
Im September veröffentlicht die Essener Band ihr Album „Angstapparat“ in Eigenregie. Wir sprechen mit der Band, über Songinhalte, aber auch über DIY und den Wunsch, seine Musik auf Vinyl zu veröffentlichen.
Zunächst eine Frage, die euch bestimmt noch nie jemand gestellt hat: Wieso BRAUNKOHLEBAGGER?
David: Ja, der Name ist echt bescheuert, das wissen wir auch – aber er bleibt hängen. Nach der ersten Probe waren wir was trinken, überall nur Baustellen, und wir haben die absurdesten Namen dazu gesammelt. Am Ende hieß unsere WhatsApp-Gruppe „Braunkohlebagger“, einfach zum Termine machen. Als es dann ernst wurde mit einem Bandnamen, hatte keiner Bock, sich was Neues auszudenken, und so ist es dabei geblieben.
Ihr macht alles, wenn ich das richtig verstanden habe, DIY, oder? Gibt es irgendwas, das ihr nicht selbst gemacht habt?
David: Mit Micha vom Rock Or Die Studio haben wir das Album aufgenommen, damit es noch professioneller und hochwertiger klingt als die EP, also „Abbruch“ von 2018. Schön ist natürlich, wenn Profis Aufnahme, Artwork und so weiter machen – das soll ja nach was klingen und aussehen. Noch besser aber, wenn diese Profis aus dem Freundes- oder Familienkreis kommen und man das Geld lieber ihnen gibt als irgendeiner Agentur oder einem Fremden.
Mir ist aufgefallen, dass eure Lyrics besonders tiefgründig wirken. Ist das auch der Grund, warum ihr auf Deutsch statt auf Englisch textet?
Daniel: Ich glaube, auf Englisch könnte ich es nicht so formulieren wie auf Deutsch. Deutsch ist meine Muttersprache, und mir ist wichtig, dass das, was ich sage, auch wirklich verstanden wird. Natürlich stellt sich dann die Frage: mache ich es konsequent auf Deutsch oder in einer anderen Sprache? Eine Mischform finde ich eher schräg.
Wo du es gerade erwähnst, in dem Song „Maskenball“ taucht ein mir unbekanntes Wort auf: „Weekah Tegalega“, was ist das?
Daniel: Der Song handelte, als ich angefangen habe, den Text zu schreiben, von Waschbären. Für einen Part, der noch gefüllt werden musste, wollte ich es ein bisschen mystisch halten und habe gegooglet: „Welche Motive gibt es in anderen Sprachen?“ Dabei stieß ich auf eine indigene Sprache, in der der Waschbär Weekah Tegalega heißt – grob übersetzt: „der Magische mit dem bemalten Gesicht“. Fand ich irgendwie schön, aber auch witzig.
Was würdet ihr der Jugend aus eurer Erfahrung raten, damit sie nicht so wird wie die Figuren in eurem Song „Erdbeben“?
Hendrick: Ich habe keine Kinder, aber Auszubildende. Denen habe ich mal erzählt, ich bin jetzt auf Tour am Wochenende, dann habe ich eine Woche später gesagt, ich fahre jetzt Graffiti sprühen. Da haben sie gesagt, boah, guck mal, ihr wart irgendwie so anders, als ihr jung wart. Ihr habt so was gemacht. Ich frage sie, was meinst du denn? Und sie: „Ja, ihr habt euch getroffen.“ Und sie meinte halt, sie selber und ihre Friends, die sind alle immer im Internet. Die chatten, die gucken dann Serien, die spielen. Für die ist der ganze Lebensraum irgendwie sehr beschränkt. Sie hat ihre frühe Jugend in der wilden Corona-Zeit verbracht, mit den ganzen Beschränkungen und zu Hause sein. Ich sehe es an mir selber, wie degeneriert ich bin, seitdem ich so viele Handys hier immer habe. Zack, eine Stunde vorbei, Doomscrolling, in der Zeit hätte ich Joggen, Puzzlen, was weiß ich machen können, noch einen Song schreiben, aber macht man nicht. Und dann guckt man sich Videos an, wie andere joggen und puzzlen. Warum fühlt man sich einsam? Geht raus, wirklich, bitte.
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