© by Nik HampshireWährend CODEFENDANTS aka Sam King, Ceschi Ramos (und Fat Mike) musikalisch einen Spagat zwischen Punkrock und Rap hinlegen, decken sie thematisch ein noch weiteres Feld ab. Wir sprechen mit den gut aufgelegten Hauptprotagonisten.
Ist es in Ordnung, Gebäude zu beschädigen oder sogar zu sprengen, solange dabei niemand verletzt wird?
Ceschi: Eine Weather Underground-Frage? Ich weiß nicht, wie effektiv so etwas wirklich ist. Aber am Ende reden wir immer noch darüber, oder? In diesem Sinne ist es Protest. Ich weiß nicht, ob irgendeine Form von Protest wirklich effektiv ist, aber es bleibt Protest. Ein Fenster einzuschlagen, verändert nichts unmittelbar, aber es zeigt, dass Menschen wütend sind. Ein Aufstand verändert vielleicht auch nicht direkt etwas, aber er zeigt den Mächtigen, dass die Menschen unter ihnen mit der Situation nicht zufrieden sind. Das ist zumindest der Kern davon. Was Weather Underground gemacht haben, war als revolutionäre Bewegung vielleicht nicht so effektiv, wie sie es sich erhofft hatten. Aber es hat sichtbar gemacht, dass es Menschen gab, die zutiefst unzufrieden damit waren, wie Macht funktioniert. Das ist meine Sicht darauf.
Sam: Ich denke immer noch: Wenn niemand verletzt wird, kann man Gebäude sprengen. Dann macht es halt. Am Ende werden diese Gebäude wieder aufgebaut. Fenster werden von Versicherungen ersetzt. Es sind Dinge, Mann. Nur Dinge. Entweder werden Gebäude zerstört und die Versicherungen verdienen trotzdem daran, oder sie geben die Kosten sowieso gleich an uns weiter. Ich zahle ohnehin schon einen riesigen Teil von allem, was ich verdiene, damit irgendwelche Bombendrohnen gebaut werden, die ich nicht mal selbst fliegen darf. Also: Scheiß drauf. Die sollen zahlen. Von mir aus können alle Gebäude einstürzen – außer mein Haus.
Lasst uns noch über „Ditch the party“ sprechen. Darin schießt ihr gegen alte Weggefährten. Was ist der Hintergrund dieses Songs?
Sam: Die Hintergrundgeschichte ist interessant. Ein Tipp an alle: Wenn ihr euch hinterhältig oder shady verhalten wollt, macht es nicht in der Nähe von Leuten mit Mikrofonen. Wenn du ein Betrüger sein willst, bewege dich im Schatten. Aber leg dich nicht mit Leuten an, auf die Scheinwerfer gerichtet sind. Sonst landest du vielleicht in einem Song. Als wir anfingen, wurden wir in eine Management- und Agentursituation hineingeworfen, ohne wirklich eine Wahl zu haben. Es hieß einfach: Das sind jetzt die Leute, die euch vertreten. Nach dem ersten Jahr fühlte es sich an, als wären das Blutegel. Sie nahmen und nahmen, behandelten uns wie einen Nebenjob, anstatt sich auf die Band und ihr Wachstum zu konzentrieren. Wir spielten zum Beispiel eine große Show im Forum in Los Angeles mit AVENGED SEVENFOLD. Das war eine riesige Sache mit vielen beweglichen Teilen – und es war teuer. Es verursachte für uns als Band mehr Kosten, diese Show zu spielen, als wir dafür an Gage bekamen. Management und Booking-Agentur nahmen aber trotzdem ihre 20 %. Wenn sie nicht wirklich auf deiner Seite sind, ist genau das das Problem. Diese Leute hatten die Show nicht besorgt und uns im Prozess kaum geholfen. Wir kamen beim ersten Arena-Show-Loadin fünf Minuten zu früh an und wurden direkt vom Stagemanager zusammengestaucht, weil wir dadurch Abläufe mit Gewerkschaftsarbeitern und Gabelstaplern durcheinandergebracht hatten. So was lernt man, klar. Aber wenn jemand 20 % nimmt – sogar von nichts –, dann sollte diese Person da sein und uns sagen: Kommt nicht fünf Minuten zu früh. Im Laufe des Jahres merkten wir, dass wir sehr großzügig Slots auf der NOFX-Tour und bei großen Shows bekommen hatten, aber Agenten, die nichts damit zu tun hatten, trotzdem 20% kassierten. Am Ende zahlten wir drauf. Ich spielte bei Festivals manchmal zweimal am Tag mit GET DEAD und CODEFENDANTS und kam trotzdem mit Schulden nach Hause. Also haben wir am Ende des Jahres alle gefeuert.
Ceschi: Als Fat Mike mir diesen Piano-Part schickte, dachte ich gleich: Okay, das wird ein Song darüber, alle zu feuern. Wir haben ihn quasi als Weihnachtssong rausgeschickt. Danach haben wir uns gesagt: Wir stellen niemanden mehr ein, der sich wie Familie anfühlt. Wir hatten ein Jahr lang im Grunde keinen Agenten.
Wir baten einen Freund, uns zu managen, bis wir eine Konstellation finden würden, die sich besser anfühlt. Jetzt haben wir die.
Sam: Wir haben ein großartiges Management-Team, Regime, und Phil hat extrem viel für uns getan. Phil ist ein wilder Typ. Er ist seit über einem Jahr nüchtern, worauf ich sehr stolz bin. Ich glaube, er hat seine frühere Liebe zu Rauschmitteln fast in eine Art Spielsucht verwandelt – nur dass er bei CODEFENDANTS die Würfel wirft und sagt: Ich setze auf diese Typen. Er sieht, was wir sehen. Er hilft uns enorm, auf Kurs zu bleiben, und sagt gleichzeitig: Ich will mit euch arbeiten, aber ich will euch an einen Punkt bringen, an dem ihr genug Geld verdient, damit ich mir keine Sorgen machen muss, ob Sam einen Golfwagen klaut.
Hast du Spaß daran, so einen Song zu schreiben, oder kommt das eher aus Wut?
Ceschi: Ich hatte sehr viel Spaß. Als ich die erste Strophe und den Refrain schrieb, saß ich auf dem Parkplatz einer Arztpraxis. Mike sagte immer wieder: „Schreib etwas zu diesem Piano-Beat.“ Ursprünglich war das ein sehr HipHop-lastiger Beat mit einem Piano-Riff zu einfachen Drums. Ich hatte einfach Spaß damit. So entstehen schnell Songs. Wir haben Spaß, probieren herum. Solche Momente sind selten, aber ja, es hat Spaß gemacht. Es fühlte sich an, als würde man einen Diss-Track schreiben.
Sam: Ich komme aus einem HipHop-Hintergrund. Ich war lange Underground-MC und habe als Teenager und in meinen Zwanzigern Beats in HipHop-Kollektiven gemacht. Bei manchen Songs wie „The Weathermen“ gibt es ein klares Thema, eine Richtung. Wir sagen aber nie, schreib genau darüber. Eher: das ist die Stimmung, das ist der Ursprung. Dann wissen wir, wie wir diesen Vibe aufnehmen. Ceschi und ich nennen so etwas „barring out“. Das bedeutet, einfach Bars zu schreiben. Es muss kein spezifisches Thema geben, außer vielleicht, wie gut du bist oder wie schlecht jemand anderes ist. Das ist die Essenz von HipHop. HipHop ist ein hartes Geschäft, weil es von Natur aus darum geht, wer der Beste ist, wer am frischesten ist, wer das Mikrofon am besten rockt. Niemand will dir helfen. Niemand sagt: Hier, iss etwas Linsensuppe und streichle meinen Hund Muffy. Es heißt eher: „Hau ab, ich bin besser als du!“ Aber darüber darf man sich nicht beschweren, das ist HipHop.
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© by Fuze - Ausgabe #119 August/September 2026 und Manuel Stein
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