GAS HUFFER

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Jenseits des Mainstreams

Das Übliche bitte: Wie habt ihr euch als Band zusammengefunden, was habt ihr vorher gemacht?
Don:
Matt und ich gingen zur Schule. Tom arbeitete seit seinem dritten Lebensjahr bei Fallout, und wir fanden zusammen, als die U-MEN auseinander brachen und Tom eine neue Band starten wollte. Das war vor drei Jahren.
Joe: Wir alle hatten schon in der einen oder anderen Band gespielt: Don spielte mit Tom in den KINGS OF ROCK, Matt spielte bei HOLYGHOST PEOPLE und ich war in Seattle in einer Band namens AEROBIC DEATH. Tom rief uns nacheinander an, wir trafen uns und spielten drauflos. Matt kam erst später dazu, denn damals beendete er gerade sein Studium.

Was hast du denn studiert?
Matt:
Englische Literatur. Aber erzähl das bloß keinem weiter...

Was hat euch dazu bewegt, in einer Band spielen zu wollen?
Don:
Ich wollte in einer Band spielen, seit ich sechs Jahre alt war und die „JOHNNY CASH at Folsom Prison“-Platte meines Vaters gehört hatte.

Würdest du denn sagen, dass ihr Country-Einflüsse habt?
Don:
Nein, eigentlich nicht. Meine Eltern waren in den Sixties so linke Yuppie-Typen.
Matt: Ich denke, wir verschmelzen eine Menge von Einflüssen. Ein gewisser Country-Einschlag ist nicht zu verleugnen, aber das ist nicht bewußt entstanden, das ergab sich einfach so. Einen gewissen Einfluss hatten sicherlich Surf Music und Rockabilly, aber mehr als ein Zehntel macht das sicher nicht aus.

Und was ist mit Punkrock?
Matt:
Punk, Grunge - das geht zurück bis zu den SONICS und den WAILERS
und all diesen '77-Kram. THE DAMNED und die RAMONES sind auf jeden Fall ein großer Einfluss. Hardcore spielt keine so große Rolle.
Don: Für mich schon: DEAD KENNEDYS, BLACK FLAG und so, aber kein Thrash oder so Musik, die keinen Rhythmus oder Beat hat, sondern gute, beinahe melodische Punksongs.
Joe: Ich sehe Punk insofern als einen Einfluss an, als es sich mehr um die Attitüde handelt, mit der man seine Musik spielt. Was Sixties-Bands wie die SONICS damals machten, war verdammt punkig, auch wenn es die heutige Definition von „Punk" damals noch nicht gab.

Würdest du sagen, dass viele der Bands, die man heute als „alternative" oder „independent" bezeichnet, im Prinzip Punkbands sind, die gelernt haben, ihre Instrumente zu spielen?
Don:
Manche, ja. Aber das ist ja nicht nur eine Frage der Beherrschung des Musikinstruments, sondern auch, wie man seine Plattenveröffentlichungen handhabt, nach was für Kriterien man Shows bucht, mit was für anderen Bands man spielt - ich würde nicht unbedingt vom Do-it-yourself-Ideal sprechen, sondern davon, dass man eben mit Freunden zusammenarbeitet. Unser Label, das sind Freunde von uns. Wir haben sie ausgesucht und sie haben uns ausgesucht, weil wir die Arbeit des jeweils anderen respektieren und darin übereinstimmen, dass wir keine Bock auf gewöhnlichen Hitparaden-Mainstreamrock haben.
Matt: Wir arbeiten auch für das Label: Don zum Beispiel kümmert sich auch um das Artwork anderer Bands.
Don: Jeder trägt eben seinen Teil bei und diese Art zu arbeiten macht einfach Spaß. Wir sind mit Empty Records sehr zufrieden.
Joe: Es ist wohl auch die Einstellung der Leute, die das Label betreiben, die die Bands anzieht.

Meint ihr, dass das massenhafte Signen von Undergroundbands den Mainstreambereich beeinflussen oder ändern wird? Oder werden die gesignten Bands kommerzialisiert wie alle anderen Majorbands auch?
Joe:
Ich bin überzeugt, dass einige dieser Bands alles daran setzen werden, so vermarktbar und verkaufsträchtig wie nur möglich zu sein. Andererseits wird es aber auch Bands geben, die sich nicht verändern und ihre Integrität bewahren, aber das hängt wirklich von der einzelnen Band ab, das kann man nicht verallgemeinern. Die Mainstreamkultur tendiert eben dazu, alles aufzusaugen und anzugleichen was einst als Undergroundkultur begann. Was vor zehn Jahren „alternative" war, ist heute Mainstream. Gleichzeitig wird es für die Masse aber immer diesen „alternative"-Touch behalten.
Don: Wenn ein Musikstil populär wird, dann kommen auf jede gute Band zwanzig schlechte, und auf eine Person, die diesen Unterschied erkennt, kommen 20, die ihn nicht erkennen und so kommt der ganze Kram in MTV. Wenn du gute Musik hören willst, dann kannst du die auch finden. Ich stehe aber trotzdem zu NIRVANA und MUDHONEY: Die haben bei einem Major unterschrieben, weil sie so zwanzig mal so viele Platten verkaufen können und somit vielleicht 7.000.000 Menschen anstatt SKID ROW NIRVANA hören.
Matt: MUDHONEY haben es richtig gemacht, denn sie hatten alles erreicht, was man als Independent-Band erreichen kann.
Joe: Die konnten zu diesem Majorlabel gehen und sagen „O.k., wir wissen, dass wir Platten verkaufen können, und deshalb wollen wir von euch nicht umgekrempelt werden und wir wollen auch nicht irgendeinen Produzenten aus L. A., der unsere Aufnahmen nochmal abmischt." Die hatten eine ganze Menge mehr kreative Kontrolle über ihre Musik als sonst bei Majorlabels üblich ist. Und wenn Bands wie MUDHONEY es schaffen, in den Mainstreambereich einzubrechen, kann das die Hitparadenmusik durch die Integrität der Musik durchaus verändern. Und das neue Album von MUDHONEY ist sicherlich nicht kommerzieller als das, was sie bisher gemacht haben. Andererseits gibt s eine ganze Menge Bands, die als „alternative band" gehandelt werden, die aber musikalisch sicherlich nicht „alternative" sind.
Don: Ich bin mir sicher, dass auch die hinter dem stehen, was sie machen. Sie machen, was sie wollen, und das ziemlich gut. Ob du ihre Musik magst oder nicht, ist eine völlig subjektive Sache.

Meint ihr, dass das gesteigerte Interesse an der Underground-Szene ein Zeichen für eine Änderung in der Einstellung der Leute ist?
Don:
Könnte sein, aber vielleicht haben die Leute einfach keinen Bock mehr, sich die Haare zu schneiden und sich herauszuputzen, sondern wollen ihre Haare einfach wachsen lassen und Flanellhemden tragen.
Matt: Nach einer Weile wird alles langweilig. Ein neues Ding funktioniert auch nur für eine bestimmte Zeit und dann brauchen die Leute wieder etwas Neues.
Don: Es ist einfacher, auf einen bestehenden Trend aufzuspringen als selbst einen zu schaffen. Deshalb suchen die Plattenfirmen ständig nach dem neuen, großen Ding, von dem sie ein paar Millionen verkaufen können.

Erzählt mal was zu eurem neuen Album.
Joe:
Es ist nichts radikal Neues, sondern eher „reif" (Don lacht). Ich meine das nicht in intellektueller Hinsicht, sondern insofern, dass wir jetzt als Band einfach schon eine ganze Weile länger zusammen sind. Wir arbeiten jetzt einfach als Team besser zusammen. Wir haben viel mehr Zeit darauf verwandt, uns zu überlegen, wie das neue Album klingen soll.
Don: ...und dann schrieben wir alle Songs an einem Tag im Studio, haha.
Joe: Nein, die Songs waren alle schon mehr oder weniger fertig, aber ein paar hatten wir noch nie so richtig an einem Stück durchgespielt.
Matt: Die neue Platte ist dichter, lauter aufgenommen und hat mehr Backing Vocals als die letzte.

Wer schreibt denn die Texte?
Matt:
Meistens ich. Oft ist es so, dass jemand einen Song anbringt, der schon einen Titel hat, und ich schreibe dann einen Text, der zum Titel passt. Ich schreibe also meistens den Text nach der Musik, denn für mich ist es sehr wichtig, dass der Text zur Musik passt. Aber auch der Inhalt der Texte ist mir wichtig. Wenn du die Texte der Musik anpassen musst, dann fallen dir oft Worte und Formulierungen ein, auf die du sonst nicht gekommen wärst.
Don: Durch den Gesang ändert sich der Charakter eines Songs ziemlich. Und durch die Backing Vocals mussten wir die Songs auch ganz anders einspielen. Durch die Texte ändert sich für mich musikalisch eine ganze Menge.
Matt: Für die Zuhörer sind die Texte bzw. der Gesang oder zumindest die Gesangsmelodie beinahe genauso wichtig wie die Musik. Aber man kann den Gesang und die Texte nicht so einfach voneinander trennen und sagen, das eine sei wichtiger als das andere. Diese beiden Teile bilden zusammen erst eine Einheit.
Joe: Ja, das sehe ich auch so. Der Gesang ist wie ein zusätzliches Instrument.

Wie schreibt ihr denn eure Songs?
Joe:
Tom, Don oder Matt bringen ihre Songidee zur Probe mit und die anderen versuchen die Idee dann umzusetzen und bringen dabei ihre eigenen Ideen ein.
Matt: Das ist ein gemeinsamer Prozess, der allerdings mit einer Jam-Session nichts zu tun hat. Wir nehmen uns wirklich viel Zeit, das Arrangement auszufeilen und sitzen nicht nur rum, klimpern auf der Gitarre und warten, dass dabei mal eine vernünftige Melodie herauskommt.
Don: Ja, das hat bei uns schon beinahe einen geschäftsmäßigen Aspekt. Als wir den Leuten von Sub Pop unsere erste Platte vorbeibrachten, meinten die, es klänge so, als ob wir die Songs mit bis zum Hals zugeknöpftem Hemd eingespielt hätten.
Matt: Ich weiß nicht, ob ich dem zustimmen kann..
Don: Es stimmt schon - wir überlassen bei unseren Songs nichts dem Zufall. Joe: In meinem Fall stimmt das nicht ganz: Ich lasse mir immer etwas Freiraum für Improvisation. Ich spiele die Songs jedesmal ein kleines bisschen anders, aber eben nur in einem bestimmten, festgelegten Rahmen.
Don: Sobald ich einen Song etwas besser kenne, kann ich auch anfangen zu improvisieren. Aber beim Spielen schaue ich sowieso ständig auf meine linke Hand.

Inwiefern unterscheidet ihr euch bei Liveauftritten von eurem Studiosound?
Matt:
Das wichtigste Ziel einer Platte ist es, die gleiche Energie rüberzubringen wie bei einem Liveauftritt. Wenn du live spielst, dann merkt das Publikum meistens nicht, wenn die Band einen schlechten Tag hat, weil eben das ganze Spektakel des Gigs ablenkt. Ich würde mir wünschen, dass alle Leute, die unsere Platte gekauft haben, uns auch live sehen, denn da können sie eine ganz andere Dimension der Band kennen lernen. Liveauftritte sind sehr wichtig für uns.
Joe: Innerhalb der Musik passiert sehr viel, besonders bei der neuen Platte. Manche Details kommen auf Platte sehr gut heraus, die kann man live gar nicht erkennen, weil der Sound bei weitem nicht so klar ist und man nicht die Möglichkeit hat, den Song noch mal genau an zu hören. Außerdem versteht man live die Texte nicht. Andererseits kommt live viel mehr Spaß und Energie rüber.

Habt ihr schon Tourpläne?
Joe:
Ja. Wir werden im März auf Tour gehen. Es ist meistens besser, nach der Veröffentlichung der Platte etwas zu warten, damit die Platte überall im Laden steht und die Leute was darüber gelesen haben. Bei unserer letzten Tour kam die Platte am ersten Tag der Tour raus und war dann in den Städten, in denen wir gespielt haben, zwei Wochen nach der Tour in den Läden.
Don: Ja, aber glücklicherweise waren wir mit MUDHONEY auf Tour und so waren alle Konzerte sehr gut besucht.

Geht ihr gern auf Tour?
Matt:
Tja, Touren hat so seine Vor- und Nachteile…
Don: Auf jeden Fall macht es deine Freundin sehr, sehr sauer.
Joe: Solange eine Tour nicht länger als fünf Wochen geht, macht sie noch Spaß. Aber darüber hinaus ist es dann nur noch Stress.
Matt: Man kommt kaum zum Schlafen, isst ständig schlechtes Essen... Don: ...viel billiges Bier, lange Nächte, ständig verkatert, viel Kotzen... Joe: ...zu wenig Schlaf...
Matt: ...ständig neue Situationen…
Don: ...immer die Vibrationen im Bandbus...
Joe: Jeder Tag bringt Neues und Unerwartetes mit sich, denn du weißt nicht, wie das Konzert werden wird, wie viele Leute kommen werden, wenn du nicht vorher schonmal dort warst, weißt du nicht, wie der Club ist, ob du dem Veranstalter trauen kannst. Du weißt nicht, ob du Bier und was zu essen bekommst. Aber bisher sind unsere Touren immer ganz gut gelaufen und von mal zu mal wird es besser.
Matt: Man trifft viele nette Leute und du lernst Gegenden und Städte kennen, die du andernfalls wohl niemals besucht hättest und was du dir auch normalerweise nicht leisten könntest. Es ist eine ziemlich coole Art zu reisen.
Joe: Wir spielten am Abend der Riots in Los Angeles. Kein Mensch kam zum Konzert und die Leute hatten alle die Hosen gestrichen voll.
Don: Vor dem Konzert saßen wir stundenlang völlig gebannt vor dem TV. Die Spannung stieg ins Unerträgliche, während wir dabei zusahen, wie Leute aus ihren Autos gezogen und zu Brei geschlagen wurden. Und wir hatten keine Ahnung, wie nah oder fern wir vom Ort des Geschehens waren.
Matt: Das Coole am Touren ist, dass du normaler Weise in eine Stadt kommst, keinen Menschen kennst und die ganze Stadt zum Kotzen findest. Aber wenn du zum zweiten Mal in eine Stadt kommst, dann kennst du da schon jemanden, hast Freunde, die dir die Stadt zeigen, und dadurch hast du plötzlich ein ganz anderes Verhältnis zu dieser Stadt. Das ist einfach toll.

Zum Schluss noch etwas ganz Anderes: Glaubt ihr, dass sich Seattle Bands genug um All-Ages-Shows kümmern?
Joe:
Ich denke, dass die Bands, die mit All-Ages-Shows großgeworden sind, sehr daran interessiert sind, aber es ist sehr schwer geworden.
Don: Vor ein paar Jahren waren die meisten Clubs „all ages" und es gab kaum Konzerte in Bars, denn die Bands waren denen zu klein und unbekannt. Aber jetzt, da alles so groß geworden ist, gab es Probleme, viele Läden haben zugemacht und man kann kaum noch zu All-Ages-Shows gehen, das ist echt Scheiße.
Joe: Wir strengen uns wirklich an, gelegentlich mal eine All Ages-Show zu spielen, aber es gibt da auch sehr große Probleme wegen der Versicherung und so.

Danke fürs Interview.

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