BETWEEN BODIES

Foto© by Instagram.com/herr_steroe

Zwischen menschlich

Auf „Electric Sleep“, dem Debütalbum der deutsch-kanadischen Emo-Punk-Band, ist die Auseinandersetzung mit sehr persönlichen Begebenheiten zum Thema Tod ein zentrales Thema. Die Bandmitglieder Chris Schmidt und Benni Ricken erläutern die Hintergründe.

Kreativer Output wird nicht selten durch einschneidende Erfahrungen genährt. Chris hat so eine im Song „Stronger than me“ aufgegriffen. Als er Teenager war, fand seine Mutter heraus, dass sein Großvater noch ein weiteres Kind gezeugt hatte, zu dem dieser sich nie bekannte. Seine Mutter kämpfte fortan für eine Annäherung an ihre Halbschwester und wurde dafür vom Rest der Familie ausgestoßen. Der ihm nahestehende Großvater starb 2019, ohne seinerseits die Kraft gehabt zu haben, das Thema aufzuarbeiten. „Ich weiß, dass meine Mutter den Song schon hundertmal gehört hat und er krass wichtig für sie ist. Wir haben neulich in meiner Heimatstadt Paderborn gespielt, sie war auch da und ich hatte die Situation extrem unterschätzt. Als sie vor mir stand und wir das Stück spielten, sind mir die Tränen gekommen“, erzählt Chris. Sein Bandkollege Benni ergänzt: „Chris ist auch einer meiner engsten Freunde und ich bin froh, dass er einen Ort hat, wo er Dinge teilt und verarbeitet. Zumal die Texte für jeden etwas komplett anderes bedeuten. Ich schreie eine bestimmte Zeile auf der Bühne laut raus, weil ich damit eine eigene persönliche Erfahrung verbinde.“ Trotzdem liegt es Chris am Herzen zu betonen, dass für ihn der große Ausgleich oder heilende Charakter durch das Schreiben von Texten und Musik ein Mythos sei: „Nur die Kommunikation, der Feedbackraum ist die Ebene, in der etwas verarbeitet wird.“ Auch in seinem Fall sprach seine Mutter immer wieder bis ins kleinste Detail über den Sachverhalt.

Einen Bezug zum Thema Tod haben BETWEEN BODIES auch aus einem anderen Grund. Ein Teil der Gruppe hatte sich zu Schulzeiten über eine Kirchenband kennen gelernt, was mittlerweile mit Sarkasmus kommentiert wird. „Das bleibt immer Teil von unserem Leben, aber mit dem Erwachsenwerden haben wir eine starke Politisierung erfahren, ordnen uns alle als progressiv und links ein. Natürlich fällt auf, wie viele Dinge in der Kirche überhaupt nicht klargehen. Sicher gibt es auch gute Aspekte – meine Mutter ist Gemeindereferentin und macht soziale Arbeit. Die Institution als solche ist aber der letzte Scheiß“, so Chris. Benni betrachtet dieses religiöse Umfeld ebenfalls in einer emanzipierten Selbstreflexion: „In meinen frühen Zwanzigern hatte ich eine unfassbare Wut auf diese Institution. In den letzten Jahren hat sich eine angenehme Indifferenz eingestellt. Der Hass verfliegt und man beginnt das aus einer erwachseneren Perspektive zu sehen. Wie man Kunst oder eigenes Handeln betrachtet, verändert sich. Ich liebe an dieser Platte, dass wir die Themen Sterben und Tod so behandeln. Das ist etwas, womit ich sehr struggle. Durch das christliche Aufwachsen herrschte ein total schräges Verhältnis dazu.“