BORN FROM PAIN

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Gut Ding will Weile haben

Richtige Arbeitstiere sind BORN FROM PAIN nicht. Zumindest was die Anzahl ihrer Veröffentlichungen angeht. In der fast 30-jährigen Geschichte brachten sie es insgesamt nur auf acht reguläre Alben und eine Handvoll kürzerer EPs. Die letzten Sachen, die die Band aus Heerlen in den Niederlanden veröffentlichte, waren das Album „True Love“ 2019 und die in der Corona-Zeit veröffentlichte Compilation „Live Forever“ (2021). Seitdem ist es recht still gewesen um die Niederländer, wenn man von den regelmäßigen Live-Shows einmal absieht. Hier zeigt sich der Fünfer recht häufig in Europa, vor kurzem kamen sie erst von einer Konzertreise aus England wieder zurück. Und zwar pünktlich zum Release des Songs „Siege mentality“, der Anfang Oktober als Vorbote für die gleichnamige EP auf die Welt losgelassen wurde. Zudem fand in der Heimatstadt wieder das Rise Or Die-Festival statt, das von Frontmann Rob Franssen seit einigen Jahren veranstaltet wird. Es gibt also genug Themen, über die man mit dem Sprachrohr von BORN FROM PAIN reden muss.

Rob, letztmalig trafen wir uns in Sneek bei der Show von MADBALL. Du bist ja seit Jahren ihr Tourmanager in Europa und kümmerst dich um alles, wenn die New Yorker hier unterwegs sind. Zudem spielt euer Bassist Pete bei ihnen Bass, wenn sie hier Konzerte geben. Außerdem ist er auch bei ZERO MENTALITY am Start. Die anderen Bandmitglieder sind ebenfalls anderweitig unterwegs. Dauert es deshalb immer so lange, bis ihr was Neues veröffentlicht?

Ein bisschen liegt es schon daran. Wir alle sind außerhalb der Band noch vielseitig unterwegs. Alle müssen arbeiten und ihr Leben am laufen halten. Da der Tag für jeden Menschen nur 24 Stunden hat, müssen Abstriche gemacht werden. Unser letzter Release liegt nun schon über vier Jahre zurück und das war noch nicht einmal neues Material. „Live Forever“ war unser Corona-Projekt mit Stücken, die entweder auf Samplern oder als Bonussongs erschienen sind. Danach mussten wir alle schauen, dass wir aus dem Tal, das Corona für einige von uns bedeutet hat, wieder rauskommen. Wir als Band haben erst mal nur Shows gespielt und kleinere Touren gemacht. Im letzten Jahr haben wir aber wieder verstärkt an neuen Stücken gearbeitet und sind auch zusammengekommen, um die einzelnen Songs fertigzustellen. Wir wollen ja Qualität abliefern und nicht jedes Jahr ein halbgares Album auf den Markt bringen.

Wie läuft denn der Prozess bei euch ab, um neue Stücke zu schreiben?
Wir haben uns einige Male hier in Heerlen getroffen, um die Tracks einzuspielen und an ihnen zu feilen. Jeder hat Songs oder Elemente davon mitgebracht und dann ging es los. Insgesamt hatten wir recht schnell zehn Titel fertig, die aber nicht alle das gleiche Potenzial besaßen. So war schnell klar, dass es diesmal eine EP werden wird, auf der die besten Stücke drauf sind. In Deutschland heißt es doch: Gut Ding will Weile haben. Wir haben keinen Druck, jetzt unbedingt ein neues Album veröffentlichen zu müssen. Über diesen Punkt sind wir mit BORN FROM PAIN lange hinaus.

Zwei Dinge sind mir sofort bei „Siege Mentality“ aufgefallen: Zum einen der brachiale Sound, mit dem die sieben Songs durch die Boxen jagen, und zum anderen das Gefühl, dass ihr diesmal noch eine Schippe mehr Metal in eure Musik eingebaut habt.
Meinst du? Ich habe in einigen Interviews zu hören bekommen, dass wir mehr Hardcore als sonst verarbeitet hätten, hahaha. Na, wer hat jetzt recht? Aber Metal war bei BORN FROM PAIN immer schon ein großes Thema. „Above the law“ könnte vom Riffing auch von englischen Metalbands stammen und auch bei dem ruhigen Anfang von „The last descent“ haben wir tief in die Metal-Kiste gegriffen. Aber die Hardcore-Fraktion kommt auch nicht zu kurz, denn „Confirmation bias“ knallt schon derb. Für die Produktion ist übrigens Tue Madsen verantwortlich. Er hat wieder seine heiligen Hände eingesetzt, um unseren Sound zu veredeln. Wir haben ja schon oft mit ihm zusammengearbeitet. Einer der wichtigsten Aspekte dabei ist der Klang des Schlagzeugs. Daher ist Max auch für einige Zeit zu Tue nach Dänemark gefahren, um mit ihm aufzunehmen. Die Drums sind Tues Steckenpferd, damit steht und fällt jede Produktion. Die Vocals habe ich hier in Heerlen aufgezeichnet, einfach um auch Druck rauszunehmen. Jeder, der schon mal als Sänger oder Sängerin etwas aufgenommen hat, weiß, dass sich die Stimme nicht jeden Tag gleich anhört. Ich wollte das beste Ergebnis und hier konnte ich einfach die ideale Tagesform einfangen. Stell dir vor, du bist beim Aufnehmen im Ausland zwei Tage krank und deine Stimme ist heiser. Das Ergebnis wird scheiße sein, da kann man es gleich lassen.

Ihr seid bekannt für heftige Live-Shows, bei denen es richtig abgeht. Was wird deiner Meinung nach der pittauglichste Song von „Siege Mentality“ sein? Zudem bleibt ihr euch treu, denn mit „Defiance“ startet das Album wieder mit einem Instrumentaltrack.
Ja, das stimmt. Bei den letzten beiden regulären Alben „Dance With The Devil“ und „True Love“ haben wir das auch schon gemacht. Das ist gut für mich als Sänger, da kann ich mich noch ausruhen, hahaha. Es ist doch richtig cool, wenn man so ein Intro auf der Platte hat, das als Vorspann für den Hauptteil dient. Da ist man als Hörer gleich ganz anders drauf und gespannt, wie es weitergeht. Direkt nach „Defiance“ geht es mit „Siege mentality“ direkt in die Vollen. Das wird sicherlich auch der Brecher auf den Konzerten werden, denke ich. Gleich der Anfang geht voll nach vorne und holt den Hörer direkt mit dem BORN FROM PAIN-Sound ab.

Definitiv. Mich hat er ein wenig an „Antitown“ vom letzten Album „True Love“ erinnert. In diesem Song geht es ja um eure Heimatstadt, die in der Vergangenheit viele Probleme hatte. Worum geht es auf „Siege Mentality“ inhaltlich?
Das habe ich schon öfter gehört, auch weil das Video zu „Siege mentality“ Ähnlichkeiten mit dem zu „Antitown“ aufweist. Auch diesmal haben wir unsere Wurzeln in den Mittelpunkt gestellt. Wir sind eine Band aus dem Süden der Niederlande, genauer aus der Provinz Limburg, eine Region, die in der Vergangenheit immer als ein „Schandfleck“ des Landes galt. In Ox #149 hatten wir ja schon ausführlich darüber gesprochen, dass mit dem Ende des Steinkohle-Tagebaus Anfang der 1990er hier ein sozialer und wirtschaftliche Niedergang einherging, mit dem die Region allein gelassen wurde. Keine niederländische Regierung, die seither im Amt war, hat Limburg jemals wirklich gefördert oder einen Ausgleich geschaffen. Letztendlich hat es die Region Limburg aber geschafft, viele dieser Schwierigkeiten selbst zu lösen, und sich dabei eine gewisse „Leck mich am Arsch“-Attitüde angeeignet. Gemäß dem Motto: Wenn uns keiner hilft, machen wir es eben selbst, dann brauchen wir auch keinem zu danken. Eine „siege mentality“ eben. Auch heute ist hier unten immer noch nicht alles eitel Sonnenschein, aber im Vergleich zu früher sind das Welten. Ich bin vor einigen Jahren auch wieder zurück nach Heerlen gezogen, weil ich es für meinen Sohn hier geeigneter finde als in Essen, wo ich lange gelebt habe. Das war vor 30 Jahren noch komplett anders, da war Heerlen so was wie der Vorhof zur Hölle. Aber mittlerweile hat sich unsere Antitown echt gemacht und ist eine sehr lebenswerte Stadt geworden.

Ja, das kann ich bestätigen. Im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal das Rise Or Die Festival besucht, das du organisierst. Vorher haben wir uns die ganzen Wandgemälde in der Stadt auf dem „Mural Walk“ angesehen. Das war schon beeindruckend, was da alles auf den Häuserwänden zu sehen war. Wie lief das Festival in diesem Jahr?
Total gut. Wir hatten dieses Mal am Samstag insgesamt drei Locations für die Bands: Das Nieuwe Nor, das Outpoet und das Café Bluff. Alles war fußläufig erreichbar und neben größeren Szenebands wie DO OR DIE, FIRST BLOOD, RISK IT! oder eben uns haben auch kleinere Kapellen wie COLD GRIP, BLOOD OF KINGS und PEACE OF MIND gespielt. Außerdem haben wir das Festival diesmal schon am Donnerstag gestartet. Da wurde in der Bibliothek eine Dokumentation über unsere lokale Hardcore-Szene, die MOC-Crew, gezeigt. Das war schon sehr bewegend.

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