BEN QUAD

Foto© by Kam Coker

30 Jahre Geschichte

Reunions der alten Helden, Reddit-Foren voll von Fans: Bands wie AMERICAN FOOTBALL, MINERAL und Co. stehen bei Fans immer noch hoch im Kurs und der sogenannte Midwest-Emo der 1990er Jahre erfreut sich wieder großer Beliebtheit. Das inspiriert auch neue Bands. Eine davon sind BEN QUAD aus Oklahoma, die sich von einem Sound haben beeinflussen lassen, der älter ist als sie selbst. Mit Gitarrist Edgar sprechen wir über den Stand des Midwest-Emo im Jahr 2025.

Als jemand, der in den 1990ern aufgewachsen ist und in den letzten 30 Jahren viel Midwest-Emo gehört hat, interessiert mich, wie stark diese Bands von damals die heutige Szene und auch euch beeinflusst haben?

Dieser Einfluss lässt sich definitiv weit zurückverfolgen. Viele der größeren Bands, die die aktuelle Szene ausmachen, fanden ihre ersten Vorbilder in gewisser Weise im Emo-Revival der 2010er Jahre. Das waren Bands wie YOU BLEW IT!, MARIETTA, ALGERNON CADWALLADER, und diese wurden wiederum vom Emo aus den 1990ern inspiriert, zum Beispiel von AMERICAN FOOTBALL, BRAID und PENFOLD. Es ist cool, dass letztendlich alles aus derselben Quelle stammt. Der Emo der 1990er Jahre war für mich als Teenager, der es liebte, in obskuren Blogspots zu stöbern, besonders prägend. Auch heute noch hat er einen großen Einfluss auf das Schreiben unserer Songs.

Derzeit sehe ich junge Leute online über SUNNY DAY REAL ESTATE oder MINERAL sprechen. Was ist das Besondere an diesem Sound, dass er auch heute noch so viel Anklang findet? Was macht ihn so zeitlos?
Ich denke, seine Zeitlosigkeit beruht auf der speziellen Message. Bei dieser Art von Musik ging es immer darum, seine Emotionen auf eine verletzliche und ungeschönte Weise zu zeigen. Das ist zumindest der Hauptgrund, warum ich als Teenager angefangen habe, sie zu hören. Es war aufregend, eine Subkultur zu entdecken, die sich so authentisch und nachvollziehbar anfühlte. Wie du schon gesagt hast, ist es wirklich cool zu sehen, dass sich nun die nächste Generation für den Emo der 1990er begeistert. Ich glaube, es wird immer Leute geben, die sich an dieses Gefühl der Authentizität klammern.

Ich habe den Eindruck, dass dieser vom Midwest-Emo beeinflusste Sound in den USA und langsam auch in Europa ein Comeback erlebt. Siehst du das auch so? Wie aktiv ist die Szene dort, wo ihr herkommt?
Das finde ich auch definitiv. Es ist verrückt zu sehen, wie viele junge Leute heute Bands gründen, die sich unmittelbar an MINERAL oder SDRE orientieren. In gewisser Hinsicht scheint der Midwest-Emo größer zu sein als je zuvor. So viele ältere Bands gehen gerade auf Reunion-Tournee und zugleich schaffen auch viele jüngere Acts den Durchbruch. Unsere lokale Szene war noch ziemlich klein, als wir angefangen haben, aber seit der Ende de der Pandemie ist sie stark gewachsen. Es gibt jetzt eine ganze Reihe wirklich guter neuer Bands in Oklahoma, wie RED SUN, HONOR CHOIR, KING PINK, MORRIS VILLAGE oder ME TOO, THANKS, und die Kids kommen in immer größerer Zahl zu den Konzerten.

Ihr habt gesagt, dass ihr euch bei „Wisher“, eurem neuen Album, von diesen Emo-Einflüssen aus dem Mittleren Westen gelöst habt und dass etwa MOTION CITY SOUNDTRACK und THE ALL AMERICAN REJECTS ebenfalls eine Rolle spielten  –  beide gibt es schon seit Jahrzehnten. Was ist eurer Meinung nach das Besondere an diesen Bands von früher?
Mit diesem Album erweitern wir definitiv unseren Sound. Viele der Elemente, die wir hier verwenden, haben wir einfach schon als Kids geliebt. Abgesehen davon, dass sie Lokalmatadoren sind, sind ALL AMERICAN REJECTS wirklich solide Pop-Songwriter, und wir hatten schon lange die Idee, Synthesizer in unsere Musik zu integrieren. Ich denke, dieses Album ist eine große Liebeserklärung an alle Phasen des Emo. Speziell die großen, hymnischen Refrains und die eingängigen Strophen der dritten Welle waren eine große Inspiration für dieses Album.

Die Produktion von „Wisher“ war eure erste „richtige“ Studioerfahrung  –  wie seid ihr an die Aufnahmen herangegangen? Was habt ihr in dieser Zeit als Band gelernt?
Ja, es war das erste Mal, dass wir für längere Zeit in ein richtiges Studio gegangen sind. Wir haben im Grunde genommen drei Wochen lang abwechselnd in einem Studio auf einer Farm und einem direkt außerhalb von New York City verbracht. Wir waren sehr zuversichtlich, weil wir alle Instrumentalparts vorher als Demos aufgenommen hatten. Die meisten Gesangsparts sind erst im Studio entstanden, aber das war nie wirklich stressig. Es war sehr hilfreich für den Songwriting-Prozess, dass wir uns drei Wochen lang von der Außenwelt abschotten konnten. Das Wichtigste, das wir gelernt haben, war, einfach unserem Bauchgefühl zu folgen. Ich glaube, alle Schreibblockaden, die wir während der Aufnahmen hatten, kamen nur daher, dass wir Angst hatten, zu ehrlich oder verletzlich zu klingen. Aber als wir das Studio verließen, fühlten wir uns alle als Songwriter viel selbstbewusster.

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