© by Thomas EgerRyo Kinoshita verließ 2022 CRYSTAL LAKE, bei denen der Japaner vorher zehn Jahre lang Sänger war, aufgrund einer psychischen Erkrankung. Nun meldet er sich mit seinem neuen Projekt KNOSIS zurück und erklärt uns, wie es ihm nun geht und wie er den Weg zurück zur Musik gefunden hat.
Als du bei CRYSTAL LAKE gegangen bist, gab es ein Statement von dir, dass du an einer Anpassungsstörung leidest – wie geht es dir jetzt? Kannst du uns erklären, wie sich das damals auf dich ausgewirkt hat und wie du heute damit zurechtkommst?
Ich leide seit etwa 2016 an einer Anpassungsstörung, und besonders schlimm wurde es, als Corona kam. Die Isolation, die Ungewissheit und die Tatsache, dass ich in einer ungesunden Umgebung festsaß, haben mich geistig und emotional wirklich kaputt gemacht. Zu dieser Zeit habe ich mich selbst nicht mehr erkannt. Ich war ständig ängstlich und überfordert und es fühlte sich an, als hätte ich jede Orientierung verloren. Zum Glück sind die Dinge jetzt ganz anders. Ich habe mich sehr gut erholt. Es war absolut wichtig, dass ich mich von diesem toxischen Umfeld gelöst habe und mich mit Menschen umgab, die sich wirklich um mich sorgten und mich respektierten, wie ich bin. Dieses Unterstützungssystem hat mir geholfen, wieder ein Gefühl des Friedens zu finden, und heute geht es mir viel besser, sowohl mental als auch seelisch.
KNOSIS ist dein neues Projekt. Wie war es, eine Band zu verlassen, in deren Aufbau du so viel Zeit investiert hast, und etwas Neues zu beginnen? Wusstest du gleich, dass du wieder eine Band gründen wolltest?
Mich von CRYSTAL LAKE zu trennen, war eine der schwersten Entscheidungen, die ich je getroffen habe, weil ich über die Jahre so viel von mir selbst in den Aufbau dieser Band investiert hatte. Es fühlte sich an, als würde ich einen Teil meiner Identität aufgeben. An einem Punkt war ich sogar bereit, die Musik ganz aufzugeben. Ich dachte nicht, dass ich es in mir hätte, neu anzufangen. Aber dann kam mein Freund Yosh von SURVIVE SAID THE PROPHET ins Spiel. Er hat mich nicht nur ermutigt, er hat mich aktiv aus der Dunkelheit geholt. Dank ihm fand ich meinen Funken, meine Inspiration wieder. Er rettete mich und holte mich aus der Hölle. KNOSIS wurde zu meiner zweiten Chance, und ehrlich gesagt habe ich mich noch nie so lebendig gefühlt wie jetzt. Das Schaffen und Auftreten mit diesem Projekt bringt mir eine Freude und Freiheit, von der ich nicht dachte, dass ich sie wiederfinden würde.
Es gibt dieses berühmte Zitat aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Trifft das auch auf KNOSIS zu?
Das Zitat ist wunderschön, und ja, es trifft absolut auf KNOSIS zu. Dieses Projekt zu starten war wie das Aufwachen aus einem langen, düsteren Traum. Ich war völlig ausgebrannt und bereit, alles hinter mir zu lassen, aber Yosh hat sich geweigert, mich gehen zu lassen. Wie ich schon sagte, wollte ich meine Musikkarriere aufgeben, aber Yosh hat hart daran gearbeitet, mich zurück in die Szene zu holen. Er sah etwas in mir, das ich aus den Augen verloren hatte, und drängte mich nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Er glaubte an KNOSIS, bevor irgendjemand überhaupt davon gehört hatte. Er beschloss sogar, uns auf eine Japantournee zu buchen, noch bevor wir eine einzige Show gespielt hatten. Diese Art von Vertrauen und Hingabe entfachte das Feuer für KNOSIS, und es erinnerte mich wieder daran, warum ich mich überhaupt in die Musik verliebt hatte. Es fühlte sich wirklich wie Magie an, der Beginn von etwas Mächtigem und Echtem. Er hat mich durch das gemeinsame Musizieren am Leben gehalten.
Glaubst du, dass die kreative Arbeit mit KNOSIS dir hilft, deine Krankheit zu überwinden? Oder befürchtest du, dass es dich eher unter Druck setzt, wieder in einer Band zu sein?
Mit KNOSIS Musik zu machen war wie eine Art Therapie. Die Zusammenarbeit mit Yosh hat einen sicheren Raum geschaffen, in dem ich alles ausdrücken kann, was ich in mir trage. Ich öffne meinen Geist und lasse alles raus. Es ist nicht leicht, aber es ist unglaublich heilsam. Das ist es wirklich. Es ist hart, aber es ist das Einzige, was mir hilft, mich lebendig zu fühlen. Es gab eine Zeit, in der mir allein der Gedanke, wieder in einer Band zu spielen, Angst machte, wegen des Drucks und der Erwartungen. Aber mit KNOSIS ist das anders. Unsere Tourmusiker und die Crew haben mich sehr unterstützt. Sie sind mehr als nur Kollegen, sie sind Freunde, die mir helfen, den Boden unter den Füßen zu behalten und ausgeglichen zu sein. Dank ihnen genieße ich es jetzt wieder, in einer Band zu sein, ohne den Stress, der früher damit verbunden war. Sie helfen mir, nicht so viel Druck zu spüren.
2012 hast du mit CRYSTAL LAKE begonnen. Ich habe das Gefühl, dass japanische Bands in der Zwischenzeit international immer präsenter geworden sind. Ist es jetzt einfacher für sie, außerhalb Japans Anerkennung zu finden?
Das mag den Anschein haben, aber in Wirklichkeit ist es auf eine andere Art und Weise schwieriger geworden. Damals, als japanische Bands auf der Weltbühne noch eine Seltenheit waren, hat uns das geholfen, aufzufallen. Japanische Bands gibt es jetzt überall, also können wir dieses Gimmick nicht mehr verwenden. Es reicht nicht mehr aus, zu sagen: „Wir kommen aus Japan“. Wir befinden uns in einer Zeit, in der das Publikum hinterfragt, was echt ist und was nur ein Image ist. Also müssen wir uns in jeder Hinsicht beweisen: indem wir kraftvolle Musik schreiben, unvergessliche Live-Shows veranstalten und mit den Menschen auf einer tieferen Ebene in Kontakt treten. Das ist es, was in Zukunft den Unterschied ausmachen wird.
© by Fuze - Ausgabe #113 August/September 2025 und Dennis Müller
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