CHUPACABRA

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Wuppertaler Dark Punk

„Moca Vampire“ ist nach zwei (ausverkauften) Kassettenreleases das erste richtige, auf Vinyl veröffentlichte Album der Wuppertaler Band CHUPACABRA, aufgenommen 2024. Auf deren Spur brachten mich einige ihrer Live-Auftritte, die mir jedes Mal gut gefallen haben, und ihr sehr eigener Sound. Deshalb traf ich mich Anfang April online mit Isa, Flo und Timo, um über ihre Musik und das Album „Moca Vampire“ zu sprechen.

Wie und wann habt ihr zueinander gefunden und was ist eure gemeinsame Vision?

Flo: Die Band gibt es jetzt seit 2017, glaube ich. Timo und ich kennen uns schon relativ lange, seit dem Teenageralter. Wir kommen beide aus dem Saarland und hatten da zusammen schon eine andere Band. Als es uns nach Wuppertal verschlagen hat, hatten wir einfach Bock, weiter Musik zu machen. Eric, unser Drummer, war noch dabei, und Tobi. Das war unser erster Gitarrist, der ist aber weggezogen und dafür ist Isa dazugekommen. Wir hatten Lust, mit CHUPACABRA mal in eine post-punkige Richtung zu gehen. Vorher haben wir eher so Hardcore-Punk-Sachen gemacht, Deutschpunk auch. Zu der Zeit haben wir viel HORROR VACUI und SECT gehört und darauf hatten wir Bock. So richtig Post-Punk ist es ja nicht geworden ...
Isa: Deswegen nennen wir es ja auch Dark-Punk.

Wir haben gerade schon darüber gesprochen, dass ihr einen sehr eigenen Stil habt, aber gibt es trotzdem musikalische Vorbilder?
Flo: Ich glaube, da bringt jeder mit, was man gerade so hört. Wir hatten Bock, so einen post-punkigen Sound reinzubringen, aber ich glaube, zum Teil war das einfach musikalisches Unvermögen, dass wir das nicht unbedingt so umsetzen konnten und dann was anderes daraus geworden ist.
Timo: Ich hatte vorher eine Hardcore-Band und als wir die gegründet haben, wollten wir eigentlich was in der Richtung machen wie jetzt bei CHUPACABRA, also Hardcore-Punk mit düsteren Einflüssen. Für mich ist es so, wie wir es machen, cooler. Ich hätte nicht so Bock auf eine klassische Post-Punk-Band.
Timo: Es war dann eher im Nachhinein überraschend, wenn man Bands gefunden hat, die auch in die Richtung gehen wie wir. Da gibt es ja in Kolumbien PRIMER REGIMEN und SECTA. Mittlerweile kommt ja auch dieser ganze Cold Oi! aus Frankreich, das ist auch härtere Musik mit Post-Punk-Einflüssen.

Würdet ihr euch als politische Band bezeichnen?
Flo: Ja, auf jeden Fall.
Timo: Neben den Texten, die ja hauptsächlich politische Themen behandeln, sind wir auch alle vier in auch verschiedenen politischen Initiativen und Gruppen aktiv.

Das ist euer erstes Album auf Vinyl, oder?
Isa: Ja, wir hatten einfach mal Bock, ein Album zu machen und auch ein paar gute Aufnahmen. Von den alten Liedern haben wir nur wenige genommen. Wir wollten einfach ein bisschen mehr daraus machen.
Timo: Die alten Tapes hatten wir bei uns im AZ produziert, zumindest zum Teil. „Moca Vampire“ haben wir jetzt richtig im Studio aufgenommen, gemastert und so. Das wollten wir dann auch auf Vinyl rausbringen.
Isa: Es war die Entscheidung: Noch ein drittes kleines Tape oder haut man jetzt mal richtig einen raus.
Flo: Für mich war das auch eine normale Entwicklung als Band. Die Aufnahmen haben wir selbst finanziert, die Platte kommt jetzt auf vier verschiedenen Labels raus, die übernehmen die Vinyl-Produktion.

Hat es lange gedauert, jemanden dafür zu finden?
Flo: Es ging. Das lief auch über persönliche Kontakte, das eine ist mein eigenes Label.
Timo: Es ging erstaunlich schnell. Das Master war fertig, dann haben wir rumgefragt, ob Labels darauf Bock haben. Ich hätte gedacht, es dauert länger.

Woher kommt der Name des Albums, „Moca Vampire“?
Timo: Chupacabra ist ja ein Fabelwesen. In der Anfangszeit wurde es auch Moca Vampire genannt, weil es auf der Insel Moca zum ersten Mal gesichtet worden sein soll. Der Begriff kommt auch in unserem Signature-Song vor.

Woher kommt dieser Lateinamerika-Bezug?
Flo: Ich muss sagen, mir hat die Aussprache gut gefallen, das Wort „Chupacabra“ hat schon einen Klang, der ein bisschen in die musikalische Richtung weist, die wir machen. Das war für mich ein ausschlaggebender Punkt.
Timo: Es hat auch was Düsteres und sieht in den meisten Darstellungen ein bisschen aggressiv aus, das passt eben gut zu unserer räudigen Musik.

Was macht ihr, wenn ihr gerade nicht Musik macht?
Flo: Wir sind alle hier im AZ aktiv, außerdem in dem Kneipenkollektiv Schmitz’ Katze, das wir während Corona gegründet haben. Ich arbeite bei Tacheles, setze mich da für die Rechte von Leuten ein, die wenig Geld haben. Ich betreibe außerdem ein Label mit angeschlossenem Mailorder namens Scum Culture, wir machen auch Siebdruck und so Geschichten. Und Isa und ich haben noch eine zweite Band, FREKK, da geht es wieder mehr in Richtung Hardcore-Punk.
Timo: Ich spiele bei CLØRIX, das ist antifaschistischer Oi!-Punk, und organisiere Veranstaltungen und Konzerte mit RASH Wuppertal. Ich mache Kickboxen und gebe im AZ Trainingsstunden. Das ist eigentlich schon ganz schon erfüllend für so eine Woche und dazu kommen noch die ganzen Plena, gerade was die Veranstaltungsorte angeht, und die Tresenschichten. Der Fokus liegt schon stark auf dieser Stadt, außer wenn wir Konzerte spielen, komme ich selten hier raus.
Isa: Da kann ich mich anschließen, bei mir liegt der Fokus noch stärker auf feministischen Themen. Ich habe im AZ eine Gruppe mit gegründet mit dem Ziel, die Sichtbarkeit von FLINTA* auf der Bühne zu erhöhen, also ausschließlich FLINTA*-Bands zu veranstalten, auch was die Technikmenschen betrifft. Auch in anderen Zusammenhängen organisiere ich mich feministisch.

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