
Polit-Parolen? Ein Punk-Standard. Aber wenn kreativer Sabotage gehuldigt, zur Abschaffung des Neoliberalismus aufgerufen wird und man die TON STEINE SCHERBEN-Forderung „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ raushaut und die Musik dazu von einer schwedischen Swing-Band kommt, wird man hellhörig. Filip Bagewitz, Sänger und Songwriter der Band, erklärt uns, wie das alles kam.
Was ist die Verbindung zwischen Katzen und Dinosauriern ...?
Haha! Ich wünschte, es hätte eine tiefere Bedeutung ... Aber es sind einfach meine beiden Lieblingstiere. Abgesehen davon gibt es meines Wissens nach keine wirkliche Verbindung. Ich hatte mir den Namen CATS AND DINOSAURS schon vor längerer Zeit ausgedacht und im Hinterkopf behalten, weil ich fand, dass es ein großartiger Bandname ist. Schließlich ist es einer der schwierigsten Aspekte bei einer Bandgründung, einen guten Namen zu finden. Daher war ich sehr glücklich darüber, ihn zu haben. Ich denke, er passt irgendwie zu unserer Musik.
Um ehrlich zu sein, hatte ich bis zu diesem Album noch nie von eurer Band gehört. Bitte stell euch vor.
Wir sind ein linkes Swing-Kollektiv aus Göteborg, Schweden. Wir machen Musik, die im klassischen Jazz und Blues der 1920er Jahre verwurzelt ist, mit Inspirationen aus verschiedenen Stilen, aber vor allem aus dem Swing der 1930er und 1940er Jahre. Aber wir spielen nur unsere eigenen Songs mit politischen Texten und streuen oft etwas Punk und Free Jazz und andere zufällige Dinge, die wir mögen, darüber. Auf unseren ersten beiden Alben sangen wir nur auf Schwedisch, auf unserem dritten Album dann auf Englisch, und jetzt mischen wir ein bisschen. Manchmal singen wir auch auf Deutsch! Wir haben also Songs wie „Work less!“, „Male privilege“, „Sabotage“ und „International solidarity“, in denen wir aktuelle Themen aus sozialistischer und feministischer Perspektive kommentieren, oft mit viel Humor. 2014 hatten wir unseren ersten Auftritt, am schwedischen Wahltag. Dieses Jahr feiern wir also unser zehnjähriges Bandjubiläum! Außerdem erschien im Oktober unser fünftes Album, mit dem Titel „Sabotage“. Wie immer veröffentlichen wir es auf dem unabhängigen Plattenlabel Pacaya Records, das wir zusammen mit einem Kollektiv anderer Künstler betreiben.
Ich habe alle Finger benutzt und auf eurem Bandfoto bis neun gezählt. Ich nehme an, es ist einfacher, mit einem Duo auf Tour zu gehen – mit neun plus Fahrer passt man nicht einmal in einen normalen VW-Bus.
Ja, das verlangt eine Menge Logistik! Leider haben wir uns auch angewöhnt, ab und zu Kinder miteinander zu bekommen, was die Sache noch komplizierter macht ... Und dann müssen wir auch noch alle Instrumente und unseren revolutionären rollenden Merch-Shop in den Van packen. Wenn wir endlich bei der Location angekommen sind, erscheint das Spielen der Musik dagegen wie ein Kinderspiel.
Im Punkrock sind klare politische Texte üblich. Aber ihr habt euch für einen loungigen, jazzigen, swingenden Stil entschieden. Was waren die Gründe dafür?
Als wir die Band vor zehn Jahren gründeten, hatten wir eigentlich keinen konkreten Plan, es liegt einfach daran, dass wir diese Musik lieben. Zu dieser Zeit lebten Tove, unser Bassist, und David, der Klavier spielt, und ich zusammen in einer WG und wir fingen an, abends zum Spaß ein paar alte Jazz-Stücke zu spielen. Irgendwann begannen wir, eigene Stücke zu schreiben. Da wir alle politisch aktiv und interessiert waren, beeinflusste das natürlich die Texte. Wir waren zunächst überzeugt, dass niemand linken, feministischen Swing hören will, aber es stellte sich heraus, dass doch eine ganze Reihe Leute existieren, die sich schier danach sehnten. Jetzt sind wir stolz darauf, der größte Fisch im Teich zu sein, was linken, feministischen Swing angeht!
Kennst du noch andere politische Swing-Gruppen?
Die einzigen, die mir aktuell einfallen, sind SWING TARTURO, ein fantastisches Quartett aus Göteborg, das ebenfalls Original-Swing-Musik mit politischen Botschaften auf Schwedisch macht. Mein Lieblingslied ist „Öppna gränser“, das heißt „Öffnet die Grenzen“. Sie sind auch Freunde von uns, wir haben sogar ein gemeinsames Bandmitglied, denn unser Banjospieler ist ihr Bassist. Dann gibt es noch den sehr absurden Fall der CARLING BIG BAND, einem berühmten Swing-Orchester hier in Schweden, bei dem die meisten Mitglieder aus einer einzigen Familie stammen, und zwar über mehrere Generationen hinweg. Dahinter steckte ein Vater, der einigen seiner Kinder das Spielen von Swing und traditionellem Jazz beibrachte, um mit ihnen eine Big Band zu gründen. Später spielten da auch seine Enkelkinder. Er war aber auch ein bekannter Neonazi, eine Größe in der schwedischen Nazibewegung. Er vertrat natürlich die Ansicht, dass man Kunst und Politik trennen müsse, aus offensichtlichen Gründen ... Also nehmt euch vor ihnen in Acht! Ich weiß nur nicht, ob sie noch aktiv sind, denn vor ein paar Jahren gab es einen großen Skandal, als zwei der Carling-Brüder eine üble rassistische Kundgebung in ihrer Heimatstadt abhielten, was dazu führte, dass die Band von allen öffentlichen Auftritten in Schweden ausgeschlossen wurde.
Jazz und Swing sind im Kern ja durchaus politische Musikstile.
Ja, in der Geschichte des Jazz gibt es viele mehr oder weniger offensichtliche Beispiele für politische Künstler, und oft waren auch die neuen Jazzbewegungen von einem politischen Kampf geprägt. Am häufigsten natürlich im Zusammenhang mit der Bürgerrechtsbewegung. Einem modernen Zuhörer jedoch offenbart sich die politische Dimension bei älterem Jazz nicht immer unmittelbar. Swing war so was wie die Popmusik der 1930er und 1940er Jahre und in seiner Blütezeit größtenteils nicht offen politisch. Ein inspirierendes Beispiel ist definitiv einer der berühmtesten Musiker seiner Zeit, Duke Ellington. Er war politisch sehr engagiert, insbesondere im Black Nationalism Movement. Viele seiner musikalischen Innovationen wurden dadurch inspiriert, dass er daran arbeitete, eine afroamerikanische Kunstmusik zu schaffen. Große Wirkung hatte sicher auch das wunderschöne und kraftvolle „Strange fruit“ von Billie Holiday, ein Protestlied gegen Lynchjustiz, das bereits 1939 entstand. Und natürlich die Songs von Bessie Smith und Ma Rainey aus den 1920er Jahren! Das sind nur einige Beispiele, die mir in den Sinn kommen.
Vor was für einem Publikum spielt ihr?
Vor jedem, das uns haben will! Unser Publikum ist sehr unterschiedlich, es kann alles sein, von einer Swing-Tanzveranstaltung über einen normalen Musikclub, ein Jazzfestival, einen Protestmarsch oder eine politische Versammlung. Manchmal spielen wir sogar auf Hochzeiten. Wir hoffen aber immer, auf Menschen zu treffen, die sich bereitwillig von unserer radikalen Botschaft überzeugen lassen und uns dabei helfen, den Kapitalismus, das Patriarchat und die Vorherrschaft der Weißen ein für alle Mal zu zerstören. Aber da wir Swingmusik spielen, treten wir oft an Orten auf, wo nicht jeder mit unseren politischen Ansichten übereinstimmt. Natürlich gibt es auch viel Zuspruch, was unserer Meinung nach ebenfalls wichtig ist. Und wir lieben es, in Deutschland zu spielen, das Publikum ist immer großartig! Was ist nur mit euch los? Tun die euch was ins Wasser?
Wie reagieren die Leute, wenn sie merken, worüber ihr singt?
Wir haben schon alle möglichen Reaktionen erlebt. Meistens gute! Viele Leute lächeln und atmen erleichtert auf, weil sie endlich das Gefühl haben, dass eine Swing-Band sie sieht und hört. Und es gibt auch immer wieder Männer, die sich von unserer feministischen Haltung angegriffen fühlen, was wir natürlich toll finden. Wir wurden von einer Swing-Tanzorganisation mit einem Auftrittsverbot belegt und aufgebrachte Eltern haben einen Veranstalter dazu gebracht, einen Auftritt abzusagen. All das sind natürlich sehr stolze Momente für uns!
Der Opener eures Albums ist der Titeltrack „Sabotage“. Wie und wo könnte Sabotage heutzutage etwas Positives darstellen? Ich erinnere mich an das großartige Buch „Sabotage in the American Workplace: Anecdotes of Dissatisfaction, Mischief and Revenge“ mit witzigen und klugen Beispielen.
Klingt nach einem tollen Buch, das muss ich mir mal ansehen. Ich erwähne im Gegenzug ein anderes großartiges Buch, „Wie man eine Pipeline in die Luft jagt“ von dem marxistischen Klimaforscher und Aktivisten Andreas Malm. Das war nämlich die Hauptinspiration für den Song „Sabotage“. Es ist eine Art Manifest, in dem er argumentiert, dass das Ideal des Pazifismus bei der Klimabewegung nicht funktioniert hat und die einzige Chance, echte Veränderungen herbeizuführen, darin besteht, sich auf Sachbeschädigung zu verlegen, bevor es zu spät ist. Es ist eine fundierte Kritik an der in weiten Teilen der Klimabewegung verbreiteten Ansicht, dass prinzipiell gewaltfreier Widerstand letztlich der effektivste sei. Ich liebe dieses Buch und es hat mich extrem beeindruckt, als ich es zum ersten Mal gelesen habe. Sehr empfehlenswert! Mit „Sabotage“ habe ich versucht, das ganze Buch in einem einzigen Song zusammenfassen, der sowohl den Geist als auch die Botschaft vermittelt. Und er sollte witzig und eingängig sein. Ich hoffe, es gelingt uns damit, dem Begriff Sabotage einen positiven Twist zu geben. Die Idee zu diesem Lied kam mir, als ich das Buch gelesen hatte, aber es hat tatsächlich mehrere Jahre gedauert, bis ich es fertiggestellt habe, aber in dieser Zeit hat sich die Situation für den Umweltaktivismus meiner Meinung nach ziemlich verändert.
Auch in Deutschland wird hier recht hysterisch reagiert.
In ganz Europa gehen die Regierungen jetzt sehr hart gegen die Klimabewegung vor und bezeichnen selbst recht harmlose Protestmethoden wie das Blockieren einer Straße als „Sabotage“ und verhängen lange Haftstrafen. Soweit ich weiß, ist die Situation in Deutschland ein gutes Beispiel dafür, und in Schweden sehen wir das jetzt auch häufig. In dieser neuen Situation, in der die Rechten, die Regierungen und das fossile Kapital hart daran arbeiten, demokratische Proteste als „Sabotage“ darzustellen, kann es auch eine gute Sache sein, das für sich zu vereinnahmen: „Ihr könnt es Sabotage nennen, wenn ihr wollt, wir werden trotzdem weiter protestieren!“ Auf diese Weise bekommt das Lied für mich jetzt eine andere Bedeutung als die, an die ich beim Schreiben gedacht habe. Aber um deine Frage wirklich zu beantworten: Ich glaube nicht, dass wir bisher viel Sabotage gesehen haben, zumindest nicht die Art von Sachbeschädigung, die ich als Sabotage bezeichnen würde. Soweit ich weiß, hält die Klimabewegung immer noch weitgehend an dem vorherrschenden Ideal der Gewaltlosigkeit fest, aber es gibt einige Anzeichen dafür, dass sich dies ändern könnte. Begrüßenswert wäre Sabotage, die wirklich dem Geschäft des fossilen Kapitals schadet und nicht den normalen Menschen. Vielleicht durch das Sprengen von Pipelines. Oder das Stilllegen von Luxusyachten und Privatjets. Einfach Sand ins Getriebe der fossil betriebenen Maschinerie zu streuen. Natürlich ist es wichtig, dass keine Menschen zu Schaden kommen. Ich denke, das ist die Richtung, in die sich die Klimabewegung weiterentwickeln muss, insbesondere angesichts des Rechtsrucks auf der ganzen Welt und Regierungen, die das fossile Kapital eher unterstützen als den Klimawandel zu bekämpfen. Es ist klar, dass friedlicher Protest nicht schnell genug zu den Ergebnissen führt, die wir brauchen.
„Neoliberalism is dead“, verkündet ihr. Nun, wenn ihr das sagt ... In Argentinien beispielsweise wirkt der aber gerade ziemlich lebendig. Deine Erklärung?
Es dauert lange, bis große Dinge sterben! Das sind nur noch die letzten Zuckungen, hoffe ich zumindest ... Also diese Aussage ist vielleicht etwas gewagt, haha! Ich weiß nicht, ich bin davon selbst nicht vollends überzeugt, ich schwanke da noch ein bisschen hin und her. Aber wenn man einen Song schreibt, geht es ja nicht unbedingt darum, Fakten oder ein politisches Programm zu verkünden, sondern eher eine Idee oder ein Gefühl zu erforschen. Manchmal geht es vielleicht auch darum, dass etwas, das man sich wünscht, wahr wird, wenn man es nur laut ausspricht. Als ich das Lied schrieb, habe ich mich wirklich mit diesem globalen Wandel weg vom Neoliberalismus auseinandergesetzt, der damals in der Luft lag, als es so aussah, als würde die Corona-Pandemie dem Neoliberalismus in vielerlei Hinsicht den Todesstoß versetzen. Jetzt sieht die Lage meiner Meinung nach wieder etwas anders aus. Aber ich denke immer noch, dass es einen klaren Paradigmenwechsel gegeben hat. Die Ideen des Neoliberalismus sind immer noch sehr präsent, aber er hat nicht mehr den Status der einigen möglichen Wirtschaftsform, den er über mehrere Jahrzehnte innehatte. In Schweden heißt das „den enda vägens politik“, die Politik des einzigen Wegs, ich weiß nicht, ob es im Deutschen einen entsprechenden Ausdruck gibt. Die Idee, dass neoliberale Politik im Grunde genommen dem gesunden Menschenverstand entspricht und alles andere das Land wirtschaftlich in den Ruin treiben würde ...
Aber in Argentinien ...
Ich denke, die Tatsache, dass Argentiniens Präsidentin Milei jetzt als ein etwas seltsames Beispiel angesehen wird, spricht dafür. Oder die große Gegenreaktion auf den Versuch der kurzzeitigen britischen Premierministerin Liz Truss, eine aggressive neoliberale Agenda durchzusetzen, die damit endete, dass sie zurücktreten musste. Und ebenso haben der IWF und die EZB erklärt, dass die neoliberalen Sparpläne, zu deren Umsetzung sie die Länder gezwungen haben, nicht funktioniert haben und dass sie nun einen anderen Weg einschlagen werden. Ich habe eine gute Analyse des schwedischen linken Ökonomen Sandro Scocco gehört, dass viele der traditionellen konservativen politischen Parteien feststellen, dass sie die Wähler nicht mehr mit den Argumenten des Neoliberalismus von ihrer Agenda überzeugen können und dass dies ein Grund dafür ist, dass sie sich viel stärker einer konservativen und rassistischen Agenda zuwenden und mit den rechtsextremen und rassistischen Parteien gemeinsame Sache machen, von denen sie vor einem Jahr behaupteten, dass sie niemals mit ihnen zusammenarbeiten würden. Wie hier in Schweden, wo sich die traditionellen konservativen/liberalen Rechtsparteien jetzt mit unserer AfD-Entsprechung Sverigedemokraterna verbünden, einer rechtsextremen faschistischen Partei mit Wurzeln in der schwedischen Nazibewegung. Und die einzige schwedische Rechtspartei, die an ihren Idealen des Neoliberalismus und auch an ihrem Antirassismus festhält, die Centerpartiet, verliert schnell an Unterstützung. Um es zusammenzufassen: ich denke, der Neoliberalismus hat seine hegemoniale Position mit Sicherheit verloren, stattdessen erleben wir gerade ein starkes Anwachsen der extremen Rechten, des Nationalismus und des Konservatismus, insbesondere hier in Europa, so dass es im Moment vielleicht keine so großartige Entwicklung ist. Hoffentlich schaffen wir es als Linke, das irgendwie umzukehren. Aber natürlich müssen wir dafür sehr hart arbeiten. Manchmal ist es aber auch schön, sich zur Abwechslung auf das Positive zu konzentrieren, vielleicht einfach, um Energie für den Kampf zu sammeln, wenn schon nichts anderes, und deshalb hoffe ich, dass wir dieses Wohlfühl-Requiem eine Weile singen und auf dem Grab des Neoliberalismus tanzen können.
Wie bist du auf TON STEINE SCHERBEN und „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ gestoßen? Und warum habt ihr euch entschieden, dieses Lied mit dem originalen deutschen Text zu spielen?
Meine Freundin Lisa-Gwendolin Eichberger hat mir die Band vorgestellt. Sie ist eine großartige Sängerin und Songwriterin und lebt jetzt in Leipzig. Wir lernten uns kennen, als sie ein Austauschjahr an der Musikakademie hier in Göteborg absolvierte, wo auch ich studierte. Als sie mir eines Abends dieses Lied vorspielte, war ich natürlich sofort begeistert! Zunächst inspirierte es mich dazu, das Stück „Krossa det som krossar er!“ zu schreiben, von unserem zweiten Album „Kapitalismen är en dröm“. Für den Titel und den Refrain habe ich einfach „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ ins Schwedische übersetzt, neue Big-Band-Swing-Sounds geschrieben und noch ein paar Zeilen Text dazu. Für unser erstes englischsprachiges Album „The Shape Of Swing To Come“ haben wir eine englische Version verfasst, aber in Deutschland singen wir den Refrain natürlich immer auf Deutsch. Das macht immer viel Spaß, wenn das ganze Publikum den Refrain mitschreit. Also haben wir schließlich die ganzen Lyrics mit Hilfe von Lisa-Gwendolin ins Deutsche übersetzt.
Gab es schwedische Bands in dieser Zeit – Anfang der 1970er Jahre, vor dem Punk –, die ein ähnliches Programm hatten?
Ja, da gibt es eine Menge! In Schweden gab es in den frühen 1970ern eine ganze Bewegung, die wir heute meist „Progg“ für „progressive Musik“ nennen, damals auch bekannt als „musikrörelsen“, „die Musikbewegung“. Sie entstand aus den Studentenunruhen von 1968 und entwickelte sich zu einer ganzen Szene mit viel DIY-Spirit, natürlich vielen Bands, aber auch Festivals, Plattenfirmen, Magazinen, Vertrieb und allem, was dazugehört. Sie sangen alle auf Schwedisch und es gab viele Bands mit einer linken politischen Botschaft und Agenda. Als ich aufwuchs, hörte ich viel diese Musik. Künstler wie NATIONALTEATERN, HOOLA BANDOOLA BAND, NYNNINGEN, BLÅ TÅGET, Turid und Peps Persson bedeuten mir und den anderen in der Band bis heute sehr viel. Diese Musik war für uns also mit Sicherheit eine große Inspiration, als wir anfingen, politische Lieder auf Schwedisch zu schreiben, und oft sehen die Menschen in Schweden in uns eine Fortsetzung dieser Bewegung, worüber wir uns sehr freuen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller
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