
Nach einer notwendigen Pause kehren THE BOBBY LEES mit „New Self“ zurück – einem Album, auf dem sie ihre rohe Energie bewahrt und zugleich eine neue innere Klarheit erlangt haben. Der Neustart wirkt wie eine Verdichtung dessen, was die Band aus Woodstock seit jeher ausmacht: kompromisslose Direktheit, emotionale Offenheit und ein ungebändigter Sound, der Garage, Rock’n’Roll und Punk miteinander verzahnt.
„Wir sind gerade an einem guten Punkt und freuen uns darauf, endlich unsere neuen Stücke zu spielen und auf der Bühne Dinge auszuprobieren, die wir noch nie zuvor gemacht haben“, erzählt Frontfrau Sam Quartin. „Es gibt viel Liebe innerhalb der Band, und wir akzeptieren einander dafür, wo wir heute stehen. Das ist es, was uns zusammenhält.“
Diese Haltung prägt das neue Album, das von Transformation und dem Loslassen alter Vorstellungen erzählt: „Als wir angefangen haben, hatten wir eine abstrakte Vorstellung davon, wie Erfolg aussehen könnte. Im Laufe der Jahre haben wir gelernt, nicht mehr auf irgendwelchen Mist von außen zu hören, und uns fast von all unseren Erwartungen verabschiedet. In Dankbarkeit voranzugehen, zu versuchen, sich auf das zu konzentrieren, was gut ist und funktioniert, und weiter dieser Richtung zu folgen, scheint ein besserer Ansatz zu sein.“ Ein entscheidender Wendepunkt war der Moment, in dem THE BOBBY LEES erkannten, dass ein Gefühl von Erschöpfung nicht gleich das Ende bedeuten muss. Eine Auszeit veränderte ihr Verständnis von Nachhaltigkeit und Kreativität: „Ich mag das Banksy-Graffiti, das sagt: ‚If you get tired, learn to rest, not to quit‘. Das haben wir während unserer Pause aus erster Hand gelernt. Wieder mit dem Schreiben zu beginnen, fühlte sich großartig an. Wir hatten diese ‚Fuck it!‘-Einstellung und eine Menge Spaß beim Ausprobieren neuer Sachen.“
Diese Offenheit führte zu einem Schreibprozess, der stärker vom Risiko als von Kontrolle geprägt war: „Ich habe gelernt, dass ich mich lebendiger fühle, wenn wir nicht auf Nummer sicher gehen“, sagt Sam. „Dieses Risiko einzugehen – wird das funktionieren oder total scheiße sein? –, das hielt es aufregend. Als wir aufgenommen haben, war ich im siebten Monat schwanger. Die erste Zeit habe ich Tag und Nacht im Bett gelegen und mich übergeben. Als das vorbei war, fühlte ich mich wie eine Kriegerin mit einem neuen Leben in mir. Vielleicht kam es daher?“ Die damit verbundene Intensität prägt auch die Live-Shows der Band, die für ihre Unberechenbarkeit bekannt ist: „Wir versuchen, nicht zu viel zu proben, damit es lebendig bleibt“, so die Frontfrau. „Ich bete immer, der Geist / die Kraft / Gott möge in meinen Körper fahren, und manchmal passiert es!“
© by Fuze - Ausgabe #118 Juni/Juli 2026 und Arne Kupetz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #164 Oktober/November 2022 und Thomas Kerpen
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© by Ox-Fanzine - Ausgabe #153 Dezember/Januar 2020 und Thomas Kerpen