
Polit-Parolen? Ein Punk-Standard. Aber wenn kreativer Sabotage gehuldigt, zur Abschaffung des Neoliberalismus aufgerufen wird und man die TON STEINE SCHERBEN-Forderung „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ raushaut und die Musik dazu von einer Swing-Band aus Schweden kommt, wird man hellhörig. CATS AND DINOSAURS sind schon seit zehn Jahren aktiv, stehen zu neunt auf der Bühne, mit Gitarre, Banjo, Geige, Klavier, Klarinette, Saxophon, Vibraphon, und spielen loungig-lässigen Swing und Jazz im Stil der 1920er bis 1940er Jahre. Auch wenn das kein sonst im Ox abgedecktes Genre ist, kennt man solche Sounds, die haben was von Kurparkpavillon und Cocktailstunde im Luxus-Resort – und dennoch aufgrund des Kontextes ihrer Entstehung einen politisch konnotierten gesellschaftlichen Hintergrund, man denke auch an die widerständige Swing-Jugend im Dritten Reich. Weiß man das, ist man gleich weniger verwirrt von Songs wie „Neoliberalism is dead“, „Heteronormativ“, „Sabotage“ und eben „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ – mit deutschem Text, wohingegen die anderen Stücke meist auf Englisch sind, aber auch mal auf Schwedisch. Rumpel-Politpunk mit herausgebölkten Parolen haben wir alle schon zur Genüge gehört, da wirkt dieser enorm zum Tanzen anregende Agit-Swing doch sehr erfrischend. Das wünscht man sich auf der Bühne der großen Festivals. Und mit THE ROYAL CROWN REVUE, CHERRY POPPIN’ DADDIES und anderen hat das in den späten 1990ern ja auch schon mal funktioniert mit dem Andocken von Swing an die Punk-Szene. Pink Vinyl.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller