
Die New-Wave/Indie-Band THE CHEFS wurde 1979 gegründet und hat seinerzeit zwar nur drei 7“-Singles und ein paar Sampler-Tracks veröffentlicht, war aber damals recht bekannt wegen ihrer John Peel-Sessions und Auftritten bei CND-Kundgebungen der Friedensbewegung. 1982 gaben sie ihre Auflösung bekannt. Wir sprachen mit Bassistin Helen „McCookerybook“ McCallum über die Doppel-LP „Records & Tea: The Best Of The Chefs And Lost Second Album“, die gerade auf Damaged Goods Records veröffentlicht wurde.
Wann und wo haben sich THE CHEFS gegründet und wie lange hat die Band zusammengespielt?
THE CHEFS sind 1979 in Brighton aus einer Band namens THE SMARTEES hervorgegangen. Wir alle hatten zuvor schon in anderen Punkbands gespielt und unsere Songs hatten immer noch diese Punk-Energie, aber klangen etwas poppiger. Ich spielte Bass und Carl Evans war einer der Gitarristen. Nachdem wir uns getrennt hatten, hätte ich nie gedacht, dass ich jemals wieder in einer Band spielen würde. Ich hatte auf der Kunsthochschule ein Buch mit dem Titel „The Handbook of Suburban Styles“ gestaltet, in dem ein geisterhaft tanzender Koch abgebildet war, der ein Lied namens „Food“ singt. Sein Name war Ken Wood, als Anspielung auf eine damals in Großbritannien beliebte Küchenmaschine namens Kenwood Chef. Eines Tages stand Carl vor meiner Tür. Er hatte Musik zu dem Lied „Food“ geschrieben. Wir hatten bereits „Sweetie“ und „Thrush“ aus dem THE SMARTEES-Set. Ich war etwas überrascht, dass er mich als Bassistin für gut genug hielt, um mit ihm in einer Band zu spielen. Unseren ersten Schlagzeuger Rod fanden wir dann nur ein paar Häuser weiter. Wir begannen sehr schnell mit Auftritten – drei Songs, drei Minuten. Das lokale Label Attrix veröffentlichte zwei unserer Titel auf dem Brighton-Sampler „Vaultage 79“ und später eine EP mit vier Tracks. 1981 brachten wir eine 7“ raus mit dem Song „24 hours“, den John Peel bei BBC Radio 1 permanent spielte, und unterschrieben bei Graduate Records. Wir standen unter großem Druck, hatten kein Geld für Hotels und bekamen den Stress durch das ständige Touren nicht in den Griff. Die ganze Herumfahrerei im Land, um dann nach Hause zu kommen und den ganzen Tag zu schlafen! Anfang 1982 trennten wir uns.
Eure erste Peel-Session habt ihr im Mai 1981 aufgenommen. Was sind deine Erinnerungen daran?
Es war total aufregend! Wir hatten einen Produzenten namens Mike Robinson, der sehr temperamentvoll war. Er ließ vor unseren Augen eine Reihe von Lautsprechern durchschmoren, indem er die Lautstärke am Mischpult ganz hochdrehte, nur weil er ein paar neue haben wollte! Wir waren von all dem schwer beeindruckt, aber er schien uns wirklich zu mögen und hat einen großartigen Sound hinbekommen. Er war ein begnadeter Produzent und konnte genau erkennen, wie wir klingen wollten.
Viele Leute werden sich für die Tracks des unveröffentlichten zweiten Albums interessieren. Wo und wann wurden sie aufgenommen?
Wir hatten Mike Robinson gebeten, sie in einem Studio namens Alvic im Westen Londons zu produzieren, nicht weit von dem berühmten Club Nashville entfernt, in dem auch viele Punkbands auftraten. Ich glaube, es war Anfang 1982.
Diese Bänder lagen jahrelang vergessen auf einem Dachboden. In welchem Zustand waren sie, als du sie wiederentdeckt hast? Was musstet ihr damit anstellen, um sie veröffentlichungsfähig zu machen?
Die Originalmaster waren ziemlich beschädigt. Carl betätigte sich als Toningenieur und versuchte, sie zu säubern, aber einige der Vocals waren fast unhörbar. Bevor sie auf das Album kommen konnten, wurden sie in den Yuba-Studios in Hull noch einmal komplett überarbeitet, wobei Lee Wunder vollbrachte. Ich besuchte ihn dort, als ich in der Nähe spielte, und wir kamen gemeinsam zu dem Schluss, dass die Gitarren großartig klingen würden, wenn die Drums etwas leiser wären, denn sie waren total von Hall überlagert. Jetzt klingen sie wirklich druckvoll, auf eine irgendwie perfekt unperfekte Art.
Gibt es bestimmte Auftritte von THE CHEFS, die für dich entweder besonders toll oder eine absolute Katastrophe waren?
Jede Menge! Wir spielten auf einer Tanzveranstaltung in Cambridge um zwei Uhr morgens und während wir darauf warteten, dass wir dran sind, saßen wir in dem sehr vornehmen Garten und beobachteten riesige Ratten, die im Dunkeln herumhuschten. Wir spielten öfter in Landwirtschaftsschulen und fuhren immer an den Schweineweiden vorbei, um dann bei unserer Ankunft mit großen Stapeln Schinkenbroten begrüßt zu werden. Die besten Auftritte? Wir hatten ein Engagement im Moonlight Club in West Hampstead, London, zusammen mit DOLLY MIXTURE. Die haben mir sehr gefallen. Es kam nicht oft vor, dass wir mit Bands spielten, die weibliche Mitglieder hatten, aber die waren wirklich lustig!
Du bist noch genauso aktiv wie früher und spielst überall im Land Gigs. Wie hast du es geschafft, deine Begeisterung für die Musik aufrechtzuerhalten?
Es gab ein 25-jährige Pause, in der ich meine Töchter großgezogen und gearbeitet habe. Ich hätte im Grunde nie gedacht, dass ich wieder Musik machen würde, schon gar nicht solo. Meine Gitarre lag buchstäblich unter meinem Bett und war völlig eingestaubt. Aber dann hat mich Jamie McDermott von der Band THE IRREPRESSIBLES gefragt, ob ich ein paar Songs mit ihm spielen möchte. Ich war erst super nervös! Ich hatte drei Songs, genau wie damals THE CHEFS. Aber als ich einmal angefangen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. Im letzten Vierteljahrhundert haben sich offensichtlich sehr viele Ideen angesammelt. Songs funktionieren wie Puzzles: Man hat eine Idee und muss sie einfach umsetzen. Wie soll es enden? Man muss sich selbst etwas vermitteln und dann muss man es anderen Menschen vermitteln. Außerdem macht das Gitarrenspielen süchtig. Man lernt nie aus. Wie könnte ich jetzt aufhören?!
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