HIP HOP und Sprühen 3

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Interview mit den Graffiti-Writern, Duke und Posta

HIP-HOP und Sprühen 3: Interview mit Duke und Posta

Duke und Posta sind Graffiti-Writer in einer deutschen Großstadt. Sie sind 18 und 19 Jahre alt und waren so freundlich, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Posta:
Ich muss vorweg erstmal sagen, dass ich gar nicht so viel sprühe. Ich mache zwar auch Entwürfe und sprühe die auch, aber illegale Aktionen stehen bei mir nicht so im Vordergrund.

...aber ist das nicht erstmal der Anfang, dass man mit Dose oder Filzstift loszieht und so?
Posta:
Ja klar, das war auch bei mir vor 3-4 Jahren so, dann kam halt so eine Ruhephase und jetzt geht das langsam wieder los.
Duke: Also bei mir fing das so an, dass ich über Freunde zum Graffiti gekommen bin. Natürlich über die üblichen Stufen: Taggen, möglichst viel, dann die ersten einfachen Bilder, die dann schließlich immer aufwendiger wurden. Dann kam die Stufe, wo die Quantität mehr gezählt hat, also möglichst viele Bilder. Da sinkt dann natürlich die Qualität etwas. Für mich sind Züge immer noch sehr bedeutend und da kann man, auf Grund der stark begrenzten Zeit, leider nicht so eine große Qualität schaffen.

Worin besteht der Reiz?
Duke:
Irgendwie hat es mich fasziniert, dass mein Name irgendwo zu lesen ist und außerdem dieser „Fame"-Gedanke, dass mich wildfremde Leute anquatschen, so von wegen: „Hey, du tagst doch, Duke, ist ja krass..." Aber inzwischen hat sich das so verändert, dass mir die Qualität lieb ist. Ich sprühe also nicht mehr für alle, sondern nur noch für einen gewissen Kreis.
Posta: Der Reiz ist natürlich auch erst einmal der Spaß an der Sache: die Buchstaben zu gestalten, sie zu verändern und da kann man sich schon reinsteigern, das ist irgendwie wie ein Rausch. Der „Fame“-Gedanke ist natürlich auch wichtig, dass man bekannt wird in der Szene.

Aber der Bekanntheit sind ja auch schnell Grenzen gesetzt. Jeder darf es ja nun doch nicht wissen, wer das im Einzelnen jetzt nun ist, oder?
Posta:
Ja, das wissen in erster Linie natürlich nur die Leute in der Szene, die dann halt auch einstufen können, wie gut oder schlecht ein Bild ist.
Duke: Man sprüht nicht für die breite Bevölkerung.
Posta: Obwohl man auch der Bevölkerung mit den Bildern einen gewissen Anstoß geben will, sie provozieren will.

Könnt ihr vielleicht mal skizzieren, wie so eine Graffiti-Aktion abläuft?
Duke:
Man verabredet sich da eher spontan mit Freunden. Man kennt die entsprechenden Stellen, weil man da schon vorher was gesprüht hat oder das vorab ausgekunschaftet hat, wie oft und wann da jemand vorbeikommt, also DB-Leute oder private Sicherheitsdienste. Tja und dann geht man halt ran, wir machen das mit Abcheckern und auch maskiert, weil es doch ziemlich gefährlich geworden ist.

Wieviele machen da mit?
Duke:
Das ist unterschiedlich, manche sprühen ganz allein, weil dann keiner da ist, der ihnen die Aktion verkackt. Aber mir persönlich ist es schon lieber, wenn da mindestens noch einer dabei ist.

Wie lange dauert das tatsächliche Malen?
Duke:
Das kommt natürlich drauf an. Wenn man einen Laufsteg hat, also ohne großes Rumklettern und ohne Leitern arbeiten kann, dann braucht man so ca. 45 Minuten für ein „whole car" (d.h. die ganze Breitseite eines Wagons ist bemalt d.T.). Für ein „panel" (d.h. ein Bild an einem Zug zwischen 2 Türen bis zu den Fenstern - d.T.) brauchst du je nach Aufwändigkeit des Bildes zwischen 15 und 30 Minuten. Wenn man Glück hat, bzw. die Situation gut einschätzen kann, nimmt man sich von vornherein vor, dass man bis zu 2 Stunden malt. Da hat man natürlich viel mehr Möglichkeiten: Mehr Farben, aufregender Hintergrund usw.

Wo kriegt ihr die Farbe her?
Duke:
Wenn du jetzt darauf anspielst, dass die Farben geklaut werden, dann stimmt das für einen Großteil der Szene, aber ein anderer Teil, zu dem ich auch gehöre, kann es sich im Moment leisten die Dosen zu kaufen. Da gibt es ja schon Dosen in super Qualität für 6 DM.

Was für Strafen erwarten einen, wenn man erwischt wird?
Duke:
Mir sind da eigentlich keine großen Fälle bekannt, wo jemand am Zug erwischt wurde und dem das dann so nachgewiesen werden konnte, dass er bezahlen musste. Die meisten Täter sind ja auch noch Jugendliche, die haben kein geregeltes Einkommen, da gibt es dann meist Jugendstrafarbeiten oder es wird das Verfahren ganz eingestellt. Ein Fall ist mir bekannt, vor ca. drei Jahren haben sie den erwischt, und der muss jetzt wohl 10000 DM zahlen. Der geht jetzt aber in die zweite Instanz.

Ihr selbst wurdet noch nicht erwischt?
Duke:
Naja, erwischt schon, da gab es dann auch eine Hausdurchsuchung bei mir, aber da habe ich ziemliches Glück gehabt, weil das Verfahren dann wieder eingestellt wurde, aber so Jugendstrafarbeiten musste ich schon machen. Allerdings ist die Beweislage insgesamt eher günstig. Es lässt sich nur äußerst schwer im Nachhinein nachweisen, für welche Bilder man verantwortlich ist.

Wie lange hält sich denn so ein Bild, bevor es übermalt oder entfernt wird?
Duke:
Nun, das ist sehr unterschiedlich. Sagen wir einmal so: Bei der S-Bahn freut man sich, wenn es einen Tag fährt, dann wird es meistens gereinigt. Wenn es noch einen zweiten Tag rumfährt freut man sich natürlich um so mehr. Züge von der DB fahren so 2-3 Monate. Das hängt davon ab, wo der Zug beheimatet ist. Bei Wandbildern hängt das natürlich von der Wand ab, wo die ist, wie viele Leute da vorbeikommen und so.

Inwieweit ist es legitim für euch, über die Bilder von anderen rüberzugehen?
Duke:

Ein Teil der Szene wehrt oder rächt sich dann körperlich, andere versuchen aber auch, so wie es früher Sitte war: Das mit sprüherischen Mitteln auszutragen, also einen Battle zu veranstalten. Das heißt, so wie ich das verstehe, dass zwei Sprüher an einer Wand jeweils ein Bild sprühen und die Szene entscheidet dann, so als Jury, welches besser ist Aber das kommt heutzutage kaum noch vor. Die Szene hat da keine Moral mehr.

Wie kommt das?
Duke:
Das liegt unter anderem auch an diesem Wertewandel, von Qualität rüber auf Quantität.

Wir reden hier die ganze Zeit von der Szene. Was sind das überhaupt für Leute? Duke: Nun, da kann ich mich natürlich nur speziell zu meiner Stadt äußern und da kommen sie, im Gegensatz zu New York, aus ziemlich vielen Schichten. Da sind Bürgerliche, Arbeiter, Intellektuellensöhne und -töchter. Also alles gemischt. Altersmäßig geht das mit der Dose und Bildern so von 14-15 bis Anfang 20. Ältere steigen dann meistens irgendwann aus, bzw. halten gar nicht so lange durch. In anderen Städten geht das aber auch bis Mitte 20.

Wie findet das ein Ende?
Duke:
Naja, halt Familie, oder man merkt, dass man nicht mehr so große Lust hat, andere Interessen, Freundin, Beruf, Schule…

Manche Sprüher versuchen ja auch ihr Schaffen auf die legale Ebene zu bringen, um damit auch Geld zu verdienen. Wie sind da die Chancen?
Duke:
Sehr schlecht. Das schaffen nur die aller Wenigsten.

Graffiti wird ja oft als fester Bestandteil der HipHop-Kultur bezeichnet. Wie steht ihr dazu?
Posta:
Graffiti ist auf jeden Fall ein wichtiger Teil von HipHop, es ist in den Ghettos von New York und L.A. entstanden und es war genauso wie Rap-Musik oder Breakdance eine Ausdrucksform der Leute, denen nicht so viele Mittel zur Verfügung standen. Das war halt ihr Weg, sich eine Perspektive zu schaffen.
Duke: Es hört halt nur dann auf Bestandteil von HipHop zu sein, wenn man damit anfängt Probleme mit Gewalt zu lösen, speziell in derGraffiti-Szene.

Denken da alle so?
Duke:
Naja, die Leute, die anfangen zu sprühen, haben da natürlich noch keine Ahnung von HipHop. Die müssen erstmal rauskriegen, wo die Wurzeln des Graffitis liegen, was das überhaupt bedeutet…

Muss man das denn unbedingt wissen, wenn man ein Bild malen will?
Duke:
Man muss es nicht wissen. Aber wenn man sagt, man ist ein Graffitisprüher, - Graffiti ist ein Lebensgefühl -, dann sollte man das schon wissen.
Posta: Aber man darf jetzt nicht so in Klischees denken, dass jeder, der Graffiti macht, auch HipHop hört. Da gibt es auch genug andere.
Duke: ....wie beim Autofahren.

Hä???
Duke:
Da weiß auch nicht jeder, wie der Motor funktioniert.

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