HARAKIRI FOR THE SKY

Foto© by Anne Catherine Swallow

Easy going

Mit „Scorched Earth“, ihrem sechsten Studioalbum, erfinden sich die Österreicher HARAKIRI FOR THE SKY nun nicht unbedingt neu, öffnen sich musikalisch aber doch ein stückweit anderen Einflüssen. Wir sprechen mit Sänger Michael „J.J.“ Kogler über das kommende Werk, seine Gäste und dessen Sound.

Ich würde gerne beim letzten Album anfangen. Bei „Mære“ gab es eine Kontroverse um einen Gastbeitrag. Um die Sache an sich geht es mir aber nicht, sondern eher darum, was ihr daraus gelernt habt. Geht ihr mit den Leuten, mit denen ihr zusammenarbeiten möchtet, irgendwie anders um mittlerweile?

Wie soll ich sagen, so ein Grundvertrauen ist da schon verloren gegangen. Es hat auch irgendwie gezeigt, dass man, wenn man mit anderen Künstlern zusammenarbeiten möchte, sich besser auf die beschränkt, die man persönlich kennt. Im Idealfall sind es Leute, mit denen man schon auf Tour war oder die man eben kennen gelernt hat. Nicht unbedingt nur über das Internet. Wir wollten auf dem Album damals, dadurch, dass der Neige vor ALCEST auch drauf war, so eine Art AMESOEURS-Revival starten. Das hätten wir einfach cool gefunden, weil diese Band doch relativ viele Leute beeinflusst hat. Sie war die Post-Black-Metal-Blaupause. Nachdem Audrey Sylvain uns erklärt hat, dass sie sich von dieser nationalistischen Szene losgesagt hat, und ich generell ein Fan von Resozialisierung bin, was so was betrifft, haben wir ihr einfach geglaubt. Das war halt ziemlich dumm, wir haben generell zu wenig Internetrecherche betrieben. Es war einfach ein bisschen blauäugig von uns. Die Sachen, mit denen wir dann konfrontiert worden sind, waren natürlich komplett neu für uns. Sobald wir da Infos zugespült bekommen, war ja das auch keine Frage, ob wir die Frau vom Album nehmen oder ob wir es trotzdem so rausbringen. Das war im Endeffekt eine Sache von ein, zwei Stunden. Wir haben Glück gehabt, dass die Platten noch nicht im Presswerk waren, weil sonst wäre das ziemlich beschissen gewesen finanziell. Wir haben auf jeden Fall gelernt, dass man sich bei solchen Sachen besser doppelt und dreifach absichert, mit wem man zusammenarbeitet. Und ja, wir wären alle froh, wenn das nicht passiert wäre. Aber ich glaube, wir haben uns relativ klar und deutlich dazu geäußert, wie wir als Band und als Individuen zu dieser Sache stehen. Mehr kann man nicht, aber da ist noch so eine Schadensbegrenzung. Wir gehen mal davon aus, dass bei einer Band, die sich in solchen Kreisen bewegt wie HARAKIRI FOR THE SKY, eigentlich im Normalfall keiner davon ausgeht, dass wir politisch eine rechte Gesinnung vertreten.

Bleiben wir beim Thema Gäste. Ihr habt jetzt auf dem Album Tim von GERM und AUSTERE und Serena von SVALBARD. Tim ist für mich eine klassische Wahl, der passt sehr gut zur Post-Black-Metal. Habt ihr so eine Art Wishlist, auf der solche Leute draufstehen und dann neue ergänzt werden?
Teils, manchmal sind es natürlich Leute, die man noch nicht so lange kennt oder wo man über Bands stolpert, die es noch nicht so lange gibt, die aber gut mit Harakiri funktionieren. Im Fall von den zwei erwähnten Gastmusikern war es bei mir so, dass vor allem der Tim schon so eine Art Jugendhero ist. Ich sage mal, ich hatte meine stärkste „Ich hör nur Sachen, die nur 200 andere Leute kennen“-Phase, so mit 17, 18. Ich glaube, um den Dreh ist auch ungefähr das erste AUSTERE-Album rausgekommen. LIFELOVER waren zum Beispiel auch extrem wichtig für mich. Alles was aus der Depressive-Black-Metal-Richtung gekommen ist, war für mich so ein bisschen Religion. Das war so späte Jugend, frühe Adoleszenz. Tim habe ich, nachdem wir uns schon einige Male auf Festivals über den Weg gelaufen sind, irgendwann kennen gelernt. Wir haben in Bristol in England gespielt. Er war zu unserem Konzert gekommen und hatte sogar einen Harakiri-Hoodie an. Ich bin bei Leuten, die in Bands gespielt haben, die für mich wichtig sind oder waren, egal ob die ein Album rausgebracht haben oder kein Schwein kennt oder irgendwelche Weltmusiker, immer ein bisschen starstruck. Und dann denke ich, okay, dir gefällt meine Band, oder was? Ich bin also zu ihm und habe mir da einen abgestottert. Aber da habe ich ihn im Endeffekt das erste Mal persönlich getroffen. Als es beim neuen Album wieder um Gäste ging, habe ich ziemlich schnell Tim ins Spiel gebracht. Denn er kann sowohl singen als auch schreien. Es ist für mich eine Art Ritterschlag, dass der Typ, der für mich so wichtige Platten gemacht hat, nun auch auf unserem Album singt. Bei Serena war es so, dass ich SVALBARD das erste Mal, glaube ich, schon 2015 gesehen habe. Das war zu der Zeit, als sie mit FJØRT und CENTURIES auf Tour waren. Das war noch, bevor FJØRT irgendwer gekannt hat. Das war die „Montage“-Zeit. Und da war ich schon sehr fasziniert von ihrem Gesang. Ich wollte schon länger gerne mal mit einer Frau zusammenarbeiten, die geil schreien kann. Serena war für mich die erste Wahl. Wir von Harakiri, aber auch unser Labelboss Sven sind riesige Fans der Band, vor allem vom letzten Album. Wir haben sie einfach gefragt und sie war gleich Feuer und Flamme und hat sich sehr gefreut, dass wir da an sie gedacht haben. Es war ziemlich easy, die Zusammenarbeit mit beiden. Das dritte Feature ist mit Patrick von GROZA. Die sind immer mehr im Kommen und spielen jetzt auch auf einigen Festivals, außerdem sind sie unsere Labelkollegen. Patrick ist ein guter Freund von mir. Nachdem ich in Salzburg wohne und er aus Bayern ist, brauchen wir ungefähr eine Stunde per Zug oder Auto zueinander.

Das neue Album klingt wesentlich direkter und aufgeräumter als die letzten, auch die beiden Neuaufnahmen der ersten beiden Platten.
Ja, ich habe einfach dieses Mal mit einem anderen Produzenten gearbeitet. Und generell, es ist einfach gar nicht so, dass es unser sechstes Album ist. Im Endeffekt, desto länger man Musik macht, desto mehr weiß man, was man will und was man nicht will. Ich glaube, dass „Scorched Earth“ bis jetzt wahrscheinlich das experimentellere Album ist von denen, die wir aufgenommen haben. Wir haben noch nie so stark mit äußeren Einflüsse, vor allem musikalisch, gespielt. Man merkt einfach, dass Matthias ein ziemlicher DEFTONES-Fanboy ist. Die Einflüsse sind nun klarer hörbar. Der klare Sound macht natürlich das Ganze noch eine Ecke besser. Das hast du schon richtig beobachtet. Aber es hat natürlich alles sein Für und Wider. Es gibt ja auch die Leute, die eine zu klare Produktion gar nicht so gerne mögen. Ich finde, man sollte da einen guten Kompromiss finden. Wir kommen natürlich aus diesem Post-Rock-Black-Metal-Umfeld und wollen, dass das Ganze auch Druck und Härte hat und nicht zu nett klingt. Es ist schwierig, da einen gesunden Mittelweg zu finden. Aber dadurch, dass der Christian Kohle, der unser Album produziert hat, ein recht renommierter Metal-Produzent ist, haben wir das gut hinbekommen.

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