CRYPTIC SHIFT

Foto© by Murry Deaves

Galaktische Narrative

Mit ihrem zweiten Album „Overspace & Super­time“ treibt die britische Band ihre interstellare Tech-Death-Expedition weiter voran. Wir sprechen mit Gitarrist Alexander und Schlagzeuger Ryan über textliche Hintergründe und hintergründige Geräusche.

Wenn man das Album hört und sich die Story und die Texte anschaut – treibt das Konzept die Musik an oder ist es eher umgekehrt?

Alexander: Eigentlich ein bisschen von beidem. Es gibt eine grobe Idee, wohin die Geschichte geht, während wir die Musik schreiben. Manche Lyrics entstehen schon parallel dazu, aber meistens geht es erst mal darum, die Musik so zu bauen, dass sie mit der Storystruktur fließt. Die meisten Texte entstehen dann eher gegen Ende des Prozesses. Manchmal schreiben wir aber auch ein Riff, das unerwartet kommt, und dann entsteht dadurch ein neuer Storyteil – oder eben umgekehrt.
Ryan: Ich würde noch ergänzen, dass das Riff auch mit der Energie oder Emotion einer Szene verbunden ist. Wenn das wie ein Film wäre, versuchen wir das musikalisch umzusetzen. Wenn es zum Beispiel eine Verfolgungsjagd wäre, dann wird es automatisch schneller – Thrash-Rhythmen oder schnelle Doublebass-Passagen. Manchmal ist ein Riff auch so gut, dass eine neue Szene geschrieben werden muss, wenn es eigentlich keine passende gibt, damit es verwendete werden kann.
Alexander: Das ist so eine zusätzliche Ebene beim Schreiben – neben Konzept, Texten und Musik geht es auch um die Gesamtenergie und den Fluss, als wären die Charaktere wirklich auf einer Reise.

Und wann kommen die Geräusche oder Soundeffekte ins Spiel? Es gibt ja nicht nur Musik und Lyrics, sondern auch Soundelemente, vor allem im letzten Track oder im Titelstück. Das sind Klänge, die nicht wie klassische Instrumente wirken.
Alexander: Ich wollte seit Jahren mehr mit Soundeffekten arbeiten, mit Gitarrenpedalen und solchen Dingen. Die Stelle im Titeltrack, von der du sprichst, ist die Szene, in der die Charaktere durch ein Portal reisen, um ein Edritch-artiges Wesen zu treffen. Diese Geräuschpassage soll diese bewusstseinsverändernde Erfahrung darstellen – das Durchqueren eines Portals in eine andere Dimension. Deshalb klingt das so extrem und ungewöhnlich. Wir haben so was schon bei SLIMELORD ausprobiert, aber bei CRYPTIC SHIFT wollten wir das stärker ausbauen.
Ryan: Ich glaube auch, dass Filmsoundtracks unbewusst eine Rolle spielen. Nicht dass wir aktiv Soundtracks hören würden, aber wenn man Filme sieht, prägt das einen natürlich. Klassiker wie die Sachen von John Williams kennt jeder. Kennst du die japanische Band MONO? Die sind zwar instrumental und eher dynamisch und atmosphärisch, aber live hat das etwas von dem, was wir mit unseren Soundparts erreichen wollen – nur eben bei uns viel extremer, mit Feedback und kaputten Pedalen statt schöner Atmosphäre.

Wenn euer Album ein Computerspiel wäre – wäre es eher wie „No Man’s Sky“ oder eher wie „Mass Effect“?
Alexander: „Mass Effect“, definitiv. Das hat mich sehr beeinflusst. Vielleicht sogar wie ein altes Game aus der GameCube-Ära oder ein Side-Scroller.
Ryan: Ich mache immer den Witz, dass Xander mir von der Story erzählt und ich nur denke: Das ist aber viel Laufen. Es wäre also viel Dialog, viele Begegnungen, ständig Leute, die im Weg stehen.

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