I SAW DAYLIGHT

Foto© by Romana Aufinger

Hormonelles Songwriting

Neue EP, leicht veränderte Grundausrichtung. Die Ulmer Band spricht mit uns über „smilingisoverrated“.

Ihr beschreibt diese EP als eine Art Neuanfang. Wie ist das zu verstehen?

Kurt: Damit wollte ich eigentlich ausdrücken, dass es schon Kontinuitäten gibt.
Die Stimmung ist relativ gleich geblieben, die Themen, die wir verhandeln, sind gleich geblieben.
Ingo: Die Art, wie wir sie vermitteln, ist aber, würde ich sagen, jetzt anders. Bei den
früheren Aufnahmen standen bei mir zum Beispiel die Emotionen sehr im Vordergrund, ich habe nicht viel auf Technik geachtet. Jetzt ist es kontrollierter. Ich habe immer noch Emotionen, wenn ich diese Songs zum Beispiel live performe, aber ich achte mehr darauf, wie es nach außen klingt, als früher.

War der Wandel in der Musik beabsichtigt oder hat sich das organisch entwickelt?
Laura: Es ist meistens so, dass Manu bei sich auf dem Sofa sitzt, mit einem Bierchen und einer Gitarre, und sich Songs überlegt. Dann bringt er das zur Probe mit und wir alle bringen unser Ding noch mit rein. Wir sagen zum Beispiel, ich möchte am Schlagzeug eher noch ein bisschen so spielen oder am Bass machen wir das noch anders. Und dann feilen wir gemeinsam daran. Die Texte entwickeln sich erst danach.
Manuel: Genau. Es gibt so Grundideen, was man in den Texten verarbeiten möchte, aber das wird komplett auf die fertige Musik geschrieben. Ich weiß gar nicht, wie gesagt, es war völlig random. Ich habe den Song geschrieben, und einen habe ich sogar gar nicht weitergeschickt, weil ich mir dachte: Der klingt echt zu happy. Keine Ahnung, ich weiß nicht, was da los war. Ich habe viel so alten 2005er Emocore gehört. Als wir dann da saßen, haben wir uns entschieden, fünf Songs daraus zu machen und auch die Reihenfolge so festzulegen, dass sie das Konzept der Platte widerspiegelt. Also dieses Gefühl von: Es war einfach erst mal random.

Welches Konzept verfolgt ihr auf der EP?
Ingo: Die Grundidee war, dass ich die Songs an Hormone anlehne. Zwei Songs klangen ein bisschen düsterer, die anderen eher fröhlich, und das hat gut zu den Texten und zum Thema gepasst. Die Hormone stehen gewissermaßen dafür, was im Körper passiert, und das passt auch zu dem Prozess, wenn man schlechte Zeiten hat und es dann wieder besser wird. Man verändert sich nicht komplett als Mensch und man kann auch nicht einfach einen Schalter umlegen. Es ist ein Prozess. Selbst wenn es einem wieder besser geht und schönere Zeiten kommen, ist das kein absoluter Zustand. Und ich glaube, das transportiert die EP zusammen mit den Texten ganz gut.

Über die Schreibweisen der einzelnen Lieder bin ich anfangs gestolpert. Was hat es damit auf sich?
Ingo: Wie schon gesagt, haben wir die Songs an diese Hormone angelehnt. Ich habe praktisch diese Hormone, also Epinephrin, Cortisol, Endorphin, Serotonin und Dopamin, in Songtitel umgewandelt. Deswegen sind sie auch so geschrieben, damit sie phonetisch ähnlich klingen, um die Brücke dazu zu schlagen. Ich habe gedacht, es kommt besser, wenn die Songtitel zusammengeschrieben sind, weil das dann so wie aus einem Guss wirkt. Ich finde es tatsächlich auch von der Ästhetik her schön.

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