GRILLMASTER FLASH

Foto© by Achim Lueken

In Bremen sagt man tschüss

„Ein echtes Gute-Laune-Album, ohne plumpe Kalauer oder platte Witze – wer immer SUPERPUNK oder Springsteen verehrt, sollte sich den Spaß gönnen“, schrieb Joachim im Sommer 2015 über „Andere Leude My Ass“, das Debütalbum von Grillmaster Flash. Zehn Jahre und drei weitere Alben später ist jetzt Schluss für Christian „Grilli“ Wesemann, denn im November wird er sich mit einem Konzert in Bremen-Nord vom Showgeschäft verabschieden. Über seine Beweggründe und seine Zeit im Rock’n’Roll spreche ich mit ihm in seiner Bremer Lieblingsbar.

Grilli, warum hängst du deinen Job als Musiker an den Nagel?

Also, es hat ja alles irgendwie seine Zeit. Grillmaster Flash hatte seine Zeit. Ich habe das ganz lange gemacht und irgendwann bemerkt, dass es irgendwie nicht mehr so richtig vorwärts geht. Und dann habe ich noch so ein bisschen rumprobiert und probiert. Dazu kamen noch ein paar Tiefschläge und die habe ich irgendwie nicht mehr so gut weggesteckt und dann gedacht, okay, jetzt muss ich mal so einen Punkt oder eine Idee finden, wie ich da rausgehen kann. Und das habe ich dann auch geschafft.

War das eine schwere Entscheidung oder eher ein schleichender Prozess, der sich hingezogen hat?
Ich wollte eigentlich schon nach der dritten Platte aufhören, nach „Komplett Ready“, weil die nicht gut gelaufen ist und wir eine schlecht laufende Tour hatten. Da habe ich schon gemerkt, okay, wenn jetzt nichts mehr passiert, passiert wahrscheinlich nie wieder was. Und wo man irgendwie denkt, es kommt Bewegung rein, weil man ja immer in so einem Projekt sehen möchte, dass es sich ein bisschen entwickelt. Künstlerisch hatte ich schon den Eindruck, dass es vorangeht, aber eben nicht im Sinne der Resonanz, wie ich mir das vorgestellt habe. Und so wird es auch einfach wahnsinnig schwierig, weil alles immer auf Kante genäht ist, auch finanziell. Also ich wollte schon aufhören nach der dritten Platte und habe mich dann aber noch zu einem vierten Album, „Flæsh Mëtal“, überreden lassen. Dazu habe ich einen neuen Plattenvertrag gekriegt. Da habe ich die noch gemacht und ich bin auch froh drüber, dass ich es gemacht habe. Wobei die mir dann richtig das Genick gebrochen hat.

Dabei war dein Weg eigentlich ein vielversprechender: dein Debütalbum erschien bei der Bremer Talentschmiede Gunner Records, danach bist du zum größeren Grand Hotel van Cleef gewechselt. Die Welt stand dir offen.
Ja, das lief auch ganz gut an. Die erste Platte war so, wie eine erste Platte halt ist, und danach die zweite bei Grand Hotel van Cleef, da hat sich schon echt was bewegt. Das war auch das erste und einzige Mal, dass ich dachte, jetzt passiert hier voll was, denn da gab es interessante Support-Möglichkeiten für uns. Wir hatten auch eine ganz okaye eigene Tour, die bis auf zwei, drei Ausnahmen ziemlich gut lief. Die Platte lief auch ganz gut und „Stadion“ war, glaube ich, auch das Album, das viele Leute am ehesten mit mir in Verbindung bringen. Das war eine interessante Zeit und an die wollte ich gerne anknüpfen und das noch ein bisschen weiter vorwärts bringen. Irgendwie ist aber nicht mehr viel passiert. Ich habe auch mal, ich weiß gar nicht, wann das war, ich glaube, da war die dritte Platte schon draußen, mit Marcus Wiebusch gesprochen und er hat mir gesagt: Grilli, du bist irgendwie unser Sorgenkind hier im Haus, wir wissen nicht, warum du nicht wächst. Und darauf hatte ich keine Antwort. Ich habe nur gesagt: Ja, stimmt wahrscheinlich. Es gibt vermutlich sehr viele Faktoren, die da eine Rolle spielen. Man muss wohl auch die Signale erkennen.

Wie hinderlich war dein Künstlername?
Ich glaube sehr. Das Problem ist, dass der Witz, den ich mit 18 noch ganz gut fand, nicht so gut funktioniert hat, was mir später natürlich auch aufgefallen ist. Aber ich bin so stur und habe den niemals ändern wollen. Ich glaube, der Name hat viele Leute abgeschreckt und davon abgehalten, sich mit mir zu befassen. Auf Festivals zum Beispiel war es für viele eine Überraschung, was ich mache und dass das vielleicht auch gar nicht so schlecht ist, trotz des albernen Namens.

Warum hast du dich dazu entschlossen, deinen Rücktritt aktiv bekanntzugeben und nicht einfach von der Bildfläche zu verschwinden?
Das wollte ich auch erst so machen, weil ich dachte, für Grillmaster Flash interessiert sich sowieso kein Schwein und dann kann ich auch einfach verschwinden. Aber ich fand das nicht gut, weil ich für mich selbst einen Abschluss haben wollte. Und auch wenn es nicht viele Leute gibt, die bei Grillmaster Flash neben mir am Start sind, gibt es sie ja trotzdem. Denen kann man dann noch mal ein Angebot machen. Außerdem verschließt es mir jedwede Türen, nach fünf Jahren wiederzukommen, so nach dem Motto: Meine Pause ist jetzt beendet, ich melde mich zurück. Das wollte ich nicht, sondern für mich alles klar haben. Hinzu kommt, dass ich in der Zeit bis zum letzten Konzert noch in Archiven rumkramen und gucken kann, was da noch so rumfliegt, und das alles ganz ohne Druck, ohne zu wachsen und Geld verdienen zu müssen. Insofern bin ich sehr entspannt und kann das gut zu Ende bringen.

Gab es Reaktionen auf die Ankündigung deines Rückzugs?
Sehr viele sogar, gerade im Social-Media-Bereich, wo ich jetzt auch nicht riesengroß stattfinde. Aber da haben viele Leute das registriert und auch darauf reagiert und finden es schade, was wiederum schön für mich ist. Die Ticketverkäufe für meine letzte Tour jetzt im Oktober sind auch ganz ordentlich. Es ist nun nicht so, dass die Leute mir die Bude einrennen und alle Konzerte ausverkauft sein werden. Aber da geht schon was. Die letzte Show findet dann in Vegesack statt, in Bremen-Nord also, wo ich angefangen habe, Musik zu machen. Sie war relativ schnell ausverkauft und findet in einem verhältnismäßig großen Laden statt für unsere Verhältnisse. 700 Leute passen da rein. Wir hätten auch größer werden können. Aber da hätten wir Bremen-Nord verlassen müssen. Und das geht natürlich nicht, haha. Und eine zweite Show ist auch nicht drin. Zwei Abschiedskonzerte spielt man nicht, nur eins.

Auch wenn es bei dir finanziell immer eng war, hast du in deiner Zeit im Rock’n’Roll-Geschäft wahrscheinlich mehr erlebt als manch andere in ihrem ganzen Leben.
Das kann schon sein. Da sind viele spannende Sachen passiert, die auch nicht jedem passieren, der Musik macht, und wo man sich durchaus auch privilegiert fühlt, etwa dass man in großen Hallen auftreten kann, so wie wir das mit MADSEN oder auch mit Thees Uhlmann gemacht haben, oder auf dem Deichbrand Festival. Nicht zu vergessen natürlich die Metal-Platte mit Bela und Rod von DIE ÄRZTE. Wegen denen hatte ich angefangen, Gitarre zu spielen. Das ist natürlich toll und darauf bin ich auch stolz. Das hat auch was damit zu tun, dass ich lange ziemlich zielstrebig und beinhart meinen Stiefel durchgezogen habe. Ich habe ohnehin gemerkt, dass ich innerhalb der Musikszene in Deutschland, die ja nicht so groß ist, ein ganz gutes Standing habe, nur leider nicht beim Publikum. Schade eigentlich, haha.

Wie wird dein Abschiedskonzert für dich werden?
Ich bin ja Vollprofi. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass mich das heftig toucht, wird es aber wahrscheinlich doch. Es ist ja dann auch klar, dass es das war und dass diese Songs nicht mehr von mir gesungen werden. Das Singen eines Songs ist ja immer eine emotionale Angelegenheit. Mal sehen. Ich bin hoffentlich auf alles vorbereitet.

Du gehst jetzt in den Schuldienst und hast gerade das Referendariat begonnen. Inwieweit können dir deine Entertainerqualitäten dort helfen?
Entertainment ist alles, also auch in der Schule, haha. Ich will es mal umgekehrt sagen: Ich glaube, dass meine pädagogische Ausbildung mir auf der Bühne durchaus geholfen hat. Warum also nicht auch andersherum?

Hast du abschließend noch den einen oder anderen Tipp für junge Nachwuchsmusiker?
Als ich angefangen habe, gab es viele Sachen, die heute angesagt sind, noch gar nicht. Heute läuft alles über Social Media. Das ist auch etwas, das mich tierisch nervt, denn darauf habe ich eigentlich keinen Bock. Ich versuche natürlich, dieses Tool zu nutzen. Ich habe aber keine Lust, alle zwei Tage ein Video von mir beim Fahrradfahren zu machen, wie ich eines meiner Lieder singe. Aber so sind eben die Gegebenheiten. Ich kann nur jedem sagen, der Bock hat, Musik zu machen, dass es geil ist, eine Band zu gründen. Macht das auf jeden Fall, denn das ist das Beste, was es gibt, kann aber auch das Schlimmste sein, was es gibt. In meiner Zeit als Musiker habe ich die besten und die schlimmsten Momente meines Lebens erlebt.

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