anderes macht. Aber wir waren uns da ziemlich einig: Wenn es allen gefällt, dann kommt es auf die Platte. Also mussten wir einfach arbeiten. Wir haben uns auch etwas mehr Zeit für die Arrangements und die Songs genommen. Ich denke, wir haben das Gefühl der Band und ihre Essenz wirklich eingefangen: extremer Metal und Hardrock zur gleichen Zeit. Das ist, was wir sind, dazu gibt es eine Menge progressiver Elemente in unserer Musik. Unser Schlagzeuger und ich mögen MASTODON und RUSH sehr, also versuchen wir, auch das mit einzubauen. Natürlich ist es immer aufregend. Ich glaube, ich achte am meisten darauf, wie die Platte aufgenommen wird. Die anderen Jungs waren ziemlich zuversichtlich, dass sie gut wird. Ich gebe aktuell viele Interviews und habe bisher keine negativen Reaktionen bekommen. Die Leute sind vor allem von den ersten Sekunden überrascht, aber ich denke, das ist gut so. Ich bin glücklich, dass wir etwas machen können, das die Leute überrascht. Das ist also eine gute Sache. Und dann muss ich einfach abwarten, wie die Leute reagieren. Bisher haben die Fans nicht negativ reagiert, auch wenn YouTube ein fieser Ort sein kann, ist es nicht allzu schlimm. Es wird immer jemanden geben, der es nicht mag.
Habt ihr euch im Songwriting irgendwie limitiert, um den neuen Stil umzusetzen?
Es ist oft ein einfacher Beat mit ein paar Gitarrenakkorden. Wir haben versucht, es möglichst simpel zu halten, aber jedes Mal wurde es am Ende doch schneller und komplexer. Ich glaube, wir spielen immer ziemlich schnell. Selbst wenn wir uns darauf geeinigt haben, es langsam angehen und das Stück wirklich atmen zu lassen, spielen wir es einfach schnell, weil es das ist, was wir tun — und es macht Spaß. Wir mussten uns nicht wirklich einschränken, aber manchmal mussten wir entscheiden, dass wir einen extra extremen Teil in einem Song nicht brauchen. Andererseits gibt es in „Misfortunate son“ einen Black-Metal-Refrain, in dem unser Gast von ORM extrem singt. So etwas wird immer seinen Weg in die Songs finden. Jedes Mal, wenn wir Hardrock spielen wollen, wird jemand vorschlagen, einen Blastbeat hinzuzufügen und zu schauen, wie das klingt. Das ist auch ein großer Part von uns: die extremen, gruseligen und unheimlichen Sachen. Ich glaube nicht, dass wir jemals versuchen werden, uns einzuschränken.
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