
Auf „Sick“ kombiniert die Band aus Merzig rohe Energie mit ehrlichen, nachdenklichen Texten. Hier treffen harte Gitarren und ein treibendes Schlagzeug auf Themen wie Erwachsenwerden, Überforderung und Hoffnung. Im Interview spricht Sänger Henrik Bergmann über den musikalischen Wandel der Band, die Nähe zu den Fans und das besondere Gefühl, auf großen Festivals die Bühne zu betreten.
Wenn du mich fragst, würde ich sagen, eure Musik verbindet Hardcore-Punk und Pop-Punk. Also wäre es vielleicht Hardcore-Pop-Punk? Wie würdet ihr euren Sound selbst beschreiben?
Wir haben uns vor einiger Zeit überlegt, wie wir unseren Sound nennen, weil wir als Punkband gestartet sind. Dann gab es Ausflüge in Hardcore und Metal, aber schließlich fanden wir zurück zu einer Pop-Punk-Basis. Irgendwann dachten wir: Heavy Pop-Punk trifft es am besten, mit Pop-Punk im Kern, aber harten Einflüssen, schnellem Schlagzeug, Breakdowns und geschrienen Parts. Hardcore-Pop-Punk passt aber auch gut.
Und welche Bands haben euch geprägt? Gerade beim Song „Grown up“ musste ich direkt an SUM 41 denken.
Danke, das freut mich. Wir sind mit BLINK-182, SUM 41, ALL TIME LOW aufgewachsen. Dazu hören wir A DAY TO REMEMBER, STICK TO YOUR GUNS, BRING ME THE HORIZON, also viel aus verschiedenen Bereichen, was sich auch in unserer Musik niederschlägt.
Ihr habt schon mehrere Alben veröffentlicht, zuletzt „Therapy In Melody“ 2023. Wie haben sich euer Songwriting und Stil seit eurer Debüt-EP „Slaves To The Rules“ verändert? Werdet ihr mutiger oder direkter?
Absolut. Wir haben in der Schule angefangen, kleine Jugendzentren im Saarland bespielt und sind langsam gewachsen. Mittlerweile sind wir älter, haben mehr Erfahrungen, viel Musik gehört und unzählige Konzerte gespielt. Man merkt, was live funktioniert und was nicht. Das Songwriting ist mutiger geworden, wir experimentieren mehr, setzen auf zweistimmigen Gesang und abwechslungsreiche Instrumentierung. Früher ging es nur ums Geknüppel, heute sind wir offener für verschiedene Stile, was sich im Songwriting zeigt.
Textlich beschäftigt ihr euch auf „Sick“ auch mit solchen introspektiven Themen wie Erwachsenwerden, Überforderung und negativen Gefühlen. Gab es dafür einen besonderen Auslöser?
Es prasseln einfach so viele schlechte Nachrichten auf uns ein, durch Medien wie Facebook, Instagram oder TikTok. Alles kommt ungefiltert an, gute Nachrichten zu finden, ist schwierig. Gleichzeitig erleben wir auf Konzerten das Gegenteil: Menschen lächeln, sind glücklich, tolerant, offen. Diese zwei Seiten spiegeln sich auf „Sick“ wider. Es ist unser Weg, die Balance zwischen Negativität und Hoffnung zu finden.
Du hast gerade zwei Punkte angesprochen: eure energiegeladenen Shows und die Fans. Was ist für euch persönlich der spannendste Moment auf der Bühne?
Die besten Momente passieren oft nicht auf der Bühne, sondern wenn ich ins Publikum gehe und mich mitreißen lasse. Diese Nähe zu den Fans ist großartig. Deshalb sind wir vor und nach den Shows oft dort, wo die Leute unterwegs sind. Wir wollen keine abgehobene Band sein, sondern eine Gruppe aus dem Saarland, die Musik spielt und genau das zurückgibt, was uns die Szene gibt.
Festivals wie Rock am Ring, Open Flair oder Full Force sind der Traum jeder jungen Band. Wie fühlt es sich für euch an, diesen Traum jetzt zu leben?
Es ist keine Selbstverständlichkeit, auf großen Bühnen zu stehen. Ich erinnere mich noch, wie ich vorgestern mit meinen Eltern darüber gesprochen habe: Früher saß ich auf der Couch und dachte, eines Tages will ich da im Publikum stehen. Jetzt standen wir auf der Bühne. Das ist total krass. Deshalb ist es für uns eine kleine Ehre, unser kleines Saarland ein Stück weit auch auf den großen Festivals zu vertreten.
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