© by QuintenQuist.ComBei der Band aus Michigan geht jedes neue Album auch immer mit einem gewissen Richtungswechsel einher. Nach dem detailliert ausgearbeiteten, selbst produzierten „Life In Your Glass World“ ließ man für „Calling The Dogs“ jemand anderen an die Regler und gönnte sich ein wenig Leichtigkeit. Bei „Halcyon Blues“ haben CITIZEN und speziell Sänger Mat Kerekes die Produktion nun wieder selbst in die Hand genommen. Nicht nur deshalb wirkt das Album persönlicher und wie eine Art Rückkehr. Auch das eigene Schicksal trieb die Band schon immer zu Großtaten an, wie Mat im Interview bestätigt.
Als wir über „Life in Your Glass World“ gesprochen haben, ging es darum, dass ihr einen neuen Groove gefunden habt. Das letzte Album „Calling The Dogs“ dagegen wirkte, als hättet ihr die Idee des direkten, eingängigen Rockalbums konsequent zu Ende gedacht.
Jede Band durchläuft verschiedene Phasen. Bei „Calling The Dogs“ haben wir uns gefragt: Wie würden wir klingen, wenn wir möglichst wenig doppeln würden, also wirklich nur wir als Band zusammen in einem Raum spielen. „Life In Your Glass World“ war sehr stark ausproduziert, dadurch entstand bei uns ganz automatisch der Wunsch, beim nächsten Mal genau das Gegenteil zu machen. Wir planen solche Dinge nie im Voraus, wir folgen einfach dem, wonach uns im jeweiligen Moment ist. Vor „Calling The Dogs“ ist Mason zur Band gekommen, er steht total auf Garage-Rock, auf diesen reduzierten, rohen Sound, und das hat auf uns alle abgefärbt. Das neue Album ist in gewisser Weise eine Rückkehr zum typischen CITIZEN-Style.
„Halcyon Blues“ wirkt auf den ersten Eindruck weniger gelöst, komplexer und vielleicht auch ernster als sein Vorgänger. Trotzdem würde ich aber nicht von einem „Back to the Roots“-Album sprechen.
Wahrscheinlich ist es das auch nicht. Wenn man Musik schreibt, wird man immer von dem beeinflusst, was man selbst gerade hört. Während der Arbeit an „Halcyon Blues“ gab es allerdings eine Phase, in der ich überhaupt keine Musik gehört habe, außer den Songs, an denen ich gerade gearbeitet habe. Deshalb fühlt es sich für mich wie das „typischste“ CITIZEN-Album überhaupt an, weil es praktisch keinen Einfluss von außen gab. Gleichzeitig habe ich in dieser Zeit einige sehr einschneidende Veränderungen in meinem Leben erlebt – und das waren keine kleinen Dinge. Deshalb wirkt das Album auf mich insgesamt weniger unbeschwert als die beiden vorherigen Platten. Wenn ich es zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Es macht weniger Spaß. Oder vielleicht besser: Es ist weniger leicht.
Ist es einfacher, an Solo-Material zu arbeiten oder an Songs für die Band?
Bei CITIZEN-Songs kann ich mich auf die Meinung von vier anderen Menschen stützen, deren Urteil ich sehr schätze. Wenn ich einen Song mitbringe und die anderen sagen, dass sie ihn nicht gut finden oder eine Idee haben, wie sie ihn besser machen können, dann ist das für mich etwas Positives. Es ist wie ein Sicherheitsnetz und gibt mir Bestätigung. Bei einem Solo-Song gibt es das alles nicht, da bin nur ich. Dann frage ich mich die ganze Zeit: Ist das gut? Ich weiß gar nicht, ob das gut ist ... Wenn man anfängt, alles zu zerdenken, dreht man irgendwann durch. Ich habe gelernt, dass es das Beste ist, einfach zu machen und nicht zu viel nachzudenken.
Obwohl du den positiven Einfluss durch andere lobst, habt ihr das neue Album doch wieder selbst produziert. Gibt es da nicht auch die Befürchtung, in einer Sackgasse zu landen?
Doch, absolut. Aber das ist noch einmal ein eigenes Kapitel. „Life In Your Glass World“ und „Halcyon Blues“ habe ich selbst aufgenommen. „Calling The Dogs“ haben wir dagegen mit Rob Schnapf gemacht. Wir lieben Rob, er ist unglaublich gut in dem, was er tut. Aber ich bin einfach ein Kontrollfreak. An diesem Punkt meines Lebens investiere ich so viel Zeit ins Schreiben und Produzieren der Songs, dass es mich wahnsinnig macht, wenn jemand anderes das Steuer übernimmt. Bei „Halcyon Blues“ wusste ich von Anfang an ganz genau, welche Atmosphäre das Album haben sollte und wie ich diese erzeugen kann. Deshalb hätte es für mich keinen Sinn ergeben, diesen Job jemand anderem zu überlassen.
War deine Vision als Sänger ebenso klar?
Nein, eigentlich müsste ich mich dieser Aufgabe viel intensiver widmen. Ich singe im Grunde nur, wenn wir auf Tour sind oder gerade ein Album aufnehmen. Diesmal habe ich mir allerdings vorgenommen, vor den Konzerten deutlich mehr zu proben und die Songs richtig durchzugehen. Bisher war es nämlich immer so: Wir veröffentlichen ein Album, gehen auf Tour und auf der Bühne singe ich diese Songs, abgesehen vom Studio, eigentlich zum ersten Mal. Irgendwann finde ich meinen Rhythmus, aber das ist natürlich nicht die richtige Herangehensweise.
Also ist dir das Singen im Grunde immer leichtgefallen?
Ja, ich denke schon. Generell fällt es mir bei Musik leicht, neue Dinge aufzugreifen. Ich bin sicher nicht der beste Musiker oder der beste Performer der Welt, aber ich habe ein gewisses Talent dafür, Dinge relativ schnell zu lernen und zumindest so gut hinzubekommen, dass sie funktionieren.
Wie ist das beim Schreiben von Texten? Entstehen sie ganz selbstverständlich zusammen mit der Musik?
Als ich angefangen habe, Songs zu schreiben, war ich mir bei jedem einzelnen Satz unglaublich unsicher. Wenn man ehrlich über sich selbst und seine Gefühle schreibt, gibt man schließlich viel von sich preis und macht sich verletzlich. Aber inzwischen sind wir schon so lange dabei, dass sich das Schreiben heute ganz natürlich anfühlt. Zudem habe ich den Eindruck, dass meine besten Texte oder Songs immer dann entstehen, wenn ich gerade durch eine schwierige oder komplizierte Zeit gehe. CITIZEN sind eine eher melancholische, traurige Band. Solche Lebensphasen bringen oft die Songs hervor, mit denen sich die Menschen am stärksten identifizieren können. Es sind die Songs, die etwas in einem auslösen. Wenn man seine Musik nutzt, um sich etwas von der Seele zu schreiben, spüren das die Leute. Und genau das ist es, wofür CITIZEN stehen.
© by - Ausgabe # und 10. Februar 2021
© by Fuze - Ausgabe #87 April/Mai 2021 und Christian Biehl
© by Fuze - Ausgabe #119 August/September 2026 und Christian Biehl
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #122 Oktober/November 2015 und Alex Schlage
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #135 Dezember/Januar 2017 und Sebastian Wahle
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #155 April/Mai 2021 und Sebastian Wahle
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #135 Dezember/Januar 2017 und Alex Schlage
© by Fuze - Ausgabe #102 Oktober/November 2023 und Christian Biehl
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #121 August/September 2015 und Alex Schlage
© by Fuze - Ausgabe #119 August/September 2026 und Christian Biehl
© by Fuze - Ausgabe #87 April/Mai 2021 und Christian Biehl
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #155 April/Mai 2021 und Sebastian Wahle
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #61 August/September 2005 und Ollie Fröhlich
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #110 Oktober/November 2013 und Alex Schlage