
Gigs spielen, Songs schreiben und keine arroganten Arschlöcher werden – GIANT HAZE aus Kiel haben mit „Cosmic Mother“ ein herausragendes Debüt veröffentlicht. Wer die kosmische Mutter ist und wie sie mit dem ganzen Feedback umgeht, verrät uns Sänger Christoph im Gespräch.
Euer Album hat zu Recht durchweg gute Kritiken bekommen, wie habt ihr das selbst wahrgenommen, war das überraschend? Und wie geht ihr damit um?
Danke dir, ja wir sind auch sehr dankbar über das viele positive Feedback aus der Stoner-Rock-Ecke. Auch danke an das wundervolle Ox für 8 von 10 möglichen Black Flags! Interessant war für uns, dass wir von den verschiedensten Seiten, also auch aus der klassischen Rock-, Metal- und vor allem der Punk-Szene viel Schulterklopfen bekamen. Die Aussage „Ich mag ja eigentlich keinen Stoner-Rock, aber das ist geil“ haben wir einige Male gehört. Eine gute Kritik ist da wie ein Duftbaum im Auto: er hat keinen Einfluss darauf, ob das Auto fährt oder wie viel Kaffee die Fahrerin getrunken hat oder wie viel Benzin im Tank ist, aber man hat einen super Geruch in der Nase!
Ihr wart zunächst als KYUSS-Tribute-Band unterwegs. Was hat den Ausschlag gegeben, den Schritt von der Coverband zu eigenen Songs zu wagen?
Ja, wir haben die Godfathers of Desert Rock gecovert und dabei viel getrunken und uns verliebt, vor allem musikalisch. Dabei sind wir bestimmt nicht die erste und auch nicht die letzte Band, die wegen einer Schnapsidee nach einem ausschweifenden Gelage gegründet wurde. Wirklich neu war vielleicht, wie natürlich und selbstverständlich das bei uns funktioniert hat. Wir haben uns nicht besonders bemüht, etwas Eigenes zu schaffen, das hat sich wie automatisch durch die Zutaten – vier abgehangene Punkrocker, laute Amps, solide Gags, Bier und Weed – und die Hitze unserer Körper zu einem schmackhaften Gericht entwickelt.
Wie würdet ihr eure musikalische DNA beschreiben, welche Stilrichtungen, Einflüsse oder Szenen haben euch bewusst oder unbewusst geprägt?
Wir haben in verschiedenen Konstellationen über die Jahre in unterschiedliche Gruppen gespielt. Meist im Punk-Bereich – auch viel Hardcore und Stoner-Rock. Diese Sozialisierung – ich würde sie als „unsere Energie“ beschreiben – gibt uns eine gewisse Power. Das wäre der Background, unser Unterbewusstsein. Bewusst haben wir uns hier auf 1990er-Stoner-Rock, Grunge, Psychedelic Rock konzentriert. Musik, die im Moshpit und auf der Couch gleichermaßen funktioniert.
Ihr seid oder wart alle in anderen Bands aktiv, die nicht immer dem Stoner-Kontext zuzurechnen sind. Gibt es für euch etwas, das diese Musikrichtung und die dazugehörige Szene von anderen Subkulturen unterscheidet?
Die Stoner-Rocker sind absolute Musikjunkies. Die Party, Saufen, Kiffen, Tanzen, das alles steht eher im Hintergrund – wichtig ist das Live-Erlebnis bei einem Konzert. Sich in den Bann ziehen, mitreißen zu lassen, kommt einem Ritual gleich. Wir haben die Stoner-Szene als tolerant kennengelernt, und wenngleich nur wenige Stoner-Bands sich öffentlich als antifaschistisch positionieren, ist das doch eine Einstellung, die mitschwingt.
Ich erinnere mich, dass ihr euch sehr intensiv mit eurem Sound auseinandergesetzt habt. Dabei wurden auch diverse Mikros getestet ... Auf wessen Idee geht das zurück?
Auf den manischen Perfektionismus von Andi und mir, würde ich sagen. Dazu die Geduld und das Know-how von unserem Freund Micha. Am Anfang stand tatsächlich eine genaue Vorstellung von unserem Sound, der haben wir uns mit allen weltlich zur Verfügung stehenden analogen Mitteln bestmöglich angenähert.
In der Produktion habt ihr bewusst auf Modeling-Amps und Drum-Trigger verzichtet. Warum war euch das so wichtig?
Das passt einfach zur Musik. Wenn wir programmierte Beats und Gitarren möchten, hören wir NINE INCH NAILS.
Wer ist die kosmische Mutter aus dem Albumtitel und welche Bedeutung hat sie? Seid ihr spirituell?
Cosmic Mother kommt in dem Track „From another world“ vor und es war der erste selbst komponierte Song von Pete. Wir haben im Nachgang die „kosmische Mutter“ scherzhaft wie eine Gottheit in unserer bandeigenen Sprache benutzt: „Das Riff folgt dem Willen der kosmischen Mutter.“ Für das Album bedeutet die Mutter allerdings das große alles umfassende Mysterium unserer Existenz. Also nicht der Rede wert. Ich würde sagen, wir haben eine Art Band-Schamanismus entwickelt, den wir niemandem aufdrängen möchten. Wir verräuchern heiliges Holz, geben uns positive Energien und lassen die negativen Dinge beim Spielen raus.
Wie entstehen bei euch die Songs? Sprecht ihr über die Texte?
Die Songs kommen von Andi, aber auch Pete und Timo steuern etwas bei. Ich konzentriere mich hier ausschließlich auf Texte und Gesang. Das nicht nur, um mich von meinen anderen Bands abzugrenzen, wo ich auch Songs schreibe und Gitarre spiele, sondern weil es eine unabhängige Ebene des Zugangs ermöglicht – eine Unbefangenheit, die den Song auf ein neues Level bringt.
Worum geht es bei „Panic to ride“?
Hier geht es um die unbegründete Angst vor Kontrollverlust. Verantwortung zeitweise abzugeben, kann ein für sich und andere sinnvoller Prozess sein, um über die eigene Position in dieser Welt nachzudenken.
Zum Schluss: Was sind die besten fünf Stoner-Platten?
Voll asozial die Frage, sie führt unweigerlich zu handgreiflichen Konflikten in der Band! Als Erstes käme für mich von KYUSS „Welcome To Sky Valley“ infrage. Danach BLACK SABBATH mit „13“. „Powertrip“ von MONSTER MAGNET gehört ebenfalls dazu. Das Album „Songs For The Deaf“ von QUEENS OF THE STONE AGE ist auch großartig, genauso wie „Start The Machine“ von FU MANCHU.
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