
Das neue Album der Band aus Los Angeles hat für Sängerin Kat eine neue Bedeutung bekommen: Sie verlor ihre Schwester, während sie daran gearbeitet haben. Was dies mit ihr gemacht hat, erzählt sie uns hier.
„Shadow Work | Light Work“ ist ein Konzeptalbum über Trauer und die Bewältigung von Traumata. Es muss schwer gewesen sein, ein Album zu schreiben, das sich einem Thema widmet, mit dem viele Menschen zu kämpfen haben. Was war für dich das Schwierigste daran?
Das Schwerste war, dass meine Schwester inmitten der Arbeit an diesem Album gestorben ist. Wir hatten es bereits „Shadow Work | Light Work“ genannt und uns mit Inhalten wie Selbstreflexion und dem Tod des Egos beschäftigt, aber nach ihrem unerwarteten Tod änderte sich alles. Ich musste das Album trotzdem fertigstellen, und begann mich in den Songs mit Trauer und Heilung auseinanderzusetzen, speziell in „Everything you“.
Der Albumtitel verrät es bereits: Das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit ist hier ein wichtiger Aspekt. Das spiegelt sich auch in der Musik wider. Würdest du sagen, dass ihr hier alle Facetten des Sounds von HOLY WARS ausgelotet habt?
Ich habe das Gefühl, dass wir auf diesem Album fast alles gesagt haben, was wir sagen wollten. Doch Nick, unser Gitarrist, Co-Autor und Produzent, und ich fühlen uns generell dazu hingezogen, neue Seiten in der Musik zu erkunden und verschiedene Genres einzubeziehen. Wir lieben facettenreiche Songs, die Genregrenzen überschreiten und in denen wir alles verarbeiten, wovon wir inspiriert sind. Es gibt definitiv noch mehr Richtungen, die wir auf den nächsten Alben erkunden wollen, aber insgesamt ist das jetzt schon der Sound, auf den wir seit Jahren hingearbeitet haben.
Welcher Track ist für dich der wichtigste auf dem Album in dem Sinne, dass hier „alles zusammenkommt“?
Ich denke, „Ceremony“ ist der Höhepunkt. Der Sound und der Text passen auf eine ganz besondere Art und Weise zusammen. Der Song hat ein Eigenleben entwickelt. Die Resonanz im Radio war unglaublich, die Fans konnten sich wirklich damit identifizieren. Schon in der Demo-Phase wussten wir, dass wir damit etwas hatten, das wir schon seit einer Weile einzufangen versucht hatten. Es fühlte sich einfach richtig an. Normalerweise denken wir viel zu lange über alles nach und neigen ein wenig zum Perfektionismus, aber dieser Song ist davon unberührt geblieben. Wir haben nicht daran herumgebastelt. Wir haben ihn einfach so sein lassen, wie er sein wollte.
Da die eigene Trauer einen großen Teil dieses Albums ausmacht, was hoffst du, dass eure Fans daraus mitnehmen?
Ich hoffe, dass sich unsere Fans darin wiederfinden können. Ich glaube, wir befinden uns alle in einem ständigen Zustand der Verwandlung. Ein Leben loszulassen, um in ein anderes einzutreten – sei es durch Identität, Verlust oder Beziehungen – ist etwas, das wir alle erleben. Wenn sich jemand verloren oder im Umbruch fühlt, hoffe ich, dass diese Musik ihm hilft, sich weniger allein zu fühlen, und ihm den Mut gibt, Schmerz in Heilung umzuwandeln und mit der Hoffnung auf etwas Besseres vor Augen weiterzumachen. Das wünsche ich mir für mich selbst, den Menschen, die ich liebe, und unseren Fans.
© by Fuze - Ausgabe #118 Juni/Juli 2026 und Dennis Müller
© by Fuze - Ausgabe #118 Juni/Juli 2026 und Sebastian Koll