EVA UNDER FIRE

Foto© by Travis Shinn

Breakdowns for mental health

Amanda, Sängerin der Band aus Detroit, Michigan, ist im „echten Leben“ Psychotherapeutin. In unserem Gespräch stellen wir die These auf, dass Breakdowns gut für die Gesundheit sind. Das ist vielleicht nicht klinisch belegt, klingt aber durchaus plausibel.

Amanda, du arbeitest als Therapeutin, stimmt das? Was genau ist dein Beruf?

Ich bin Psychologin und Psychotherapeutin mit Master-Abschluss. Ich betreue Klienten über eine Privatpraxis und via Telemedizin, was jetzt möglich ist. Ich hatte diese wirklich tolle Idee, als ich jung war, mit 18, frisch aus der Highschool. Ich dachte mir: Ich möchte einen Karriereweg einschlagen, der wirklich bedeutsam ist. Ich möchte etwas Sinnvolles tun, das sich mit der menschlichen Erfahrung auseinandersetzt, denn das Leben da draußen ist eine wilde Fahrt – also, wie kann ich das richtig angehen? Und ich dachte, ich könnte was mit Therapie machen oder mit Musik. Also werde ich am besten beides verfolgen und sehen, was dabei herauskommt. Und dann hat das Universum mir zugelacht, weil ich beides bekommen habe. Und hier sind wir nun!

Wie empfindest du es, dass diese beiden Berufe, die du ausübst, zusammenwirken?
Ja, das ist eine tolle Frage. Und sie hat tatsächlich viel mit unserem neuen Album „Villainous“ zu tun. Beim ersten Album hatte ich gerade meinen Master-Abschluss gemacht und im selben Jahr einen Plattenvertrag bekommen, was total verrückt war. Für viele Fans der Band bin ich Eva, wie im Bandnamen. Mein Name ist Amanda, aber ich empfand es als Ehre, dass die Fans mich damit identifizieren. Es war ein Teil von mir, aber es war nicht alles von mir. Und ich dachte lange Zeit, dass ich das aus ethischen Gründen getrennt halten müsste. Aber es gab viel mehr Überschneidungen, als ich jemals erwartet hätte. Ich fing an, Kolumnen für Loudwire über Themen rund um die psychische Gesundheit zu schreiben. Das ist viel mehr etwas Verbindendes als etwas, das getrennt gehalten werden muss. Auf „Villainous“ gibt es einen Song namens „My own name“ und der handelt von der Verschmelzung all dieser Teile meiner selbst. Das ist ein ganz wesentlicher Teil meiner Reise der Selbstfindung. Und ich denke, ich wünsche mir für die Hörer, dass sie dieses Album als ihre eigene Selbstfindungsreise erleben. Es gibt so viel weniger Ängste, wenn man einfach die ganze Zeit ganz man selbst sein kann. Man muss nichts voneinander trennen.

In den letzten Jahren werden Fragen der Mental Health immer weniger als Tabu empfunden. Andererseits habe ich aber das Gefühl, dass das nur auf einen kleinen Kreis zutrifft. Es sind vor allem die Bands und Musiker, die das tun. Sie haben eine Plattform, über die sie die Menschen erreichen, aber in der Gesellschaft als Ganzes ist das immer noch mit einem Stigma behaftet. Würdest du dem zustimmen, oder wie siehst du das?
Ja, das beobachte ich auch oft. Ich denke, wir sprechen hier natürlich von unterschiedlichen Branchen. Im Unternehmensvertrieb oder in anderen Berufsfeldern ist es nicht so üblich, darüber zu reden. Deshalb schätze ich es sehr, in zwei unterschiedlichen beruflichen Feldern zu agieren, in denen ich diese Dinge diskutieren kann und mich dabei sehr sicher und wohl fühle. Aber ja, mir ist klar, dass das noch nicht überall so ist, was bedauerlich ist. Aber das ist auch der Grund, warum ich Texte darüber ins Mikrofon schreie.

Du sagst, dass das in der Musikszene, besonders im Rock, zu einem großen Thema geworden ist.
Ich glaube, das war der Grund, warum mich New Metal ursprünglich so angezogen hat. Weißt du, ich kam gerade in die Musikszene, als „Hybrid Theory“ von LINKIN PARK herauskam. Und es gab viele andere Bands, die anfingen, ehrlich darüber zu sprechen – wütend und aggressiv darüber zu sprechen, wie sie sich fühlten, in ihrer Musik. Ich finde, die 1980er waren toll, aber es war viel mehr Partymusik. Es war viel mehr so wie, na ja,„Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ das war sozusagen die Ära meiner Eltern. Und deshalb habe ich unser erstes Album „Love, Drugs & Misery“ genannt, weil es sich so anfühlte, als entspräche das eher der Generation, die danach kam. Ich habe also wirklich das Gefühl, dass es speziell in der Rockmusik einen Wandel gab. Und jetzt erlebt der New Metal ja so etwas wie ein Comeback. Das macht mich einfach so glücklich, denn ich glaube, dass viele junge Leute das dadurch auch mitbekommen. Wir müssen darüber reden. Weißt du, es ist wichtig, wie du dich fühlst. Es ist wichtig, was in dir vorgeht, wenn deine Familie auseinanderbricht. Es ist wichtig, dass du während dieses Prozesses bestimmte Gefühle dir selbst gegenüber hast. Und ich glaube, dass die Rock-Community eine der unterstützendsten Gemeinschaften ist.

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