© by Hadarix PicturesDie Band aus Aschaffenburg ist auf der Überholspur, bereits das Debütalbum konnte mit Streamingzahlen von mehreren Millionen aufwarten, im Februar und März touren ENEMY INSIDE durch Dänemark, Finnland, Tschechien, die Schweiz, Deutschland, Polen, die Niederlande und Finnland. Ende Februar erscheint das neue Album „Venom“ und wir sprechen mit Sängerin Nastassja Giulia über ihren Erfolg und den Hate, der scheinbar irgendwie dazugehört.
Ihr steht kurz vor der Veröffentlichung eures dritten Albums und insgesamt war euer Weg ziemlich erfolgreich. Was, denkst du, hat euch diesen guten Start beschert?
Harte Arbeit! Haha. Aber im Ernst: Wir haben wirklich unglaublich viel Zeit und Leidenschaft in ENEMY INSIDE gesteckt. Für uns ist die Band wie unser Baby und wir behandeln sie entsprechend. Das betrifft nicht nur die Musik, sondern jedes Detail – vom Konzept über die Videos bis hin zum gesamten kreativen Prozess. Bislang haben wir fast alles selbst gemacht, weil wir sicherstellen wollten, dass es authentisch bleibt und unsere Vision widerspiegelt. Erst jetzt, mit diesem Album, fangen wir langsam an, auch mal Aufgaben abzugeben. Ich glaube, geholfen hat uns außerdem, dass unsere Musik nicht nur Metal- und Rockfans anspricht, sondern auch ein breiteres Publikum. Sie ist emotional, kraftvoll und trotzdem zugänglich. Diese Kombination, gepaart mit unserer Leidenschaft und unserem Herzblut, hat uns einen guten Start ermöglicht.
Auf der anderen Seite habt ihr aber wohl auch genug Hate abbekommen, was euch zu dem Song „Sayonara“ bewegt hat. Muss man mit diesen doch sehr unterschiedlichen Reaktionen rechnen, wenn man sich als Band durchsetzen will?
Ja, definitiv. Mit Hate musst du als Band immer rechnen. Es ist einfach so, dass du niemals allen gefallen kannst – und das musst auch gar nicht sein. „Sayonara“ ist unsere humorvolle Antwort darauf. Der Song sagt im Grunde: Wenn dir nicht gefällt, was wir machen, dann ist das völlig okay. Es gibt tausend andere Bands, die du dir anhören kannst. Niemand wird gezwungen, uns oder irgendeine andere Band zu hören – Musik ist Geschmackssache, und das ist ja das Schöne daran. Am Ende des Tages gilt: Je bekannter du wirst, desto mehr wirst du auch polarisieren. Umso mehr Leute dich lieben, desto mehr gibt es auch, die dich hassen. Damit muss man einfach rechnen, und das sollte man nicht zu nah an sich ranlassen. Viel wichtiger ist, sich auf die positiven Reaktionen zu konzentrieren und daran zu wachsen.
Ihr habt aber auch negative Reaktionen darauf bekommen, dass ihr mit dir eine Sängerin in der Band habt – ich muss sagen, dass ich das 2025 eigentlich nicht mehr erwartet habe, wenn man bedenkt, wie erfolgreich auch Bands wie SPIRITBOX oder JINJER sind. Wie sind da deine Erfahrungen? Wird eine Frau da immer noch anders behandelt?
Ja, es ist wahr, dass es immer mehr erfolgreiche Bands mit Frontfrauen gibt und dieses Phänomen langsam nachlässt. Aber die Erfahrung zeigt, dass du als Frau in der Szene trotzdem noch auf Vorurteile stößt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Diskussion um die Sängerin, die bei LINKIN PARK eingestiegen ist, Emily Armstrong. Da gab es enorm viel Hate – und der drehte sich oft gar nicht um ihre Stimme oder ihre Fähigkeiten, sondern nur darum, dass sie eine Frau ist. Das zeigt, dass diese Denkmuster leider immer noch existieren.Wir haben diese Art von Reaktionen auch schon erlebt. Klar, nicht jeder denkt so, und man sollte nicht alle in einen Topf werfen, aber solche Vorurteile sind einfach noch präsent. Ein Kommentar, den wir öfter gelesen haben, lautet schlicht: „Ich mag keine Bands, in denen eine Frau singt.“ Ob das jetzt eine Geschmacksfrage ist oder doch von Vorurteilen geprägt, kann jeder für sich selbst entscheiden. Für uns ist es auf jeden Fall schade, dass solche Aussagen noch existieren, denn es zeigt, dass wir von echter Gleichberechtigung in der Musikszene noch ein Stück entfernt sind. Aber wir hoffen, dass sich das mit der Zeit weiter ändern wird.
Auf „Venom“ gibt es viele Einflüsse zu hören – würdest du sagen, dass ihr insgesamt mutiger geworden seid, mehr und breitere Einflüsse zuzulassen?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben uns schon immer bemüht, uns nicht limitieren zu lassen, aber bei „Venom“ waren wir besonders frei, was die Genre-Fluidität angeht. Wir haben Elemente aus HipHop, Pop und elektronischer Musik mit eingebaut – einfach all die Dinge, die uns als Musiker und Menschen inspirieren. Dabei haben wir uns von der Musik selbst leiten lassen und darauf geachtet, was sich für uns richtig anfühlt, statt uns an den Klischees der Rock- und Metal-Welt zu orientieren oder zu versuchen, irgendwem zu gefallen.Für uns war es wichtig, mit diesem Album primär uns selbst glücklich zu machen. Klar, wir machen Musik für unsere Fans, aber wenn du Musik machst, die du selbst nicht fühlst, kannst du sie niemals authentisch rüberbringen. Und uns war es sehr wichtig, dass wir möglichst authentisch bleiben und diese Authentizität auch in der Musik vermitteln.
Mit Zak Tell, Mirza Radonjica und Davey Suicide sind auch drei prominente Gäste auf dem Album vertreten. Magst du uns kurz erzählen, wie eure Verbindung zu den Musikern ist und was sie deiner Meinung nach zu euren Songs beitragen?
Ja, auf dem Album haben wir drei tolle Gastauftritte. Erst mal Zak Tell von CLAWFINGER – wir haben 2022 CLAWFINGER unterstützt und sind da echt gut miteinander klargekommen. Später haben wir uns noch mal auf der Full Metal Cruise getroffen und den Kontakt gehalten. Als wir „Fuck that party“ geschrieben haben, wussten wir sofort, dass wir einen Rap-Part wollten und dachten direkt an Zak. Wir haben ihn gefragt, er war sofort dabei. Dann haben wir noch Davey Suicide bei „I’d rather be dead“. Ich habe seine Musik immer gemocht und dachte, seine Stimme passt perfekt zu dem Song. Der Kontakt zu ihm kam dann durch einen Fan zustande, der sowohl uns als auch Davey Suicide kannte. Dieser Fan hat dann die Verbindung hergestellt und Davey war auch sofort an Bord. Und dann gibt’s noch Mirza Radonjica von SIAMESE. Evan hatte die Band auf Spotify gehört und meinte, dass Mirza gut zu einem unserer Songs passen würde. Ich fand seine Stimme auch super, also haben wir ihn einfach gefragt, und auch er war sofort am Start. Jeder von den Jungs bringt was Eigenes mit in die Songs, und das macht das Album einfach noch ein Stück spezieller.
© by Fuze - Ausgabe #110 Februar/März 2025 und
© by Fuze - Ausgabe #110 Februar/März 2025 und Sebastian Koll