Die Einen halten sie für eine Kultband, die Anderen sehen in ihnen nur sexistische dilettantisch auf ihre Instrumente einschlagende Idioten. Ox, das Fachmagazin für Gegensätze, konnte es sich angesichts dieser Tatsache nicht nehmen lassen, die KASSIERER in heimischen Gefilden einer eingehenden Befragung zu unterziehen. Das Ergebnis: Es ist mal wieder alles anders als man denkt, weshalb dieses Interview auch all denen zur Lektüre empfohlen sei, die bisher noch glauben, die KASSIERER seien einfach nur Scheiße. Wir sprachen mit den beiden Wendtland-Brüdern Volker und Wolfgang, wobei ersterer Schlagzeug und Gitarre spielt und letzterer der Mann mit dem Mikrofon ist. Wie es so unsere Art ist, kamen wir natürlich zu früh bei Volker an, so dass wir noch ein paar Minütchen in der Küche warten mussten, bis der Mann seine Tätigkeit als Gitarrenlehrer (!!!) beendet hatte. Kurze Zeit später traf dann auch Maestro Wolfgang W. ein, schwerbewaffnet mit mehreren Flaschen Bier.
Hey, letzte Woche wart ihr in Stefan Raabs TV-Sendung „Vivasion". Ist der Typ wirklich so panne, wie es den Anschein hat?
Wolfgang: Uns war er eigentlich ganz freundlich gesinnt, aber er hat schon das Gemüt eines debilen kleinen Künstlers. Er strengt sich an, über sich hinauszuwachsen.
Ich hatte das Gefühl, dass er euch und eurem Humor nicht so ganz gewachsen war. Volker: Das ist auch vollkommen richtig.
Wolfgang: Es war keine symmetrische Kommunikation, wenn du das meinst.
Ihr redet so studiert. Wie kommt das denn?
Volker: Naja, ich bin im 24. Semester Pädagogik, Germanistik und Philosophie.
Wolfgang: Und ich bin im 25. Semester Pädagogik, Philosophie und Politik und Film-, Theater- und Fernsehwissenschaften.
Wenn man euch auf der Bühne sieht, möchte man das kaum für möglich halten. Obwohl, wenn man genauer überlegt, wirkt ihr ja nur auf den ersten Blick wie ungehobelte, asoziale Rabauken.
Volker: Zur Hälfte stimmt das auch...
Wolfgang: Wo steht geschrieben, dass ein studierter Mann nicht asozial sein darf? Ich sehe da keinen Widerspruch.
Mich erinnert das an TERRORGRUPPE, die nur scheinbar platten Deutschpunk machen, denn sie wissen genau, wie sie mit den Klischees spielen können. Andere Bands dieses Genres propagieren ihre Trinkfestigkeit dagegen ohne jeglichen ironischen Unterton.
Volker: Nein, das ist bei uns keineswegs so! Wolfgang, sag doch mal, wie viel du am Tag so trinkst.
Wolfgang: (macht sich in fünf Minuten Interview bereits die zweite Flasche Bier auf) Ich trink 'ne Menge!
Volker: Komm komm, das gibt es nicht so ganz wieder, denn du trinkst wirklich irrsinnig viel.
Wolfgang: Naja, davon abgesehen hat es mit Satire relativ wenig zu tun, wenn man auf nem Konzert voll abfeiert - höchstens dann, wenn man versucht, sich die ganze Sache auch noch vom Kulturamt bezuschussen zu lassen. Dann würde man wohl sagen, es soll Satire sein. Aber von unserem Selbstbild her ist es keine Satire - oder doch? Das bleibt dem Zuhörer überlassen. Prost!
Moment, so billig kommt ihr mir nicht davon. Es ist doch ein Unterschied, ob man jemanden vor sich hat, bei dem man den Eindruck hat, er weiß gar nicht, was er da macht, oder eine Band wie euch.
Wolfgang: Du meinst jetzt das klassische Bild eines Künstlers: Gesund oder krank, ein Dichter ist kein normaler Mensch. Er sieht Dinge, die anderen verborgen bleiben. Schreibt er sie nieder, ist es Kunst. Er muss es unabsichtlich tun, und du meinst, was wir tun, ist zu absichtlich, oder? Nach 25 Semestern Pädagogik kann man aber nicht unabsichtlich betrunkenen sein, oder wie ist deine Frage jetzt zu verstehen?
Was wir meinen, ist, dass man nicht einfach so über sein großes Glied singen kann, ohne eine bestimmte Intention zu haben. Sonst wäre das zu platt.
Volker: Diese Diskussion hatten wir schon lange. Es hat schon seinen tieferen Sinn und man kann es auch als Satire bezeichnen, wenn hier mal ein ernsthaftes Wort erlaubt ist. Wolfgang: Es ist ganz bestimmt satirisch, aber in erster Linie lustig, denn sonst könnten wir selbst das ja nicht ständig ertragen.
Leute wie die Wildegger Herzbuam, die meinen ja tatsächlich ernst, was sie da machen, sind aber unfreiwilig extrem komisch.
Wolfgang: Das ist mehr so eine Kunstform des unfreiwilligen Dadaismus, denke ich. Trotzdem: Wir sehen uns zwar selbst auch als satirische Band, aber es ist nicht so, dass wir ewig lange studiert haben, um dann ein satirisches Bandprojekt zu gründen. Die Band gibt es beinahe genauso lange wie wir studieren. Wir haben es auch nie darauf angelegt, damit populär zu werden, denn wir haben den gleichen Scheiß wie heute auch schon zu einer Zeit gemacht, als wir noch halbe Kinder waren. Und ein Teil der Sachen stammt sogar aus unserer Kindheit, zum Beispiel „Rollenrollen Underberg". Das gibt's schon seit 1967.
Volker: Es ist wirklich amüsant zu beobachten, wenn von Punks das gesungen wird, was wir als Fünfjährige krakeelt haben.
Wolfgang: Ich finde das auch sehr beeindruckend. Ich hätte mir als Fünfjähriger nie vorstellen können, dass einmal die Zeit kommen würde, wo ich nicht nur allein mit meiner Stoffkatze im Arm „Mo, Di, Mi..." singe, sondern Hunderte mit einstimmen.
Wie schätzt ihr denn euer Publikum ein? Sind das Leute, die humormäßig auf eurer Wellenlänge sind, oder welche, die euch einfach nur plump abfeiern?
Wolfgang: Ich mache mir über unser Publikum keine Gedanken, das ist mir egal.
Tatsache ist aber, dass zu euren Konzerten immer recht viele Skinheads kommen.
Wolfgang: Ich kann dir keine prozentualen Anteile nennen, aber das stimmt schon.
Volker: In Zukunft werden wir am Eingang Perücken und Bärte verteilen, damit das nicht mehr so auffällt: Perückenzwang für Skinheads!
Habt ihr eine Erklärung dafür?
Wolfgang: Nein, aber wenn bei unseren Konzerten plötzlich eine größere Anzahl von Nonnen in Kluft erscheinen würde, dann würde ich mir mehr Gedanken darüber machen. Volker: Als wir neulich in Nordenham spielten, kam plötzlich ein Bus an, und es stiegen ganz sonderbare Gestalten aus. Das war ein ganzer Bus voller Tunten, also nur Typen, die sich so ganz auffällig als Frau geschminkt und gekleidet hatten. Keine Ahnung, wo die herkamen, jedenfalls sind die extra wegen unseres Konzertes angereist.
Die Frage wegen der Skinheads habe ich auch deshalb gestellt, weil gelegentlich zu hören ist, die Platten von Teenage Rebel, wo auch euer letztes Album erschienen ist, würden nur noch Glatzen kaufen.
Volker: Quatsch!. Das liegt doch nur an diesen komischen O.H.L.
Wolfgang: Naja, die haben halt Bands im Programm, wo auch Skinheads hinkommen, aber ich habe darin noch nie ein Problem gesehen. Selbst bei den Ex-BECKS PISTOLS, bei PÖBEL & GESOCKS, gehen die Konzerte meist friedlich ab. Neulich habe ich in Wattenscheid selbst ein Konzert von denen veranstaltet, und obwohl mich viele Leute gewarnt hatten, dass es garantiert Ärger geben werde, war es das friedlichste Konzert, das in dem Laden je stattgefunden hat.
Wo kommt ihr szenemäßig so her?
Volker: Ich bin eigentlich Jazzmusiker - im Ernst! Ich bin da eher zufällig reingerutscht, weil Wolfgang mein Bruder ist. Wolfgang ist ursprünglich Filmemacher.
Wolfgang: Ja, stimmt. Ich habe früher immer Super 8-Filme von irgendwelchen Punkkonzerten gemacht, und wir sind dann mit diesen Filmen überall rumgefahren und haben sie gezeigt. Durch dieses Rumfahren kannte man dann mit der Zeit auch ne Menge Bands, und deshalb haben wir in Mülheim im Kino am Kassenberg versucht, selbst ein Punkkonzert zu veranstalten. Irgendwie hatte da dann aber eine Band abgesagt, und weil wir es witzig fanden, dass die Leute, die an der Kasse sitzen, selbst als Band auftreten, haben wir einfach DIE KASSIERER mit angekündigt. Daher kommt also der Name. Innerhalb von vierzehn Tagen mussten wir dann unser Repertoir zusammenstellen, was dazu führte, dass wir sehr viele Lieder aus der eigenen Kindheit eingebaut haben. Zum Beispiel „Hugo wart's nur ab, bald bleibt die Pumpe stehen", das von unserem Großvater handelt. Das trällerten wir tatsächlich vor uns hin, als Hugo mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus in Bochum-Langendreer lag.
Volker: Nach diesem Auftritt sprachen uns dann immer wieder mal Leute an, ob wir nicht bei ihnen spielen wollen, also haben wir das gemacht. Und so hat sich das weiterentwickelt.
Hattest du als Jazzmusiker denn da nie musikalische Berührungsängste?
Volker: Nö, warum auch?
Euer Humor ist durchaus dazu angetan, Leute mit eher konservativen Moralvorstellungen abzustoßen. Habt ihr in dieser Hinsicht Probleme?
Wolfgang: Ich würde sagen, jede Offenbarungsreligion ist letztendlich moralischen Handlungen entgegengesetzt. Die Leute, die ihre moralischen Bedenken gegenüber solcher Musik wie eine Religion feiern, sind in Wirklichkeit keine ethisch handelnden Menschen. Sie brauchen es, Leute wie uns zu kritisieren, so wie der Katholik beten muss, nur um am anderen Tag seine Mitmenschen zu bescheißen.
Jedenfalls ist es in Deutschland so, dass man auf manche Sachen einen Aufkleber „Achtung, Satire!" machen muss. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hat ja auch die Ärzte indiziert.
Wolfgang: Laut Grundgesetz findet in Deutschland aber keine Zensur statt, sondern nur eine Nachzensur. Deshalb kann man erstmal veröffentlichen, was man will, und wenn die uns dann unbedingt zensieren wollen, sollen sie das tun. Das kann aber kein Grund sein, das eigentliche künstlerische Werk, das gleichsam dasteht wie ein gelebter gotischer Dom, von vornherein in ein kleines Häuschen umzubauen.
Das hast du sehr schön gesagt.
Wolfgang: Ja, ich staune über mich selbst.
Probleme mit enstprechender Nachzensur habt ihr also nicht.
Wolfgang: Es gab mal so ein paar kleinere Vorfälle, wo ein paar - ich hätte jetzt beinahe Spinner gesagt -, der Meinung waren, unsere Lieder seien sexistisch. Die haben das dann auch hier in Bochum in einer Bürgerfunk-Sendung verbreitet...
Volker: Das war der Harte Chor. (Anmerkung: Die Konzertgruppe, die auch im Bochumer „Zwischenfall" aktiv ist. jh)
Wolfgang: ...was dazu führte, dass wir enstprechend der Gesetzeslage eine Gegendarstellung verlangt haben, die die aber nicht senden wollten. Letztendlich mussten wir die dann von unserem Anwalt durchdrücken lassen und haben selbst angefangen, Bürgerfunksendungen zu machen und in deren Richtung zurückzuschimpfen. Aus diesem Umfeld wurden wir dann später zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, wo wir erstmal im Regen stehen mussten, weil die diskutierten, ob sie überhaupt mit uns diskutieren. Schließlich haben sie uns dann zum Diskutieren „vorgeladen", denn es war eigentlich nur eine Anhörung und die wollten über uns zu Gericht sitzen. Wir haben eine halbe Stunde auf die eingeredet und es stellte sich heraus, daß die alle nur den Radiobeitrag vom Harten Chor kannten, aber nicht die Platte an sich. Es wäre ja auch nicht politisch korrekt, sich so eine Platte anzuhören. Mittlerweile hat sich dieser Konflikt aber gelegt, denke ich, denn das ist einfach nur lästig.
Volker: Wir haben ja auch wirklich versucht, uns mit deren Argumenten auseinanderzusetzen, und haben einen langen, tiefgründigen Brief geschrieben, in dem wir die Angelegenheit klarstellen wollen.
Wolfgang: Die ganze Kritik bewegte sich ungefähr auf der Dämlichkeitsstufe, dass sie so ein Stück wie „Die Scheide von Kristiane Backer" mit dem Argument angegriffen haben, das hätte einen sexistischen Text - dabei hat das Lied überhaupt gar keinen Text. Die haben sich alles, was wir gesagt oder geschrieben haben, so zurechtgebogen, dass es in ihr Weltbild passt. In unserem Brief stand zum Beispiel, die Szene solle sich nicht darüber zerstreiten, ob Gegendarstellungen gesendet werden oder nicht. Die haben dann daraus gemacht, wir hätten gemeint, man solle sich nicht über so Kleinigkeiten wie Sexismus zerstreiten. Aber dieses Verdrehen ist wohl deren pathologisches Problem.
Linke Humorlosigkeit...
Wolfgang: Ich würde diese Leute nicht als Linke bezeichnen. Das ist vielmehr eine Frage des Etiketts: Jemand macht sich einen Aufnäher auf die Jakke „Ich bin links", und fortan ist all das, was er sagt, richtig, weil er ja links ist auch wenn er von linken Positionen nichtmal die leiseste Ahnung hat. Das bewegt sich auf der geistigen Ebene von jemandem, der die Hexenverbrennung wissenschaftlich begründen will, denn es hat auch was Quasi-Religiöses.
Um auf die Texte zurückzukommen und den Ärger, den man damit bekommen kann: Die ANGEFAHRENEN SCHULKINDER haben wegen ihres Steffi Graf-Textes großen Ärger bekommen. Hat sich Kristiane Backer schon bei euch gemeldet?
Wolfgang: Nö, warum auch? Sie kann das Vorhandensein dieses Körperteils ja nicht leugnen.
Volker: Außerdem ist es ja keine Verschmähung, sondern vielmehr eine Huldigung.
Wie sieht denn euer Verhältnis zu den offiziellen Stellen der Stadt Bochum aus, etwa dem Kulturamt?
Wolfgang: Zu denen haben wir ein gutes Verhältnis, und die haben auch unser Konzert zusammen mit TERRORGRUPPE und PÖBEL & GESOCKS mit 600 Mark bezuschusst. Ich hatte einfach einen Antrag geschrieben, und dann lief das. Es gibt nämlich seit Bestehen der Band auch einen gemeinnützigen Kulturverein, der sich „Kulturgemeinschaft Bochum e.V." nennt, was abgekürzt KGB heißt, und äh, nun, die Kulturgemeinschaft Bochum veranstaltet eben gern Konzerte.
Wie kommt man zu Hans Meiser ins RTL-Fernsehen?
Wolfgang: Unser Gitarrist hatte anlässlich der Chaostage einen Leserbrief an sämtliche Redaktionen gefaxt, und da war auch die Redaktion von Hans Meiser dabei. Die riefen dann bei ihm an und meinten, daß sie die Chaostage überhaupt nicht interessierten, aber sie bereiteten gerade eine Sendung über absurde Pärchen vor. Daraufhin hat Niko dann mich und meine Freundin an die verkauft. In der Sendung habe ich mich auch nicht anders gegeben als in diesem Interview, dafür lag die schauspielerische Spitzenleistung auf Seiten meiner Freundin, die gerade in der Vorbesprechung sehr überzeugend die kleine Angestellte einer Reinigungsfirma gemimt hat. In der Sendung selbst habe ich dann eher Scheiße erzählt. Zum Beispiel fragte der: „Herr Wendtland, sind sie romantisch?", worauf ich antwortete: „Nee, ich bin eher sozial." Das gab sehr schöne Verstörungseffekte. Klasse war auch, als Hans wie üblich die CD in die Kamera hielt und wie üblich die Titel vorlesen wollte, plötzlich stockte und meinte: „Äh... und in der Band spielen mit…
Kauft denn überhaupt jemand eure Platten?
Wolfgang: Ja, durchaus. Von „Der Heilige Geist greift an" haben wir so um die 4.000 Stück verkauft.
Volker: Für die Scheiße ist das doch ganz gut, oder?
Wolfgang: Ich kann mir eigentlich gar nicht vorstellen, dass sich jemand in meiner Abwesenheit so eine Platte anhört.
Volker: Just in diesem Moment legt jemand die Platte auf und genießt sie bei einem Schwenker guten Cognacs. Das ist doch eine erhabene Vorstellung.
Wolfgang: Mittlerweile glaube ich auch, dass sich der eine oder andere die Platte nicht nur aus bloßer Gefälligkeit gegenüber meiner Peson gekauft hat. Da muss wohl irgendwas dran sein.
Was den musikalischen Aspekt eurer Band betrifft, so stellt man bei genauerem Hinhören fest, dass ihr euch nur dem ersten Eindruck nach dilettantisch anhört und stattdessen jeder Handgriff sitzt.
Volker: Das ist ja gerade die Kunst, dass es sich so anhört, als würden wir die Instrumente nicht beherrschen.
Wolfgang: Mein Gesang liegt ja auch völlig neben dem Takt, aber dieses Dagegensingen ist in Wirklichkeit ein Verfahren aus der Zeit, als man Tonaufzeichnungen nur bei Tonfilmen machte. Denn als der Tonfilm aufkam, mussten die Schauspieler, die bislang stumm agiert hatten, plötzlich singen. Da hatte man das spezielle Verfahren entwickelt, gegen die Musik anzusingen, was im Endeffekt aber doch stimmig klang. Heinz Rühmann zum Beispiel macht das auch, das heißt machte, denn nun ist er ja endlich tot.
Was wäre für euch niveaulos?
Volker: Wenn wir so Musik machen würden wie Westernhagen, ILLEGAL 2001 und so Kram. Das ist'ne Katastrophe.
Wolfgang: Hier aus der Gegend kommt ne Band, die heißt HARTMANN und macht eigenen Angaben zufolge „Niveaurock". Allein diese Bezeichnung ist Grund genug, die sich vielleicht mal anzuschauen.
Jetzt, wo Helge Schneider mit seiner Inszenierung von Trash so angesagt ist, müsstet ihr doch auch ganz gute Karten haben.
Wolfgang: Der Unterschied zwischen uns und Helge Schneider ist, dass der das mit Absicht macht. Wir machen das aus Versehen. Ich kann nicht singen, ehrlich.
Volker: Wolfgang und ich haben beide schon mehrjährige Psychiatrieerfahrung - oder soll ich das jetzt nicht erzählen, Wolfgang?
Wolfgang: Doch, wieso nicht? Ich bin mal eingeliefert worden, weil ich mich für James Bond hielt. Deshalb ist das, was wir machen, schon ziemlich authentisch, wir müssen das nicht mimen. Und ich muss zu unserer Ehrenrettung sagen, dass ich von unserer CD auch zwei an unterschiedliche Neurologen verkaufen konnte, die ich noch aus meiner Zeit neurologischer Behandlung kenne. Wir hätten neulich auch auf einem Benefizkonzert für Jugoslawien in der Wattenscheider Stadthalle spielen sollen, das wir aber abgesagt haben, weil auf den Plakaten die Gewerkschaft der Polizei als Sponsor ausgewiesen wurde. Und wir standen dann mit ein paar Dosen Bier vor der Halle, um ein paar Leuten Bescheid zu sagen, daß wir nicht spielen, als eine Krankenschwester aus der Irrenanstalt ankam, die unsere CD kaufen wollte - um sie ihren Kolleginnen zu schenken, als Erinnerung an einen ehemaligen Patienten! Ich muss vielleicht dazusagen, dass die Neurologen nicht der Meinung waren, daß die Musik krank ist. Der eine meinte allerdings, er würde sie nicht seiner Mutter vorspielen.
Vielleicht hat die Platte ja therapeutischen Wert.
Wolfgang: Ja, ich glaube, das ist eine Platte, die Irren Mut macht.
Wie lange werdet ihr das mit den KASSIERERN noch machen?
Volker: Bis zum 5. Mai, denn da haben wir zu unserem 10. Bandjubiläum ein Konzert im Zwischenfall, das unter dem Motto steht: „Zehn Jahre sind genug.
Wolfgang: Danach werden wir dann seriösen Beschäftigungen nachgehen, zum Beispiel Bernsteinsammeln in Danzig, Wünschelrutengänger, Erdstrahlenexperte - ich weiß noch nicht genau...
Volker: …oder Darsteller in einem „Aktenzeichen XY ungelöst"-Filmchen.
Wir danken euch für die Gewährung dieser Audienz.
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