DEFIANCE

Foto© by Alina Stoll

Im Fokus

Mit „Blossom“ veröffentlicht die Stuttgarter Band DEFIANCE dieser Tage ihre erste EP. Über deren Entstehung und den Hintergrund der Band sprechen wir mit Sängerin Sabrina.

Könnt ihr uns bitte die Gründung und den Weg zur ersten EP skizzieren?

Ende 2023 hatten Marlene, unsere Bassistin, und ich die Idee, eine Hardcore-Band zu gründen. Auf der Suche nach einer Besetzung für die Gitarre haben wir Robin angesprochen, mit dem ich bereits befreundet war. Zu guter Letzt haben wir Daniel als Drummer gefunden und waren damit Anfang 2024 komplett. Die ersten Songs waren relativ schnell geschrieben. Da Marlene und ich im Gegensatz zu den anderen beiden noch gar keine Banderfahrung hatten, mussten wir uns erst einmal reinfinden. Es wurde viel geprobt und Zeit gemeinsam im Proberaum verbracht. Im Frühjahr und Sommer 2024 haben wir die ersten Tracks eigenständig in unserem Homestudio aufgenommen und auch die ersten Shows gespielt. Unser Plan war eigentlich, erst ein Demo herauszubringen, jedoch haben sich das Aufnehmen und die generelle Fertigstellung verzögert. Als wir dann den Labeldeal mit BDHW unterschrieben hatten, haben wir uns darauf geeinigt, dass wir doch direkt eine EP releasen. Im Zeitraum zwischen den Aufnahmen und dem Release durften wir einige echt coole Konzerte spielen, wofür wir sehr dankbar sind.

Was ist das Ziel der Band, die Idee dahinter?
Ziel ist es unter anderem zu zeigen, dass auch FLINTA*-Personen ein Platz in der Szene zusteht. Das gilt nicht für alle und jede:n, aber laut unseren Erfahrungen tun sich gerade FLINTA*-Personen schwer damit, den Mut aufzubringen, um zum Beispiel auf die Bühne zu gehen. Wir möchten mit unserer Musik auch Themen ansprechen, die uns beschäftigen, wie die Ungerechtigkeiten in der herrschenden patriarchalen Struktur oder Diskriminierung jeglicher Art. Auch unser Liebe zur Musik ist ein wichtiger Punkt in der Band. Neues auszuprobieren, zusammen Songs schreiben und sie auf der Bühne zu performen.

Was sind eure Einflüsse? Teilt ihr alle dieselbe Vorstellung, wie DEFIANCE klingen sollen, oder existieren manchmal unterschiedliche Meinungen dazu?
Beim Schreiben unserer Songs folgen wir unserer Vorliebe für amerikanischen Hardcore und Punk. Wie versuchen dabei, definierenden Strukturen zu bewahren und diesen unsere eigene Marke zu verpassen. Das kann gerne mal rotzig schnell, aber auch ein harter Breakdown sein – Abwechslung und Dynamik spielen hier eine große Rolle. Wir haben musikalisch von Beginn an dieselbe Vision gehabt, wo es hingehen soll, und arbeiten auch stets gemeinsam unsere Songgerüste aus, da so für uns die besten Ergebnisse entstehen.

Ihr arbeitet aus meiner Sicht kaum mit eingängigen Melodien oder gar Soli. Eine gewisse Eingängigkeit ist durch die griffigen Strukturen gegeben. Ist diese Art von Songwriting beabsichtigt?
In unserer Musik geht es darum, durch Riffs und Rhythmen Eingängigkeit zu erzeugen. Wir haben Melodielinien und Soli bewusst zurückgefahren und konzentrieren uns auf die rohe Energie, die im Hardcore im Mittelpunkt steht. Ein paar Experimente wollen wir aber in Zukunft nichtsdestotrotz wagen und uns ausprobieren. Zum Beispiel durch Clean Vocals, Leadparts oder atypische Rhythmen.

Bei euch ist ein starker Fokus auf direkte, klare Aussagen bemerkbar, die selten bis kaum in Metaphern verpackt werden. Ist das nur der Stil dieser EP oder ist diese Direktheit ein Kern euerer Musik?
Mit unserer ersten EP wollten wir auf jeden Fall einen klaren Standpunkt vermitteln. Deshalb war es auch beabsichtigt, teilweise sehr direkt zu sein. Wir denken, dass wir das auch beibehalten werden, aber im Schreibstil zukünftig auch etwas mehr ausprobieren werden.

Warum benötigt es heute genau diese Botschaften in diesem Gewand?
Wir sind mit unserer Gesellschaft noch lange nicht da, wo wir sein sollten. FLINTA*-Personen erfahren keine Gleichberechtigung und werden immer noch aufgrund patriarchaler Strukturen unterdrückt und objektifiziert. Dazu kommt, dass die rechte Bewegung immer lauter wird und sich offen gegen queere Lebensformen und Feminismus positioniert. Gerade jetzt ist es wichtig, laut und direkt zu sein.

Anzeige